So heute mal nen echtes Elektroauto gefahren.
Eine neue B-Klasse.
Und wie ich es vermutet hatte, sind Elektroautos noch weit von der Serienreife entfernt. Und in der B-Klasse steckt ja schon die Technik von Tesla, das ist kein aufgeblasener E-Smart. Wesendlich besser geht im Moment noch nicht.
Zum Fahreindruck:
Ich bin nur eine kurze Runde(20km) gefahren. Gestartet bin ich mit 78% Ladung, Fahrzeug fast kalt. Beschleunigung ist in diesem Zustand etwa wie ein 200-220PS Auto, nicht übel. Nach oben wird es immer dünner aber noch auf jeden Fall ok. Der Spaß ist dann aber auch schnell vorbei. Höchstgeschwindigkeit ist bei 162km/h abgedrosselt -> INAKZEPTABEL.
Nach 10 km gedreht und auf den Rückweg gemacht. Bei etwa 15km war dann komplett Schluss mit flottem fahren nach ein paar Kurven. Der E-Antrieb geht temperaturbedingt in den Wanderdünenmodus. Beschleunigung ist etwa wie ein 80PS Auto. Da wird es schon zum Geduldsspiel seine "Endgeschwindkeit" von ganzen 162km/h zu erreichen.
Die restlichen 5 km dann in Schleichfahrt zurückgelegt. Als ich nach 20 km die Kiste wieder abgestellt hab, waren noch 46% drin mit einer Restreichweite von 31km. Super tolle Wurst, da kommt man ja richtig weit mit.
Der Verbrauch waren 45,8kWh auf 100km. Das ist bei den aktuellen Strompreisen quasi bis auf vielleicht 1-2 Euro genauso viel wie Sprit. Ersparnis = 0, da die Anschaffung eines EAutos das vielfache kostet.
Vorallem bin ich nicht mal richtig flott gefahren, es war am regnen und viel Verkehr. Wie sieht das denn aus, wenn man richtig freie Bahn hat?
Vorallem ist das Fahrverhalten sehr sehr komisch. Vorallem die Bremse macht mir doch sehr zu schaffen. Wenn man die Bremse tritt, dann bremst man nicht sofort mit der Betriebsbremse, sondern erstmal wird über den EMotor Energie zurückgewonnen. Das bedeutet Bremskraftverteilung 100-0, weil die B-Klasse ein FWD ist. Bremst man jetzt in einer langgezogenen Kurve an(progressiv eher leicht) kommt direkt das Heck, weil nur vorne gebremst wird im ersten Moment, dann hackt die normale Betriebsbremse dazu und zieht grade. Ist total unschön zu fahren. Das ESP/Traktionskontrolle ist die Krönung. Es funktioniert noch eine Nummer rauer, als man es aus einem Auto mit Verbrenner kennt. Eine Abbiegung im Nassen mit ein wenig viel Gas angefahren und es fühlt sich an, als ob man von einem Bulldozer gerammt wird.
Die Gasannahme ist auch nur mehr oder weniger eine Gasannahme. Ich würde eher einen dicken Drehknopf aufs Armaturenbrett machen wo draufsteht: Gewünschte Leistung. Die EMaschine gibt so viel Gas, wie sie für richtig hält, die Anforderung über das Gaspedal wird quasi ignoriert. Feinfühliges Fahren -> nicht möglich.
Die Energie-Rückgewinnung funktioniert bei sportlicher Fahrweise ebenfalls nicht. Es wird nur Energie zurückgewonnen, wenn man wie ein Schiff abbremst. Benutzt man die Bertriebsbremse vernünftig, dann wird weiterhin nur die Energie in Wärme umgewandelt.
Was auf jeden Fall sehr positiv ist: Auf Wunsch klimatisert das Auto für den gewünschten Abfahzeitpunkt den Innenraum. Egal wie warum oder kalt es ist, wenn man los will, hat man es immer genau richtig.(wenn dann noch genug Saft zu fahren da ist

)
Als Fazit kann ich einfach nur sagen das EAutos im Moment nicht nicht reif sind. Die taugen wirklich nur für das Fahren in Gebäuden und extreme Kurzstrecke in der Stadt. Sportliches Fahren ist einfach noch nicht möglich. Ich will nicht nur 10 mal hintereinander durchbeschleunigen können und dann als Bremsklotz rumfahren. Ich will 10 Stunden am Stück meinem Auto alles abverlangen können ohne Leistungsverlust oder sonst was. Wenn ich das Gas drücke dann muss so viel kommen wie ich will und so lange das nicht der Fall ist, ist ein EAuto einfach unbrauchbar. Leider.
Solange die EAuto Hersteller das mit der Überhitzung noch nicht in den Griff bekommen haben, bleiben es noch Versuchsautos. Das betrifft nicht nur die B-Klasse, sondern quasi fast alle EAutos. Voll Leistung abrufen über die ganze Akkuladung ist noch nicht möglich.