In Russland ist er ein Held, im Westen steht er auf der Sanktionsliste. Alexander Dwornikow ist 61 und wenn er seine Militäruniform anzieht, baumelt viel Gewicht an seiner Brust. Der russische General aus dem fernöstlichen Ussurijsk, nahe der chinesischen Grenze, hat in den Jahrzehnten bei den russischen Streitkräften viele Orden bekommen. Seinen wichtigsten steckte ihm Präsident Wladimir Putin am 17. März 2016 an: den "goldenen Stern des Helden Russlands". Die Ukraine fürchtet diesen Mann nun.
Dwornikow hat am Wochenende den Oberbefehl über die russischen Truppen in der Ukraine erhalten. So berichten es zumindest die US-Regierung sowie einige russische Medien, eine offizielle Bestätigung aus Moskau gab es zu der Personalie zunächst nicht. Für die Ukraine heißt das wenig Gutes. Um die Jahrtausendwende leitete Dwornikow im zweiten Tschetschenienkrieg - in Russland offiziell "Antiterror-Operation" genannt - ein Regiment, das sich am Sturm auf die Hauptstadt Grosny beteiligte. Anderthalb Jahrzehnte später, ab September 2015, war er der erste Kommandeur der russischen Truppen bei ihrem berüchtigten Einsatz in Syrien. Zuletzt war er in Russland Chef des Südlichen Militärbezirks, zu dem außer dem russischen Nordkaukasus auch die auf der Krim stationierte Schwarzmeerflotte gehört.
In Syrien half Dwornikow maßgeblich, dass sich für Diktator Baschar al-Assad das Blatt wendete. Aus russischer Sicht liest sich seine Bilanz so: Mehr als 9000 Flugeinsätze, mehr als 400 "befreite Siedlungen". Für die US-Regierung zeigt sein Syrien-Kommando dagegen, was demnächst auch den Ukrainern bevorstehen könnte. Der nationale Sicherheitsberater Jake Sullivan sagte, Dwornikows Ernennung sei "ein Signal, dass Russland seine Politik der verbrannten Erde fortsetzen wird".
Er habe in Tschetschenien und in Syrien "diese Art von Kampagnen ausgeführt, die zu schrecklich vielen Angriffen auf Zivilisten und zu Zerstörungen ziviler Infrastruktur geführt hat", sagte auch der ehemalige US-General Mark Hertling in einem CNN-Interview. Bei den Bombardements sollen auch Krankenhäuser getroffen worden sein. In den USA erhielt Dwornikow auch den Beinamen "Schlächter von Syrien". Für Hertling ist klar, weshalb der Kreml den General zum Militärführer für die Ukraine ernannt hat: Er wolle Dwornikow drängen, bis zum 9. Mai Erfolge zu bringen, sagte er.