AW: Warum werden aĺle Games nur noch Sch*sse und machen kein Spaß mehr?
Tut mir leid, Sir. Aber Sie haben absolut keine Ahnung. Dem Anschein nach haben Sie Gothic ja nicht einmal selbst gespielt. Die Steuerung ist nun wirklich einfach. Wie simpel soll es denn noch sein? Wer zu dumm ist die paar Tasten zu drücken, der hat sich schlicht und ergreifend ein falsches Hobby ausgesucht! Und in Sachen Designfortschritt liegt Gothic gaaanz weit vorn!!! Seitdem wurde nie wieder ein Spiel so hervorragend designed, wo einfach alles in sich so unglaublich stimmig zusammenpasst. Und ja, Gothic ist stur und genau deshalb so fantastisch gelungen, weil es sich von der dämlichen Masse absetzt. Die Entwickler haben ganz schön stur ihr ihr Ding durchgezogen, um das beste Spiel aller Zeiten zu erschaffen. Egal, was die ganzen 08-15 RPG'ler gewohnt waren. Gothic ist vielmehr ein Genre für sich, weil es qualitativ und designtechnisch mit nichts Anderem vergleichbar ist.
Es gab sehr wohl schon Spiele zu dieser Zeit, die "3D-über die Schulter" mit Mausview, Anklicken (ja die blöde Maus hat Tasten, verdammt noch eins), ohne an jeder Ecke festzuhaken, sich nur um 1/8-Schritten mit den Pfeiltasten drehen zu können etc.
Gothic machts eins falsch: Es sagt zu Beginn nicht: Spiele mich! Habe sofort Spaß! Es sagt, quäle dich. Viele Stunden, dann bekommst du vielleicht eine Belohnung. Möglicherweise macht es die Stunden 3 bis 99 genau richtig, aber der Anfang taugt nichts. Und damals gab es nicht jedes Spiel fürn 5er hinterhergeworfen wie heute. Somit bin ich der Reihe aus dem Weg gegangen und erlaube mir die Interpolation des Demo-Erlebnisses und den dazugehörigen Testberichten aus seiner Zeit: Ich fühle, ich habe nichts verpasst.
Es gibt so unglaublich viele bessere Spiele aus dieser Zeit.
Um mal ein Rollenspiel zu nennen: SW:KOTOR. Amerikanisch gestreamlineter Mainstream Biowaremassentitel würde man jetzt schimpfen wollen, aber da läuft sehr viel richtig, wo es in Gothic nur gähnende Leere gibt.
Ein richtiger Auftakt zu Beginn, Partymitglieder, die man sofort hasst oder gerne hat (oh Gothic hatte gar keine Party...), motivierende Schauplatzwechsel und und und.
Wieder keine Ahnung. Vermutlich auch hier nie wirklich durchgespielt. Amnesia baut seine Spannung sehr langsam und konsequent auf. Je tiefer man in das Spiel gelangt, umso heftiger werden die Ereignisse. Es ist ein purer Albtraum der Zerstörung der menschlichen Seele. Der "Abstieg in die Finsternis", den der Spieler bei Amnesia sehr konkret durchlebt, ist für mich ein Spiegel der gesellschaftlichen und sozialen Zerstörung, die momentan über Europa und die Welt hereinbricht. Dabei gibt es so manche Details zu bestaunen, die wahrlich schreckenerregend sind - denn die Geschichte, die sich im Laufe des Spiels offenbart, ist eine zutiefst faschistische. Im Grunde kann man sagen, dass man mit Amnesia den Verfall einer als zivilisiert angenommenen Gesellschaft in ein menschenverachtendes, absolutes Horrorszenario miterlebt. Ich fürchte, es ist kein Zufall, dass ein solches Spiel gerade heute entstanden ist und dass es ausgerechnet in Deutschland spielt.
Horror ist ohnehin nicht so meins. Aber es gibt Spiele, die saugen einen sofort ein, dass man es mit der Angst zu tun hat. (wenn man mal Angst und Anspannung / Aufregung gleichsetzen will)
Das erste UFO war so ein Ding, oder System Shock. Nicht viele Mittel zu Verfügung und hinter jeder Ecke lauert der Tod.
Aber Amnesia war designtechnisch sofort durchschaut: Spannungsbogen aufbauen und hinter der nächsten Ecke lauerte: doch nichts. Mal ein einstürzender Raum, Rauch oder ein Schatten.
Dazu dämliche Rätsel, die einen ständig hin und her durch die Gegend jagten. Vielleicht ist es ne gute Gesellschaftskritik o.ä.. Aber als Spiel wetteifert es um meine zunehmend spärliche Freizeit. (40h+ Woche, 1 Kind...)
Und das machen andere Spiele eben besser.
Es gibt in jeder Zeit Ausnahmetitel, die gehen nur mittlerweile in der Masse unter. (und für jeden sind das wohl sehr unterschiedliche Titel)
Wenn sie nicht gekauft werden, dann erst recht.