Richtig und auch solche Leute bestärken mich. Nicht jeder gute Truppführer, ist gleichzeitig ein Stabsoffizier und Planer.
Womit wir zu der Frage kommen, warum du ausgerechnet der Meinung von Herrn Kujat so viel Bedeutung beimisst, obwohl diesen von sämtlichen Stäben der Bundeswehr widersprochen wurde, obwohl seine Karriere überwiegend von Selbstverwaltungs- und Realtions-Aufgaben geprägt war und obwohl er Aufsichtsrat eines Think Tanks war, dessen Eigner ein guter Freund Putins ist.
Widerspricht das nicht in gewissem Grad oder sogar erheblich deinem Anspruch einer qualifizierten und neutralen militärischen Lagebeurteilung?
Das machen sie zum Leidwesen der Ukrainer und Russland ist ein " Peer" mit einer breiten Palette an Eskalationsmöglichkeiten.
Bisher sollen max 10% der russischen Armee im Einsatz sein und sie können sich parallel sogar große Manöver leisten und liefert die für Ägypten bestimmten 20 Su-35 wahrscheinlich an den Iran, statt sie selber zu nutzten.
Und bekommt dafür im Gegenzug vom Iran ein paar Systeme geliehen, die sie dem Iran vorher selbst verkauft haben. Warum muss sich eine Streitkraft der angeblichen Stärke Material von Iran zurückholen und dort womöglich sogar Kriegsgerät einkaufen - bei dem es sich paradoxerweise auch noch um Nachbauten von US-Systemen handelt, die doch angeblich den russischen so unterlegen sind?
Ferner bestehen die russischen Streitkräfte zu weiten Teilen nur auf dem Papier - jedenfalls, was die tatsächlich kampftaugliche Einheiten angeht. Große Teile sind mit Aufgaben der inneren Sicherheit oder sogar Diensten betraut, die in anderen Nationen zivil versehen werden.
Warum wohl wird dieser Krieg Russlands (und die Beteiligung an zig andere Schauplätzen wohl mit Söldnern und Auxiliartruppen bestritten? Weil Russland die Kräfte nicht tatsächlich hat.
Um die eigenen Truppen tatsächlich aufzustocken, müsste die wehrfähige Bevölkerung eingezogen werden. Davon sieht der Kreml nicht nur aus innenpolitischen Gründen ab, sondern auch, weil er weiß, dass man widerwillig Eingezogene nicht in absehbarer Zeit zu Soldaten ausbilden kann, die tatsächlich offensiv etwas bestellen könnten. Die wären allenfalls geeignet, besetzte Gebiete ein gutes Stück hinter dem eigentliche Kampfgeschehen zu halten - nur besorgen das in der Ukraine bereits Separatisten - welche Moskau wiederum gerne weite vorne verheizen würde, was die aber nicht mitmachen. Die waren zwar naiv genug, sich von Putin vor den Karren spannen zu lassen, aber so bescheuert sind sie dann doch nicht.
Glaubst du wirklich das die Lager leer sind, wenn gesagt wird das sich Russland seit 2015 vorbereitet?
Damit unterstellst du, das Russland die Kapazitäten gehabt hat, in den vergangen Jahren nennenswerte Arsenale aufzubauen. Wenn es diese geben sollte, wäre die Frage, warum bereits seit Wochen ältere und improvisiert umgerüstete Systeme zum Einsatz kommen.
Im Zweifelsfall gilt immer: Wer viel schmeißt, hat bald nichts mehr. Und Russland hat ziemlich viel geschmissen, wenn auch mit verhältnismäßig geringem Erfolg. Und wenn die Halbleiter aus den geplünderten Waschmaschinen aufgebracht sind, kommt nun mal kein Nachschub an modern(er)en Systemen mehr.
Die Ukraine hat dieses Problem nicht, sie bekommt modernes Gerät nachgeliefert - vielleicht nicht immer so viel und schnell, wie wünschenswert wäre, aber der Zustrom ist da.
Dagegen kann Putin mit einer Volkssturm-Armee kaum etwas ausrichten. Selbst wenn sich die Leute zu einer Art Zerg-Rush prügeln lassen, was ich gar nicht ausschließen möchte, führt das eher dazu, dass in Russland die Zustimmung rapide sinkt, als dass die Restukraine überrannt würde. Das ist ein moderner Konflikt mit modernen Waffen, die zunehmend nur noch der Verteidiger hat.
Wirtschaftlich sehe ich auch noch keinen kommenden Zusammenbruch
Das sehe ich und sehen Sachverständige anders. Vor allem sehen das auch zahlreiche Russen anders, die es sich leisten können das Ganze lieber in der EU als in Putins Wohlstandsparadies auszusitzen.
und bei bis zu 150k Rubel, die Regionen den Freiwilligen wohl monatlich zahlen, werden viele ehemalige Soldaten einen Vertrag unterschreiben.
"Bis zu" bedeutet, dass das die höchste Soldgruppe darstellt. Das Russland bereit ist, selektierten Aushilfssoldaten das Gehalt eines Feldwebels zu zahlen, ist eher ein Zeichen von Verzweiflung als von Stärke, findest du nicht auch?
Die Rechnung dahinter ist auch recht simpel: Man muss dieses Sold nicht lange zahlen, da der Empfänger ohnehin zeitnah auf die eine oder andere Weise seinen Dienst beendet - und zwar in aller Regel, bevor Ansprüche der Angehörigen bestehen würden. Das ist also recht billige Bauernfängerei.
Ich denke zwar ebenfalls, das sich insbesondere in den zahlreichen bettelarmen , besonders unterentwickelten und von umfassender Bildung weitestgehend verschonten Regionen Russlands viele junge Burschen einwickeln lassen, nur ist deren Kampfkraft - wie oben geschildert - sehr überschaubar.
Mir tut es da nur um die vielen jungen Menschen leid, die sich als Kanonenfutter anwerben lassen.
Nicht zu vergessen die Kosakenverbände.
Genau, die Dienstkosaken. Dazu habe ich Zahlen: Ungefähr 30.000 dienen als Sicherheitskräfte, 10.000 sind im Katastrophenschutz, 6.300 beim Objektschutz und etwa 1.200 beim Grenzschutz. Nun überlege mal, wie viele davon fronttauglich oder im Inneren überhaupt entbehrlich sind, ohne dass Putins Zuckerbrot-und-Peitsche-Regime zusammenbricht.
Größe des Landes, Anzahl Bevölkerung, Städte, Rohstoffe, Größe Arme, Waffen und und und. Unter dem Strich wird die Ukraine keine Chancen haben.
Lancasters Law gilt auch heute noch.
Dazu müsste man es aber erst einmal richtig verstanden haben und dürfte beispielsweise nicht Kostenpunkte zu Aktivposten umdeklarieren, nur weil das gerade der Argumentation entgegenkommt.
Kleine Prognose. Die Russen werden jetzt in Nikolajew angreifen, da die Ukrainer immer mehr Leute in den Donbass schickten.Warum sollten die mit dem Kopf durch die Wand?
Während du Prognosen erstellst, weiß (nicht nur) die die Ukraine schon seit Mitte Juli, dass die Russen dort eine Offensive vorbereiten und evakuieren seitdem Zivilisten aus den betreffenden Regionen. Es besteht sogar die Vermutung, dass die Offensive bereits angelaufen sei, aber nicht unbedingt als solche erkennbar wäre, weil die erfolgreiche Zerstörung der russischen Nachschublinien mit modernen westlichen Systemen den russischen "Vormarsch" (Wenn man ihn denn noch so nennen dürfte ...), quasi auf Null verringert hat.
Sehen wir einmal davon ab, dass Russland für diese Operation auch Kräfte anderswo abziehen muss, liegt der Fokus derzeit auf Cherson und insbesondere den Dnjepr als natürliche Linie und dessen Übergänge als Konzentrationspunkte.
Welche? Die 2000er geben scheinbar bei 100 Schuß am Tag den Geist auf, 777 geht das Hydrauliköl und der Stickstoff für die Dämpfer flöten von der Genauigkeit der Titanrohre bei massiver Nutzung nicht zu sprechen.
Nach 100 Schuss in rascher Folge zeigen sich Belastungs-/Verschleißerscheinungen bei einigen Komponenten einiger Fahrzeuge/Plattformen, jedoch nicht einmal bei allen desselben Systems.
Das das ist von "Geist aufgeben" weit entfernt. Jedes Waffensystem, bei dem starke Kräfte auf Material und Mechanik wirken, also insbesondere Artillerie, hat diese Erscheinungen. Da aber nur ein Bruchteil der Flotte betroffen ist und von dieser auch wiederum nur ein Bruchteil tatsächlich einsatzunfähig wird, wovon wiederum nur ein Teil irreparabel ist, beunruhigt das auf ukrainischer Seite ebenso wenig jemanden, wie es auf russischer Seite Anlass zum Aufatmen gibt.
Es hat keinen entscheidenden Faktor, gerade wenn man die Masse an Waffen und Munition auf der Gegenseite sieht.
Seit der ersten Woche gehen den Russen die Vorräte aus.
Nur weil einige Optimisten weit vorgreifen, bedeutet das nicht ein, dass zum späteren Zeitpunkt erfolgte qualifiziert Einschätzungen falsch wären. Irgend einen Grund wird es doch haben, dass Russland spätestens seit Anfang Juni mit Museumsstücken und notdürftig umgerüsteten Systeme anrückt.
Keine Frage, die russischen Depots werden immer noch mit großen Vorräten bestimmter Systeme gefüllt sein. Nur sind das keine, die sich in der Ukraine zielführend einsetzen ließen. Und das ist entweder die Folge einer groben Fehleinschätzung von Anfang an, oder eben davon, das der Konflikt eine für Russland unerwartete Wende genommen hat, die Russland nicht
Darüber hinaus zeigt schon allein die gebetsmühlenartige russische Drohung mit dem nuklearen Arsenal, dass es um das konventionelle nicht (mehr) gut bestellt sein kann.
Bei denjenigen, die die Ukraine ausstatten, hielt es derweil noch niemand für nötig, den Stapel mit der Kernwaffenkarte anzuschauen, geschweige denn, sie zu ziehen. Das ist recht beredt, meinst du nicht auch?
Wer sich beklagt das es so lange dauert, bis rie 2000er an die Ukraine geliefert werden, soll schon einmal an die Energie und Rohstoffe denken, die benötigt werden.
Selbst die 777 wird vielleicht aus russischem Titan hergestellt.
Entschuldige bitte, aber das ist selbst als Nebelkerze ein Blindgänger. Russland ist nicht einmal unter den ersten 15 der Titan exportierenden und lediglich auf Platz 14 der Titan fördernden Nationen.
Die Ukraine war vor dem Krieg auf Platz 5 der Exporteure und es ist nicht ganz auszuschließen, dass die Interesse der russischen Rüstungsindustrie einer der
sekundären Gründe ist, warum Russland die Ukraine so gerne "heim ins Reich" holen möchte.
Das sind alles Argumente die diskutiert werden sollten und nicht mit einem Diskussionsverbot belegt werden.
Ein Kretschmer ist doch kein Putintroll, wie eben auch viele andere, die zur Mäßigung aufrufen
Es ist nicht falsch, zur Mäßigung aufzurufen. Die Frage ist,
an wen man diesen Aufruf richtet.
Wenn die Adressaten ein Land sind, welches sich gegen einen Überfall verteidigt und diejenigen, die dieses Land dabei unterstützten, darf man sich nicht beschweren, wenn man mal mehr, mal weniger unverblümt hinterfragt wird, ob die Motive womöglich nicht ganz ehrenwert sind und der moralische Kompass womöglich einer Feinjustierung bedarf.
Wenn die nicht Eintritt, immer weiter kämpfen?
Finde ich schlimm.
Hier kämpfen zwei Parteien "immer weiter". Wäre es nicht sinnvoller, bevorzugt vom Aggressor ein Einlenken zu fordern?
Die Ukraine müsste zur Erfüllung der russischen Forderungen
minimal seine staatlich Souveränität aufgeben.
Russland müsste
maximal zum Status quo vor 2014 zurückkehren.
Russland hat die Ukraine überfallen.
Wer also wäre dazu angehalten bzw. wem ist es überhaupt sachlich möglich, die Kämpfe einzustellen?