Gas aus Russland hat natürlich wieder politische Implikationen, aber das ist ein anderes Thema.
Man kann darüber ruhig reden.
Worüber man sich zu aller erst klar sein muss: Russland ist viel stärker darauf angewiesen, Gas zu verkaufen, als Deutschland darauf angewiesen ist, zwingend von Russland zu kaufen. Wir machen das, weil es kommod und preiswert ist, aber zur Überbrückung braucht man keine Mengen, bei denen es auf jeden Cent ankommt. Den besten Abnehmer nicht zu beliefern täte Russland mehr weh, als wenn wir uns nach Alternativen umschauen müssten.
Wenn Russland aus welchen - Gründen auch immer - als Lieferant wegfallen sollte, ist Norwegen nicht weit weg. Die haben erhebliche Reserven und kaum Eigenbedarf, weil sie über 90% ihres Strombedarfs mit Wasser und Wind decken, während Gas nicht einmal 1% ausmacht.
Wenn's hart auf hart kommt, bezieht man Gas man von den USA, denn die scharren deswegen bekanntlich nicht nur mit den Hufen, sondern treten sogar, damit sie endlich dürfen.
Und wenn Deutschland schlau ist, spielt es die beiden weltweit größten Erdgasförderer gegeneinander aus.
Derzeit legt Deutschland zudem keine großen Gasreserven an, weil dafür weder eine wirtschaftliche noch energiepolitische Notwendigkeit besteht. Wir haben aber die Speicherkapazitäten, um zu kaufen, wenn's und wo's günstig ist, und Reserven aufzubauen.
Und nur wenn's ganz, ganz schlimm kommt, und dabei reden wir von einem Zusammenbruch-der-Weltordnung-schlimm, könnten wir immer noch eine Handvoll (!) neue Kohlekraftwerke in Betrieb nehmen und sind dann immer noch sauberer als mit der jetzigen Masse. Als Absicherung kann man ganz andere Heizkraftwerke bauen, als jetzt in Betrieb sind. Die sind anders dimensioniert, flexibler im Betrieb und folgen nicht unbedingt marktwirtschaftlichen Regeln, was ganz andere Betriebsmodi, Filteranlagen und Mehrfachnutzungen erlaubt. Mit den jetzigen Anlagen ist wäre das aber nicht zum machen, auch nicht mit Umrüstung. Die müssen auf jeden Fall weg.