[...] Zur Skalierung: HBM und V-Cache haben definitiv ganz andere Schwerpunkte bei Latenz vs. Größe. Aber letztlich können beide ihr Potenzial erst ausspielen, wenn die reine Kernleistung nicht limitiert und somit werden sie sich auch gegenseitig Konkurrenz machen. [...]
Ergänzend: Die beiden Techniken haben sicherlich andere Schwerpunkte, was die Workloads betrifft, auch wenn es Überschneidungen gibt. Bei großen Servern, die über 1/2 TiB RAM und mehr ihre Daten verarbeiten ist ein derart großer Cache natürlich absehbar vorteilhafter und die höhere Latenz verschmerzbar.
Zusätzliche Erklärung: Sieht man sich das gute Abschneiden von Ice Lake SP gegen Milan an, darf man vermuten, dass hier auch AVX-512 genutzt wird. Dennoch kann die SPR-HBM-Version beträchtlich ggü. der Nicht-HBM-Variante zulegen.
*) Zusätzlich hat der HBM2E bei Intel aber noch einen weitere Verwendungsmöglichkeit, da dessen Adressraum auch komplett eigenständig genutzt werden kann als zusätzlicher extrem schneller RAM, d. h. bestimmte, speziell darauf hin entwickelte Applikationen könnten wohlselektierte Daten in diesen 64 GiB unterbringen, auf die sie mit 800 bis 1200 GiB/s Bandbreite zugreifen können. (Angeblich soll gar auch ein DDR-less-Desing möglich sein, d. h. man nutzt grundsätzlich nur den HBM2E als RAM ohne klassisches RAM in Form von DIMMs, jedoch dürfte das nur für einige sehr spezielle Server oder eher Workstations eine echte Option sein.)
**) Abschließende Anmerkung: Intel hat sich offensichtlich sehr bewusst für derart große Caches mittels HBM2E entschieden, denn die Möglichkeiten für "regulär" großes Caches hatten sie ebenso gehabt, da bspw. SPR bereits ein EMIB-Design darstellt und man hier im einfachsten Fall anstatt des HBM zusätzliche Cache-Tiles planar hätte anflanschen können. Offensichtlich sah man HBM2E für den Server/HPC-Bereich für die sinnvollere Wahl an.
Bei AMD darf man vermuten, dass der V-Cache nur ein Zwischenschritt und die sogenannte Low-Hanging-Fruit darstellt, da man hier gleichermaßen sämtliche Chiplet-CPUs mit auf einen Schlag bedienen kann. HBM2 kommt hier ebenso, so mindestens in deren Datacenter-APU-Desing, dass x86-Kerne mit CDNA3 kombinieren soll. In deutlich früheren Leaks entdeckte man bereits für HBM2 spezifische Codestrukturen in Treibercode, die Frage ist also nur noch, ob es auch eine reguläre Epyc/Genoa-Version mit HBM2 geben wird oder ob sich diese Entdeckung breits unmittelbar auf das APU-Design bezog.
[...] @PCGH_Torsten Oder bei AMD hat jemand gesagt CES 2023 eventuelle Vorstellung der X3D CPU's und daraus wurde dann Veröffentlichung/Markteinführung. Wie du es schon richtig nanntest durch die Stille Post wo ja auch die wildesten Sachen raus kommen je mehr Ohren zuhören.
AMD erklärte offiziell, das V-Cache-Modelle noch dieses Jahr erscheinen sollen.
MLiD berief sich kürzlich auf neueste Aussagen seiner Quellen, die den V-Cache in Verbindung mit Zen4 nicht vor 1Q23 verfügbar sehen (eher an dessen Ende als am Anfang).
Da AMD diese offizielle Aussage getätigt hat, wird sicherlich irgendwas zum/im Dezember im Consumer-Segment kommen, vermutlich wird sich das aber eher wie beim 5800X3D-Launch darstellen, d. h. sehr kleine Stückzahlen und schnell steigende Preise aufgrund der schlechten Verfügbarkeit. Ein V-Cache-Modell noch in diesem Jahr wird für den Großteil des Marktes (der derartiges erwägt) wohl eher keine echte Option sein, sondern da wird man wohl noch etwas länger warten müssen.
In Anlehnung an Torstens Überlegung ist halt die Frage was AMD bzgl. Zen4 mit V-Cache für wichtiger erachtet. AMD hat hier nur einen einzigen Wurf, da man bis Zen5 (der aktuell für 2024 gehandelt wird) nichts Neues mehr nachreichen kann.
Also, sieht man es bei AMD entweder als wichtiger an schnell einen signifikanten Abstand zum Konkurrenten und seinem Raptor Lake zu schaffen, da dem regulären Zen4 das in Consumer-Workloads möglicherweise nicht gelingen wird oder wird man den V-Cache zusätzlich bewusst etwas hinauszögern um diesen eher gegen Meteor Lake-S zu verwenden, denn der wird Zen4 sicherlich deutlich hinter sich lassen.
Das Problem ist, dass zumindest die Fachpresse aktuell nicht gesichert zu sagen weiß, wann Meteor Lake-S in 2023 erscheinen soll. Tappt AMD hier ebenso im Dunkeln, könnten sie sich für einen Mittelweg entscheiden, etwas später aber nicht zu spät und zusätzlich der "vorgezogene" marketingtechnische Teaser in diesem Jahr noch vergleichsweise nahe am RPL-Launch.
Aktuell würde ich davon ausgehen, dass sie zurzeit genau so etwas versuchen, wenn nicht gar die fertigungstechnische Roadmap möglicherweise per se keinen echten Volumen-Launch vor 1Q23 zulässt. Am Ende sieht das wie eine Wette bei AMD darauf aus, dass Meteor Lake-S möglicherweise erst spät in 2023 erscheinen wird, denn wäre dem nicht so hätte man erst mal nichts für die kommenden Monate zum Nachlegen.