Für mich ist eine ausgewogene Ernährung die, womit man durch die Aufnahme von Nahrung, alle wichtigen Nährstoffe zu sich aufnimmt und abdeckt.
Und vegan ist das ja scheinbar nur mit Zusatzprodukten - und Chemiepanschereien möglich.
Gerade für Säuglinge und kleine Kinder sehr ungeeignet.
Zumindest für Erwachsene ist es auch ohne chemische Zusätze möglich. Aber es bleibt dann halt deutlich weniger Flexibilität im Speiseplan für andere Ansprüche oder Fehler in der Planung und die überwältigende Mehrheit der Durchschnittsernährung ist überhaupt nicht geplant. Während man bei einer omnivoren Ernährung mit "Iss, nach was dein Körper verlangt, aber von Salz (exkl. salzige Snacks)/Zucker/Fett jeweils nur ein Drittel" schon ziemlich weit kommt, ist die Aufnahme aller wichtigen Nährstoffe auf veganem Wege etwas (Sport und Flüssigkeitsaufnahme in empfohlenem Maße vorausgesetzt, sonst vielleicht eher ein Fünftel probieren), das durchgerechnet werden muss. (Das gilt prinzipiell übrigens auch bei Einsatz von Nahrungsergänzungsmitteln, wenn auch in Gegenrichtung: Da die oft als Kombipräparate verkauft werden, kann der Ausgleich eines bekannten Mangelpunktes veganer Ernährung auch zu einer Überdosis bei einem anderen Nährstoff führen, der mehr als ausreichend in der Nahrung und zusätzlich noch konzetriert im Ernährungsmittel vorhanden ist. Da muss man also sorgfältig planen. Oder so, wie die meisten Selbstoptimierer in meinem Umfeld, regelmäßig Blutuntersuchungen machen lassen, bis man sich im Trial & Error Verfahren eingependelt hast. Ist halt ein Problem, wenn man kein 365 Tage konstantes Verhalten hat...)
Dann argumentierst Du noch häufiger gegen Armut? Denn die ist wohl die weitverbreiteste Ursache für Mangelernährung.
Wenn mir jemand begegnen würde, der Armut als toll und gutes Konzept für jeden vom Embryo bis zum Greis propagiert, ärgumentiere ich dagegen, ja. Ist mit bislang aber noch nie begegnet im Gegensatz zu vorbehaltlosem Lob für Veganismus, weswegen ich ersteres nicht häufiger als letzteres relativieren kann.
Ich gab mit Absicht diese Quelle an, da für diese ihrerseits mit nachvollziehbaren, wissenschaftlichen Quellen gearbeitet wird und der Inhalt der Seiten von Ernährungswissenschaftler*innen eingepflegt wird.
Das ist wohl das Minimum für eine Quelle, kein besonderes Lob. Der Vorwurf des Cherrypicking besteht darin, dass nur einzelne, prinzipiell offen klingende Sätze zitiert wurden, nicht aber weitere, negative Fakten und Einschränkungen. Auf eine wissenschaftliche Untersuchung aufzubauen, die Risiken und Chancen beschreibt, aber nur die Chancen weiter zu thematisieren, ist nicht neutral.
Sicherlich könnte mensch so polemisch wie Du die Supplementierung kritisieren.
Polemisch? Ich habe nicht einmal ein wertendes Adjektiv zu Nahrungsergänzungsmitteln geschrieben, sondern nur darauf hingewiesen, dass mit Chemie alles möglich ist und dass eine Aussage, die die Möglichkeiten der Chemie ausdrücklich als Bedingung einschließt, nicht auf bio-öko-naturnah-roh-und-frisch-Diäten anwendbar ist, die häufig mit Veganismus assoziiert werden.
...Um so besser ist es doch, dass je weiter die Zeit voranschreitet, Menschen nun sich über ihre Ernährungsbedarfe besser informieren können. ... Veganismus ist für viele vegane Elternteile eine bewusste Lebensentscheidung, die sie auch bezüglich Kinder wollen und meiner Ansicht nach bzw. des Wissenstandes von Ernährungswissenschaftler*innen nach auch umsetzen können.
Eine sauber von informierten Leuten geplante Ernährung ist immer eine gute Idee, vollkommen egal ob vegan, vegetarisch oder omnivor. Aber wie du selbst schon mehrfach hier gepostet hast, sind ettliche Aspekte rund um Veganismus in Wachstumsphasen "kontrovers" oder weniger euphemistisch formuliert: Mindestens die Hälfte der Ernährungswissenschaftler erzählt Bullshit. Hier reicht es nicht mehr, ein paar Webseiten oder 1-2 [von Veganern] empfohlene Bücher zu lesen, um informiert zu sein, wenn selbst hauptberuflich damit beschäftigte Experten zu keinem klaren Schluss kommen. Da ist sehr viel Planung, sorgfältige Beobachtung und tiefgehendes Wissen über die zugrunde liegenden Mechanismen nötig, um die richtigen Entscheidungen zu treffen. Und bei einem Kleinkind kannst du auch nicht die Blutwerte heranziehen, denn dessen Entwicklung läuft zu schnell, um über Anpassungen alle paar Monate zu reagieren.
Ich werde, eben aufgrund der mangelhaften Informationslage, nicht behaupten, dass eine saubere vegane Ernährung für diesen Lebensabschnitt unmöglich ist, aber sie ist definitiv sehr schwierig. Und während ich die zustimme, dass die meisten Veganer (im Gegensatz zu vielen Vegetarieren) eine sehr bewusste Entscheidung zu dieser Ernährung treffen, endet es zumindest bei den Beispielen in meiner Umgebung ganz schnell bei der bewussten Information über die wissenschaftlichen Hintergründe. Kann ich verstehen, Physiologie mochte ich auch nie sonderlich und würde mich da privat nicht jahrelang einlesen wollen, aber in dem Moment, wo die Ernährung jemand anderen geplant werden soll, wird es schwierig. Das würde ich zumindest den Veganern in meinem privaten Umfeld ganz klar nicht zutrauen. (Exemplar 1: "voll gesund" => ernährt sich primär von Huel, Ernährungswissen beschränkt sich auf die Mischanleitung...; Exemplar 2: "wegen Tierschutz" => "super informiert" über diverse Webseiten, die unter anderem auch regelmäßiges Trinken von Chlorit-Lösung empfehlen, rät anderen Leuten ungefragt auf keinen Fall vorverarbeitete Lebensmittel zu kaufen, weil nur frisch zubereitetes vor Corona schützt...)
Deswegen auch die meine Reaktion auf deine Aussagen, nicht auf deine Person: Es mag sein, dass es Leute gibt, die ein Kind komplett vegan hochgepäpelt bekommen. Aber es kann definitiv nicht jeder und vermutlich weit weniger als die Hälfte, die deine sehr positiv formulierten Posts lesen, aber in der Mehrheit der Fälle hoffentlich nicht befolgen.
Dass kein Dünger verwendet würde, ist falsch. Neben der Verwendung von mineralischem Dünger. ist der Ansatz der bioveganen Landwirtschaft ein anderer. Da geht es um den Aufbau von Humus. Näheres dazu kannst Du bspw. hier finden:
Veganer OEkolandbau – wie geht das denn?
oder da:
Articles and information sheets (mainly about growing) – Vegan Organic Network
Wenn man Regenwürmer, Insekten und weitere unverzichtbare ""Mikroorganismen"" bei der Kompost- und Humusbildung als Pflanzen deklariert, mag das vegan sein, aber bei Algenimporten aus Frankreich (garantiert nicht von tierischem Aufwuchs befreit?) kann von "bioZYKLISCH" garantiert nicht mehr die Rede sein.

Humus-Aufbau involviert in aller Regel Tiere und er ist kein Gegenstück zu Düngung, sondern ein Prozess, der unter anderem auf Düngung (bzw. auf die Einbringung von mehr Nährstoffen als entnommen werden) aufbaut.
Was die Einschätzung angeht, dass eine Gesellschaft im großen Rahmen nicht zu ernähren wäre, wäre ich vorsichtig. Ein Beispiel: Einem Permakulturhof wurde gar von (französichen) nationalen Landwirtschaftsinstitut bescheinigt, dass es einen höheren Ertrag (!) erzeugt als sogenannte konventionelle Landwirtschaft(!). Siehe kurze 3Sat-Sendung
h i e r.
Interesssant

. Allerdings verzichten die eben nicht auf die Vorteile einer Kreislaufwirtschaft mit Tierbeteiligung (in Anbetracht der durchs Bild laufenden Nackensteaks sind sie nicht einmal vegetarisch) und der Mehrertrag wird ausdrücklich auf die viele Handarbeit zurückgeführt, die ganz neue Möglichkeiten bei Synergie und Flächennutzung schafft. Das entspricht (ebenso wie die praktisch 100% Einsparungen bei Chemie) durchaus bestehendem Wissen (auch wenn ich instinktiv die Möglichkeiten viel niedriger eingeschätzt hätte. Vielleicht hilft die im Beispiel offensichtlich sehr gute Wasserversorgung in Kombination mit französischer Sonne), lässt sich aber leider nicht übertragen: Im Beitrag werden Eingangs 1400 m² erwähnt, zum Ende hin 15 Angestellte. Ich gehe jetzt einfach mal davon aus, dass letztere bei so einem idealistischen Gartenbauprojekt eher ein paar Stunden am Wochenende oder nach Feierabend machen, aber selbst wenn man es auf die Eigentümer als zwei Vollzeitkräfte herunterbricht, ergeben sich, hochgerechnet auf
181651656000 m² landwirtschaftliche Fläche Deutschlands, rund 260 Millionen Arbeiter. (Also rund 259 Millionen mehr, als heute beschäftigt werden)
Das ist also nicht die Form von Bio-Landwirtschaft, die ich mit "anders wäre möglich, wenn auch nicht einfach" meine. Das ist eine traumhafte Symbiose mit der Natur, die (leider) praktisch unmöglich ist

. Selbst die DDR hatte zum Schluss nur noch 11% Beschäftigte in der Agrarindustrie, mehr als 5%/2 Millionen werden wir uns volkswirtschaftlich kaum leisten können, weil dann einfach Arbeitskräfte an anderer Stelle fehlen und man kann auch keinen 80 jährigen übers Feld kriechen lassen. Das heißt die auch die künftige Ernährung Deutschlands muss maschinell erfolgen, aus dem französischem Beispiel kann bestenfalls eine feinere Verpflechtung verschiedener Pflanzensorten übernommen werden. (Wobei zu prüfen wäre, in weit die Synergieeffekte gerade in der Schädlingsvermeidung bei Geräte-breiten Pflanzstreifen noch zum tragen kommen und wie stark der Arbeitsaufwand bei auch ökologisch begrenzten Streifenlängen ansteigt.)
Da ist mein Wissen nicht so groß, ehrlich gesagt. Bei Hunden soll das recht gut gehen, bzgl. Katzen habe ich von veganen (angehenden) Veterinär*innen gehört, dass dies nicht zu empfehlen ist. Das Dilemma ist aus veganer Sicht, Tiere anhand des Tötenlassen von anderen Tieren zu ernähren. Folglich ist zumindest u.a. aus diesem Grund eine Zucht abzulehnen. Mh, schwieriges Thema.
Canis lupus ernährt sich in eigenen Regionen der Welt bereitwillig über mehrere Wochen vegan. Obst schmeckt und rennt nicht weg. Nimmt man die menschlichen Möglichkeiten zur Aufbereitung und Aufschließung von Nahrung hinzu, sollte die eine pflanzliche Grundlage keine Probleme bereiten. Auch gibt es meines Wissens nach keine Stoffe, die überhaupt nicht aus pflanzlicher Kost gewonnen und nicht vom Körper selbst produziert werden können. Von daher sollte Hunde prinzipiell vegan ernährt werden können, es wird aber mehr Aufbereitung und/oder Ergänzungsmittel als bei Menschen brauchen, weil die Verdauung primär an fleischliche Kost angepasst ist und somit die Aufnahmeraten für viele Nährstoffe deren Gehalt entsprechen. Einfach nur Pflanzen in den Napf zu schütten dürfte bei Bello entweder zu Mangelerscheinungen oder zu Durchfall führen, weil er zum Ausgleich des Mangels einfach viel größere Mengen zu siche nehmen müsste. Mit Ergänzungsmitteln sehe ich die größten Probleme aber bei der Kalorienbilanz und der Zahnhygiene: Kaum reinigende Kauwirkung und viel mehr Kohlenhydrate.
Bei Katzen wird das schwieriger, deren Verdauung und Metabolismus sind meines Wissens nach wesentlich spezialisierter, sodass mehrere nicht-pflanzliche Aminosäuren essentiell sind. Kann man war, siehe mein letztes Post, mit genug Chemie kompensieren, aber da entfernt man sich doch sehr weit von der natürlichen Lebensweise und wenn man sich anguckt, wie groß die Streitereien schon bei der menschlichen Ernährung sind, dann brauch mir keiner zu erzählen, der Nahrungsbedarf von Haustieren währe hinreichend genau erforscht. (Das gilt dann erst recht für deren Wachstumsphasen.)
Ich verstehe aber auch ehrlich gesagt das Problem nicht: Wer Tiere liebt, hält sich in 90% der Fälle keine zu seiner Belustigung. Mit Ausnahme von den wenigen Leuten, deren Grundstück und/oder Lebenswandel wirklich gute Haltungsbedingungen ermöglicht und die Tierheim-Tieren annehmen, ist "kein Tier" immer noch die tiefreundlichste Lösung. Und für besagte 10% Ausnahmen ist eine zumindest teilweise tierische Fütterung unter heutigen Bedingungen überhaupt kein Problem, denn es gibt Teile von Rind und Schwein, die der typische Deutsche sowieso nicht auf seinem Teller haben will. Ehe man die zu Fleischkohle verarbeitet (und dann für Filtierung veganer Getränke nutzt

), kann man auch Tierfutter draus machen. Das Angebot übersteigt den Bedarf meines Wissens nach bei weitem und wie ich die Deutschen kenne, wird das auch noch lange so bleiben.
Tja, Doppelmoral soll ab und an vorkommen. Sie soll auch auf Omnivore zutreffen - wenn sie zum Beispiel meinen, sie wären eigentlich Tierfreund*innen und sie ihren Hund unter dem Tisch stehend streicheln und beherzt mit dem Messer das Schnitzel zerteilen, das vor ihnen auf dem Teller, der wiederum auf dem Tisch liegt.
Das Schnitzel zu streicheln und dem Hund das Messer reinzusrammen wäre definitiv unfreundlicher

.
Allerdings finde ich es auch immer wieder merkwürdig, wie sehr sich viele Deutsche, mit dem Mund voll Grillwurst, darüber aufregen können, wenn in China Hunde oder Katzen geschlachtet werden. Denn da sprechen dann nicht diejenigen, die sich der trophischen Konsequenzen der systematischen Nutzung von Raubtieren bewusst sind (was dann ggf. noch mit einem Schwertfischsteak für diejenigen, die keine Lust auf Nacken haben, unterstrichen wird), sondern Leute, für die es aus irgendwelchen (aber keinen geschmacklichen oder ökologischen) Gründen einen gigantischen Unterschied macht, welcher Art der Hals umgedreht wird.