"-40"? Die sind jetzt über 60, sowas braucht man tatsächlich nicht mehr einzuziehen. Und bei den ~15-25, vielleicht auch den vor 10-15 Jahren "ausgebildeten" Zwangsrekruten kommt hinzu, dass die ohnehin nicht gerade für ihre Didaktik berühmte russische Armee damals auf ihrem absoluten Tiefpunkt war. In den frühen 0er Jahren sollen es keine Einzelfälle gewesen sein, dass selbst dauerhaft verpflichtete Soldaten z.B. ihre Pilotenlizenz verloren haben, weil es schlicht keinen Sprit für die jährlichen Mindestflugstunden gab (von sowas wie Kampftraining ganz zu schweigen). Jenseits der Bedienung einer AK dürften Ex-Wehrpflichtige aus dieser Zeit vermutlich kaum mehr als "Beschaffungswesen" und Gewalt innerhalb der Truppe gelernt haben. Die können nicht nur keinen 2A7 oder auch nur T-62 fahren, ohne Erfahrung im späteren Zivilleben wird schon ein (normalgroßer) MAZ oder Tatra zur Herausforderung. Defensiv kann so eine Notrekrutierung funktionieren, große Teile der ukrainischen Verteidiger waren ja eher noch schlechter ausgebildet. Aber als Angreifer funktioniert "überall jemanden hinsetzen, der schießt, sobald der Feind irgendwo hin kommt" halt nicht.
Aber soll Putin mal weiter rekrutieren. Die 300000(+) zu pressen scheint keinerlei militärische Fortschritte gebracht zu haben, war aber dem spärlichen Feedback zu Folge, dass es aus Russland schafft, die innenpolitisch mit Abstand am schlechtesten ankommende Aktion des ganzen Krieges. Dass sich das Regime einen Druck, der es stürzen könnte, selbst aufbaut, ist wohl die für alle beteiligten beste Lösung.
Was also jetzt, über den Norden angreifen, betteln um Raketen mit Reichweite 90+km?
Meinst auf ukrainischer Seite? Die haben sich zwischen ihren bisherigen großen Vorstößen immer 1-2 Monate Vorbereitugnszeit gelassen, also sollte der nächste Angriff wenn dann im Januar erfolgen, wenn sich die Sache mit dem Schlamm erledigt haben. Kann aber ebenso gut bis zum Frühjahr dauern - oder man macht irgendwas, mit dem insbesondere die russische Armee nicht rechnet. Derzeit scheint der Fokus aber auf die Region östlich von Saporischja zu liegen.
Macht auch Sinn: Im Norden hat man schon fast alles zurückerobert, was nicht ohnehin in Separatistenhand war. Jeder weitere Vorstoß hier würde die Grenzlinie um eine Nord- und Südfront verlängern, mangels lokalem Support schwer zu haltendes Gelände und keinerlei wirtschaftlich oder sozial/zivilbevölkerungstechnisch herausragende Gebiete mit sich bringen. Gleiches gilt Richtung Osten mit dem Extra-Bonus, dass hier die am besten befestigten Separatistengebiete warten. Im Süden von Cherson nach Osten vorzustoßen wäre praktisch Selbstmord. Nachdem sie die Brücken zerstört hat, kann die ukrainische Armee ihre Stärke ebensowenig über den Dnepr projezieren, wie die Russen ihre Stellungen am Leben erhalten könnten. Um dieses Gebiet und schließlich die Krim zu knacken, muss erst die Landversorgung durch ehemalige Südost-Ukraine gekappt werden => von Saporischja aus Richtung Mariupol bis ans Asowsche Meer durchbrechen. Mit der weiterhin nur eingeschränkt, bis dahin möglicherweise gar nicht mehr nutzbaren Kertschbrücke, würde die westliche russische Front kollabieren.
Aber bis dahin ist es noch ein sehr weiter Weg.