AW: Was ist Realität, Wahrheit oder Wirklichkeit?
Ich sag ja nicht, dass man nicht so fit sein kann. Ich sag nur dass es schon eine sehr spezielle Geisteshaltung braucht, um sich in so jungen Jahren und so guter Verfassung auf eine Suizidmission zu begeben. Wenn du weißt, dass du z.B. krankheitsbedingt in 3-4 Jahren sterben wirst, ist es schon zu spät. Du musst mit spätestens 60, eher mit 50 los, um halbwegs auszuschließen, dass du nach der Landung für nichts mehr zu gebrauchen ist. Ggf. stellst du dann aber, wenn du mit 60 angekommen bist, fest, dass du noch locker 30-40 Jahre leben könntest. Aber nur noch Nahrung und Sauerstoff für 30-40 Stunden hast.
mal eben 50% seines erwachsenen Lebens wegwerfen...
Ich will nicht anzweifeln, dass es Leute gibt, die trotzdem ja sagen. Aber ob das diejenigen sind, die man ins Zentrum einer Billionen teuren Mission stellen muss in der Hoffnung, dass ihre nun doch etwas merkwürdige Geisteshaltung nach einem Jahrzehnt Einsamkeit und Zeit zum Nachdenken unverändert ist? Suizidgefährdete sind für gewöhnlich nicht verlässlichste Grundlage.
Deine Überlegungen sind schon prinzipiell richtig.
Würde ja mit meinen 53 genau in dein Raster fallen

Aber ernsthaft:
Jedem dürfte klar sein, dass solch eine bemannte Mission eine ohne Wiederkehr wäre.
Wir der werte Threshold weiter unten angeführt hat, müssten die swing-by Manöver an den zu besuchenden Planeten sanfter als die von den aktuellen Sonden statt finden:
Swing-by – Wikipedia
Aus meinem Archiv: Swing-by | Erkenntnishorizont
Allerdings war selbst bei Voyager oder NewHorizon die maximale G-Kraft ca. 4 g und keine 10 g, was über einen Zeitraum von mehreren Tage auch noch zu viel für einen Menschen ist.
Mit entsprechender Kursgestaltung lässt sich das bei gleicher Effizienz (Geschwindigkeitszuwachs) auch auf unter 2 g drücken.
Um den maximalen Zuwachs von 12 km/s am Jupiter zu realisieren, wäre das Manöver ca. 14 Tage lang.
Die logische Schlussfolgerung wäre, dass das HYPOTHETISCHE Raumschiff eben nicht nur Manöver-Triebwerke, sondern auch zusätzliche Haupttriebwerke bekommen müsste.
Der initiale Start aus dem Erd- oder Mondorbit würde man wohl am ehesten mit Wasserstoff-Sauerstoff Raketen bewerkstelligen.
Als Marschtriebwerke würden sich Ionenantrieb durchaus eignen.
Alle Zahlen ganz grob: Mit Beryllium als Masse für die Ionen könnte man innerhalb von einem halben Jahr mit 20 to Beryllium ein 500 to Raumschiff um weitere 5 km/s beschleunigen.
Die Antriebs-Methodik mit Mini-Atombomben könnte bei deutlich weniger Treibstoffmasse (ca. 1to) sogar für ca. 20km/s sorgen, was allerdings für in situ Untersuchungen bei den Planeten ein fast zu hohe Geschwindigkeit wäre.
Elegant fände ich die Antriebsart Sonnensegel, die bis ca. Jupiter ganz gut funktioniert, danach lässt der Strahlungsdruck schon merklich nach:
Sonnensegel (Raumfahrt) – Wikipedia
Allerdings sind hier die Geschwindigkeitszuwächse eher bescheiden oder man brächte wirklich kilometergroße Segel um an den Ionenantrieb heranzukommen.
Das Kernthema ist das Wohnmodul:
Man wird keine milliardenschwere Investition tätigen wollen, wenn nur ein einziger Irrer an Bord wäre, fällt der aus, wäre die Mission gescheitert.
Also bedarf es einer Besatzung von sicherlich 4-6 Mann/Frau, damit Themen wie soziale Spannungen , Einsamkeitswahn und sonstige Ängste Probleme und Krankheiten in Zaum gehalten werden können.
Jeder kann sich mit dem Taschenrechner nun selbst ausrechnen, wie groß das Raumschiff sein müsste.
Die ISS hat grob einen Monatsbedarf an Vorräten und Wasser bei 6 Mann Besatzung von ca. 2,7 to.:
1. Versorgung einer Raumstation / Germany / ESA in your country / ESA
Dabei hat die Raumstation eine Gesamtleermasse von ca. 450 to:
Internationale Raumstation – Wikipedia
Nehmen wir mal an, dass eine Apparatur wie die ISS prinzipiell ausreichend Platz bieten würde:
450to
Jetzt wird es rein hypothetisch für eine 10 Jahresmission:
Um quasi eine psychologische Restüberlebenschance den Raumfahrern bieten zu können, müsse man einen automatisches Kyrogenese-Modul (Kälteschlaf) mit anheften:
+250to
Vorräte für 10 Jahre:
320 to
zusätzliche Abschirmung gegen Strahlung
+200to
Kleinstraumschiffe zur Planetenerkundung und robotische Sonden:
+1000to (incl. Treibstoff)
Ersatzteile/3D-Drucker usw zum Erhalt des Raumschiffes ca. die Hälfte des Wohnmodulgewichtes:
900to/2 = 450to
Zusätzlicher Antrieb für 10 Jahre, Ionenantrieb:
ca. 50to
Treibstoff:
200to Beryllium
Lagerkonstruktion für Treibstoff, Vorräte usw.:
50to
somit nicht vollständig:
ca. 2.970 to wären wohl zu beschleunigen und zunächst in den Orbit zu bringen
Um diese Masse auf erste Fluchtgeschwingigkeit zu bringen, bedarf des ca. die 3fache Masse an Sauerstoff + Wasserstoff, nebst Triebwerken usw:
9.000 to
Masse Raumschiff beim Start ca.:
12.000 to
DAS ist die Herausforderung...
