Meiner Ansicht nach entspringen Vorstellungen wie "dunkle Materie" und "dunkle Energie" der gleichen Denkweise wie man früher den "Äther" als Übertragungsmedium für Radiowellen postulierte, weil man sich über das Wesen der beobachteten elektromagnetischen Phänomene einfach noch nicht im Klaren war.
Beim Thema "dunkle Materie" und "dunkle Energie" bin ich der Meinung, dass einfach die Gravitation an sich noch nicht ansatzweise weit genug verstanden wurde. Vielleicht muss man sich schlicht von der Vorstellung lösen, dass Feldgrößen wie die Gravitation oder die Culomb-Kraft sich wirklich auf allen Skalen völlig gleichartig wie in unserer messbaren Umgebung verhalten und dass z. B. auch das Raum-Zeit-Kontinuum ggfls. vll. lokal davon abhängt was der jeweils beobachtete Raum an "sichtbarer" baryonischer Materie enthält. Möglicherweise könnte man so z. B. die indirekt beobachtete Beschleunigung erklären, oder aber feststellen, dass die Beobachtung der unidirektionalen Rotverschiebungen gar nicht auf eine beschleunigten Raumausdehnung zurückgeht, sondern z. B. auf ein massenverteilungsabhängiges Feldverhalten der Gravitation an sich. Die Größenskalen in denen wir mit Referenzmethoden bestimmte "Konstanten" wirklich nachweisen können, sind so viel kleiner als die beobachtbare Raumausdehnung des Universums, dass man solche Skaleneffekt einfach nicht ausschließen kann, auch wenn wir sie eben nicht nachweisen können, weil unsere Reichweite für echte Nachweise mit alternativen Messmethoden einfach zu beschränkt ist. Dass das Licht sich im phenomenologischen Sinne im ganzen Universum gleich verhält, wenn es z. B. an Massenansammlungen gebeugt wird bzw. Gravitationslinseneffekte an Singularitäten zeigt, oder eben bei Relativbewegungen blau- oder rotverschoben wird, ist denke ich unbestreitbar und kann wirklich an vielen beobachtbaren Phänomenen gezeigt werden, aber ob die Gravitation nicht vllt. abhängig von den lokal vorhanden Massen unterschiedlich wirkt, was sich auf die lokale Lichtgeschwindigkeit im Vakuum auswirken würde, können wir für große Skalen nicht wirklich beweisen. Wäre dem aber so, könnte sich z. B. die beobachtete Rotverschiebung weit entfernter Galaxien durchaus auch einfach durch den mit der Strecke des Lichtpfads immer mehr werdenden Abschnitten durch den "leeren" Raum zurückführen lassen, in dem das Licht ggfls. mit einer leicht anderen Lichtgeschwindigkeit unterwegs ist, weil keine Masse in der Nähe ist. Dann würde die Rotverschiebung nicht auf die Relativgeschwindigkeit zum beobachteten Objekt zurückgehen, sondern auf die in massearmen Raumbereichen veränderte Gravitation. Da in E=m*c² die Masse steckt, die die Ruheenergie bestimmt, aber die Masse wiederum mit der Gravitation zusammenhängt, könnte eine massenverteilungsabhängige Gravitationswirkung die Lichtgeschwindigkeit beeinflussen und die wirkliche Ursache, ist bei der Gravitation meiner Ansicht nach eben einfach noch nicht wirklich handhabbar verstanden - schon gar nicht auf großen Skalen. Die Frage ob das Higgsfeld unabhängig von der Massenverteilung um den Ort der Messung ist, lässt sich nicht beweisen. Das ist meines Wissens lediglich eine Annahme.
Jedenfalls wäre die beobachtete Rotverschiebung ferner Galaxien dann u. U. eben kein relativistischer Effekt der eine beschleunigte Raumausdehnung zeigt, sondern wäre dem großen Abstand und einem geringen aber sich mit zunehmender Strecke aufsummierender Gravitationseffekt geschuldet. Auch diesen Ansatz kann man natürlich genauso wenig ohne Weiteres beweisen wie die Postulate der "dunklen Materie" oder der "dunklen Energie", aber es wäre durchaus vorstellbar, dass die Gravitation eben keine über alle Skalen zu 100% homogene Feldgröße ist. Um das zu falsifizieren, müsste man Gravitationsmessungen fernab großer Massen in der Umgebung durchführen, was uns nun mal nicht möglich ist.
Was mich zu solchen Vermutungen im Hinblick auf die Rechenvehikel "dunkle Materie" und "dunkle Energie" kommen lässt, ist die Tatsache, dass man immerhin alle bekannten Feldgrößen theoretisch oder inzwischen ja auch meist tatsächlich, wenn auch indirekt, beobachtbaren realen Teilchen/Energien zuordnen kann, die zweifellos zur sicht-/messbaren Materie/Energie gezählt werden müssen, weil sie schlussendlich auch in Wechselwirkung mit dieser treten können (wenn auch einige nur mit sehr geringen Wahrscheinlichkeiten - vgl. Neutrinos). Die Annahme es gäbe noch weitere Feldgrößen wie "dunkle Energie", auf die nur Beobachtungen in sehr großen Entfernungen, weit außerhalb der für uns zum Nachweis erreichbaren Entfernungen, hindeuten, oder "dunkle Materie", die ja den Theorien nach eigentlich auch als Teilchen wie das Higgs-Boson darstellbar sein müsste, wenn sie die postulierte Graviatationswirkung, bzw. einer der Gravitation ähnlichen Wirkung auf baryonische Materie haben soll, finde ich schon reichlich weit hergeholt. Vor allem, weil diese Vorstellungen ja wirklich nur darauf basieren, dass sich eben gewisse beobachtete Zusammenhänge ohne solche "Äther"-artigen Hilfsgrößen momentan nicht erklären lassen.
Im Endeffekt glaube ich dass "dunkle Materie" und "dunkle Energie" letztlich vor allem der Tatsache entspringen, dass die mathematische Abstraktion derartiger Phänomene Kosmologen einfach dazu verleitet, Hilfsgrößen oder freie Parameter einzuführen, mit denen man sich seine, zumindest für das aktuelle Verständnis gut passenden Formeln immer so zurecht biegen kann, dass sie zur Beobachtung passen. Das ist absolut menschlich und war früher auch nicht anderes (siehe "Äther"). Was mir allerdings Sorgen macht, ist die heute scheinbar zum wissenschaftlichen Konsens gehörende Herangehensweise, dass solche postulierten und nicht mal in Ansätzen verstandenen Hilfsgrößen ohne Verifikationen bereits zum weitreichenden Weitergeknobeln an anderen Fragestellungen genutzt werden - wohlwissend, dass das ganze Gedankengebäude zusammenbricht, wenn sich herausstellt, dass die getroffenen Postulate sich als falsch herausstellen. Natürlich kann man das machen, aber es besteht die Gefahr, dass man sich dabei grandios verrennt. Außerdem birgt das die Gefahr, dass sich derartige Annahmen als gegebene Tatsachen so verfestigen und die vllt. wichtigeren Fragestellungen aus dem Fokus rücken, wenn man mit der Erklärung des Universums weiterkommen will. Des Weiteren sind Fehlerfortpflanzung und Fehldeutungen, genau wie bei den Simulanten die irdische Probleme von der meist komplexen Praxis auf eine mathematisch gut handhabbare theoretische Ebene herunterbrechen, einfach vorprogrammiert, wenn man mit seinen Berechnungen auf einen nicht in allen Aspekten sauber verifizierten Ansatz aufbaut.