Ungewöhnlich beim 5800X3D ist, dass der Hersteller dieses Topmodell mindestens 3-4 Jahre vor Ende des Plattform-Supports [laut AMD-Marketing-Zählweise] eingestellt hat, während anhaltend hohem Bedarf. Da waren dann zu Recht einige Sparfüchse überrascht, denn weder war dieses vorzeitige Ende zu erwarten noch Bestand beispielsweise für die Käufer guter Zen-2-CPUs zu diesem Zeitpunkt schon Aufrüstzwang.
AMD schmeißt seinen Budgetbereich seit 20 Jahren nahezu ausschließlich mit alten CPUs, sieht man vom AM1 oder den AM4 Excavator CPUs mal ab. Von daher war es, aus AMDs Sicht, durchaus logisch, den 5800X3D irgendwann einzustellen. Einerseits, weil es mit dem 7800X3D einen Nachfolger gab und andererseits, weil der 5800X3D den anderen AM5 CPUs zu sehr auf die Pelle gerückt ist.
Man kann AMD allerdings nicht vorwerfen, dass sie den 5800X3D zu schnell eingestellt haben, der war auch nach Erscheinen des 7800X3D noch im Programm. Ich erinnere mich, als hier im Forum die Frage aufkam, ob man ihn sich für 300€ kaufen oder warten sollte. Ich habe schon damals gesagt, dass AMD den 5800X3D jederzeit einstellen könnte und es eine gute Idee ist, sich rechtzeitig einen zu holen, da die besten CPUs eines Sockels immer teuer werden. Mit dem ersten Teil hatte ich unrecht, den 5800X3D gab es noch einige Zeit und er ist auf 250€ gefallen,. mit dem zweiten Teil hatte ich recht.
Bei anderen Plattformen ohne künstliche Verknappung war der Ablauf normalerweise:
"Produkt wird älter und günstiger" => "Nachfrage und Absatzzahlen gehen zurück" => "ganze Plattform wird mit Ankündigung eingestellt" => "Preise fallen im Abverkauf noch einmal leicht" => "Restposten- und Gebrauchtpreise bleiben über lange Zeit konstant" => "Neu-Verfügbarkeit schwindet, Gebrauchtpreise ziehen wieder an"
Zunächst mal: welche künstliche Verknappung?
AMD hat den 5800X3D sehr lange im Programm gehabt, die Preise sind auf unter 300€ gesunken und dort auch längere Zeit dort geblieben. Wer keinen abbekommen hat, weil er bei den dann steigenden Preisen weiterhin gepokert hat und darauf gesetzt hat, dass die wieder billiger werden, ist selbst schuld. Wer sich dann keinen 5700X3D gesichert hat, obwohl klar war, dass der 5800X3D nicht zurückkommen wird, der hat leider doppelt Pech gehabt.
Künstliche Verknappung wäre es, wenn AMD die CPU niemals unter der UVP rausgegeben und die CPU nach wenigen Monaten eingestellt hätte.
Ansonsten sind die besten CPUs, für den jeweiligen Sockel, immer überproportional teuer. Du kannst dir da eigentlich jeden Sockel der letzten 20 Jahre raussuchen. Der i7 4770K kostet z.B. gebraucht um die 30€, wenn man etwas sucht. Für den etwas besseren 4790K legt man 60€ hin und für den 5775C, die beste CPU des Sockels, darf man 80€ hinblättern.
Und so geht das bei quasi allen Sockeln.
Also immer – außer beim 5800X3D:
Ich habe eigentlich nie erlebt, dass es aus P/L Sicht eine gute Idee war, einen Sockel, der schon eingestellt wurde, mit der besten CPU aufzurüsten. Die CPUs waren viel zu teuer und wenn man das Board und eventuell den RAM verkauft hat, dann bekam man in der nächsten Generation eigentlich immer etwas besseres. Für den Preis einen 5775C gibt es einen R5 5500 oder i3 14100F. Die sind zwar technisch nicht so interessant, wie der 5775C, aber man hat die neuere Plattform und ist leistungsmäßig nach oben offen. Der RAM sorgt halt eben dafür, dass diese Rechnung jetzt nicht mehr aufgeht, vorher konnte man sich 64GB DDR5´4 für 75€ reinstopfen und war nochmal wesentlich besser dran.
Und Intel hat 5 Jahre gebraucht um zu reagieren...
Der 13900K war schneller, als der 5800X3D und der 14900K war dem 7950X3D ebenbürtig. Man hat es eben nicht gebraucht.