Ich bin grundsätzlich der selben Meinung, dass sich Friedrich Merz grundlegend diskreditiert hat, als ein möglicher CDU Parteivorsitzender, mit seinem Verhalten nach seinem Politikaustieg.
Dabei geht es mir wesentlich weniger, um seine Mitgliedschaft der Nordatlantik Brücke und ich fand TTIP in großen Teilen vernünftig, sondern sein klares Bekenntnis und sein Einsatz als größter Lobbyist für die Finanzwirtschaft, die die Katastrophe von 2008 verschuldet hat. Desweiteren glaube ich nicht, dass er mit seinen sehr liberalen ordnungpolitischen Ansätzen (diplomatisch ausgedrückt), im Moment eine Mehrheit in der CDU hätte.
Allerdings halte ich ihn für sau gefährlich, da er als Einziger völlig unbelastet in der Flüchtlingsfrage (bezogen auf die CDU) ist und darüber hinaus Wertekatholisch (stimmte gegen die Fristenlösung des § 218). Jetzt werden sich einige fragen, warum betone ich katholisch, m.M. nach ist im Westen der Republik in der CDU, das katholische Milieu, der mit Abstand größte AfD Treiber, den es gibt. Man muss sich nur wieder bei der Hessen Wahl anschauen, in welchen Wahlkreisen die AfD die meisten Stimmen bekommen hat. Das Witzige dabei ist, das sich die Wähler der AfD im Osten und im Westen Deutschlands, soziologisch und von den politischen Zielen fundamental Unterscheiden. Merz wäre ein Mann, der im Westen viele AfD Stimmen aus dem katholischen und konservativen Milieu für die Union zurückholen könnte, während er im Osten bei AfD Wählern, wohl als noch größere Feind des Establishment (Wirtschaft und Nordatlantiker) gesehen würde.
Insoweit habe ich Hoffnung, das er keine ausreichende Hausmacht auf die Beine stellen kann, man sollte ihn aber rhetorisch und charismatisch auf gar keinen Fall unterschätzen, zumindestens in Teilen der westdeutschen CDU traue ich ihm zu, zu mobilisieren.
Dazu kommt, das weder KK, Laschet noch Spahn wirklich geeignete oder mitreißende Kandidaten sind, noch sich meiner Meinung nach dazu entwickeln können und auch sonst sieht es am Horizont nicht wirklich gut aus, für eine Führungsfigur innerhalb der CDU. Merz würde jedenfalls die CDU weit marktliberaler und wesentlich weniger sozialpolitisch aufstellen, als das bisher der Fall war, was die CDU wieder näher an die FDP bringen würde, aber weit weg von den Grünen und eine Lösung für den Osten der Republik ist er schon gar nicht, ob das alles erwünscht ist bei der Mehrheit der CDU Anhänger, wage ich nach den letzten Wahlen zu bezweifeln, aber unterschätzen sollte man Merz und seine Anhängerschaft auf gar keinen Fall.