So was kann sich jeder mit einem seltenen & profitablen Skillset erlauben. Aufstehen und gehen, wenn das Gegenüber im Bewerbungsgespräch eine lachhafte Summe für den Job anbietet ist da kein Problem. Passiert eigentlich jedem irgendwann, dass das Gegenüber dreist wird und glatt irgendwelche Summen nennt, die grob 20% unter dem Job vorher liegen, weil <insert random scheinrationaler Grund X>.
Der Großteil der Arbeitnehmer können sich das nicht oder nur in enorm eingeschränktem Maße erlauben.
Ja verdammt, jetzt mach doch endlich - nach mehr als 50 Seiten FDP-Mantra - bitte den einen Schritt zur Erkenntnis, dass von diesen Gewinnen nur ein geringer Bruchteil der Bevölkerung überhaupt etwas sieht, nicht aber der durchschnittliche Deutsche und schon gar kein Niedriglöhner. Und dann noch bitte bedenken, dass die anfallenden Steuern dieser Gewinne auch noch radikal unter der Abgabenlast quasi jedes arbeitenden Menschen in diesem Land liegen, wodurch die relative Besteuerung dieses Teils der Bevölkerung nochmal unter dem liegt, was der für Mindestlohn arbeitende Frisör abdrücken muss.
Ich gehe ja mit, dass mehr Menschen in diesem Land Aktien kaufen sollten, um von einem Aufschwung stärker zu profitieren. Aber auch nur zu denken, dass Arbeitgeber bei einem höheren Gewinn die breite Belegschaft davon partizipieren lassen, ist doch eine schon fast satirisch anmutende Vorstellung.
Na noch Mal, der Lohn ist eine direkte Verhandlung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Papa Staat hat zwar ein paar Regeln hier - Stundenzahl, Urlaubstage und Mindestlohn usw. Aber alles was darüber hinausgeht, da ist jeder sich selbst der nächste bei dem verhandeln was der eigene Hintern wert ist, wenn man 40h pro Woche diesen an den Chef vermietet... Niemand sagt dir - das ist zu wenig oder du verlangst viel zu viel. Niemand sagt dir - in der Firma wird so und so bezahlt (übrigens ein ganz seltsames Tabuthema hier, über den Lohn zu sprechen - wobei es besser wird, immer mehr Leute sind bereit ihr Einkommen mit anderen zu besprechen). Wenn du Arbeitnehmer bist, verkaufst du dich und deine Fähigkeiten, das besagte Skillset. Deine Sprachkenntnisse, deine Erfahrungen aus früheren Projekten und Jobs, deine Fähigkeiten mit XYZ und was du sonst noch drauf hast.
Studenten in Teilzeit haben meist nichts anzubieten als ihren nackten Hintern. Arbeiter aus dem Ausland haben noch weniger + keine Ahnung vom lokalen Markt und Gesetzen. Aber der Rest sollte sich nicht unter Wert verkaufen.
Ich habe das auf die harte Tour als DJ gelernt in jungen Jahren. Wurde in Clubs abgezockt, habe mich auf mündliche Zusagen verlassen und wurde verlassen. Hab mich dann irgendwann hingesetzt und durchgerechnet - OK, Equipment, Anreise, Musik kostet mich XYZ, also lasse ich mich nicht unter XYZ und ohne schriftlichen Vertrag drauf ein, da bleib ich lieber daheim als dem Veranstalter fette Gewinne auf meine Kosten zu finanzieren. So eine Erfahrung sollte jeder mal mitnehmen. Dann lernt man ganz flott was der eigene Hintern so wert ist. Glücklich wird man eh nicht wenn man auf Arbeit fährt und weiß - es lohnt sich eigentlich gar nicht das Sofa zu verlassen.
Hat er eben nicht!
Der Staat hat es über die letzten Jahrzehnte versäumt, sowohl bezahlbaren Wohnraum in Städten zu schaffen (im Gegenteil er hat massenweise Sozialwohnungen verkauft und privatisiert), dazu wurde öffentlicher Nahverkehr zusätzlich in ländlichen Regionen abgebaut (sowohl Schiene als auch Bus), also das Gegenteil von der Schaffung einer überall funktionierenden Infrastruktur für öffentlichen Nahverkehr.
Und nun kommen die Grünen und Friday for Future und erzählen allen, das Pendeln schlecht ist, obwohl der Staat in den letzten Jahrzehnten alles dafür getan hat, im ländlichen Raum den Individualverkehr massiv zu verstärken und den öffentlichen Nahverkehr massiv abzubauen. Dafür sollen nun die Leut aus dem ländlichen Raum bestraft weden, dass die denken, die Politiker und Leute von Friday for Future haben nicht mehr alle Tassen im Schrank ist doch völlig klar.
Vor allen dingen nach den Fakten, stoßen wir als viertgrößter Wirtschaftsraum der Erde gerade mal 2% allen CO2 aus, wovon der Individualverkehr einen Bruchteil ausmacht und rein überhaupt nichts an irgendeiner Klimabilanz ändert!
Mit diesen Argumenten kann überhaupt Niemand überzeugen. Man kann als Politik erst Pendeln und Individualverkehr teuerer machen, wenn man eine funktionierende Alternative anbieten kann und die heißt sicher nicht, eine wesentlich teurere Wohnung in der Nähe des Arbeitspltzes in einem Ballungsgebiet suchen oder nur noch da zu leben wo man arbeitet, das funktioniert in strukturschwachen Gegenden nicht. Sondern die Anwort kann nur heißen, den öffentlichen Nahverkehr (Schiene und Bus) ÜBERALL massiv auszubauen und erst wenn das geschehen ist, kann man Individualverkehr teurer machen, inklusive das Pendeln.
Alles andere ist komplett idiotisch und wird zu massiven Auseinandersetzungen führen.
Der ÖPNV und Schienenverkehr wurde ja deswegen zurückgefahren weil jeder Depp sich ins Auto setzt. DB macht Strecken dicht die sich nicht rentieren - niemand zahlt gerne drauf. Und irgendwelche sozialen Ansprüche hier kann man der Politik zwar an den Kopf werfen, da dort aber kein Hirn vorhanden ist, hilft das auch nicht.
Weißte wie lange es dauern wird, ÖPNV und Schienenverkehr in die Pampa zu bringen? Jahrzehnte mit unserer Politik, selbst wenn wir da massiv Geld reinpumpen. Andere Länder wie die Schweiz investieren seit Ewigkeiten und halten die Preise hoch, bei denen ist der ÖPNV aber auch besser. Wir sind hier aber ein Autoland. Ein Autoland an der Grenze zum Herzinfarkt auf der Straße.
Es muss also JETZT was passieren, man muss JETZT das Auto stehen lassen. Was bringen einem langfristige Pläne wenn der Patient tot ist?
Man wird es also ungefähr so tun: Pendler dazu bringen, den Individualverkehr deutlich zu verringern und dann sollen die sich umsehen wie sie zurechtkommen. Wenn wir noch 20-30 Jahre warten und das dann noch 2-3 verschieben (gehört hier ja zum guten Ton, alles dreifach zu verschieben bis überhaupt mal ein Projekt auch nur in die Endphase kommt), kriegen wir richtige Probleme.
Es gibt ja jetzt schon Krieg auf der Straße. In Leipzig sterben jede Woche Radfahrer in letzter Zeit, teils werden mehrere pro Woche einfach umgefahren. Woanders sieht das nicht besser aus. Da muss eine Lösung her, und zwar Vorgestern! Die heißt - lass deinen Eimer mit Bolzen daheim, den kannste am Wochenende zum Konzert ausführen oder mal in den Freizeitpark fahren. Und wer nicht hören will, muss fühlen. Im Geldbeutel, sobald dieser merklich schmaler wird, wachen die schon auf.