Volksentscheid in Berlin: Umwandlung von Wohnungen in Sozialwohnungen

Die Sowjetunion ist auch am Egoismus kaputt gegangen und hat die herausragenden Leistungen an wenigen Stellen mit viel Aufwand bezahlen müssen, der an anderer Stelle bitter gefehlt hat. Die Erziehung in der kapitalistische Individualgesellschaft fördert Konkurrenzkampf und Vernichtung anderer zwecks eigener Gewinnmaximierung, aber die Prozesse findet man auch in Gesellschaften mit explizit anderem Erziehungsziel. Je kleiner der Maßstab, desto stärker werden sie meist durch sozialen Druck unterbunden, aber selbst bei den erwähnten Naturvölkern finden sich mehr als genug Beispiele. Arbeitslast, Zugang zu Rausch- und Genussmitteln, nicht selten auch Sexualität und ab Gruppengrößen von einigen 100 Mitgliedern in der Regel auch Zugang zu lebensnotwendigen Ressourcen in Krisen- und Krankheitszeiten skalieren fast immer mit Macht. Oder anders gesagt: Wer die Möglichkeit hat, sorgt dafür, dass es ihm selbst besser geht.
Ich wollte lediglich aufzeigen, dass es auch im Sozialismus (auch wenn es kein reiner war) Innovationen gegeben hat.
Natürlich gibt es auch in kleineren Gruppen wie Naturvölkern Machtkämpfe, Machtmissbrauch etc., aber das kann man keineswegs mit dem heutigen Kapitalismus vergleichen.
 
Aufmerksamkeit und Aufklärung
Beispiel:
Ist es denn verwerflich, wenn ich als Vertreter vom DRK die Bundeskanzlerin einlade kontaktiere, sie treffe und unser Leid darüber klage wie viele Helfer angriffen werde und gleichzeitig neue Gesetze fordere die diesen Missstand beheben?
In diesem Fall hab ich doch auch als Lobbyist gewirkt.

Es ist ein gutes Instrument das schlichtweg missbraucht wird und Mittel dagegen werden nicht ergriffen.
 
Aufmerksamkeit und Aufklärung
Beispiel:
Ist es denn verwerflich, wenn ich als Vertreter vom DRK die Bundeskanzlerin einlade kontaktiere, sie treffe und unser Leid darüber klage wie viele Helfer angriffen werde und gleichzeitig neue Gesetze fordere die diesen Missstand beheben?
In diesem Fall hab ich doch auch als Lobbyist gewirkt.

Es ist ein gutes Instrument das schlichtweg missbraucht wird und Mittel dagegen werden nicht ergriffen.

Es wird nicht missbraucht, es funktioniert wie es soll.
Lobby heißt ja nichts anderes das sich jemand zusammensetzt und jemanden vorbeischickt um die eigenen Interessen zu vertreten.
Der eine hat halt einen Geldkoffer dabei oder ein Angebot was richtig viel Geld bringt, der andere hat nur das was er halt sagen will. Und wie die Politiker damit umgehen, ist denen überlassen (im Rahmen der Gesetze natürlich, jemanden schmieren ist offiziell nicht drin).
 
Es wird nicht missbraucht, es funktioniert wie es soll.
Stimmt.
Armuts- und Reichtumsbericht: Die Originaldokumente zu Reichtum und Einfluss | LobbyControl
Gestrichen: Was das Kanzleramt uns vorenthalten will

Die viel diskutierten Streichungen zu der eigens in Auftrag gegebenen Studie zu ungleichem Einfluss bleiben bestehen – trotz der großen öffentlichen Empörung. Die Aussage, dass Reiche mehr Einfluss auf politische Entscheidungen haben als andere, ist im Bericht zwar enthalten – allerdings nicht mehr in der Deutlichkeit und Ausführlichkeit wie in der ursprünglichen Version. Weggefallen ist die Aussage, dass die Meinungen der unteren und mittleren Einkommensschichten insbesondere bei kontroversen politischen Fragen kaum einen Einfluss auf politische Entscheidungen haben.
Gänzlich gestrichen blieben die folgenden Sätze (Fettung stammt von uns):

  • „In Deutschland beteiligen sich Bürgerinnen mit unterschiedlichem Einkommen nicht nur in sehr unterschiedlichem Maß an der Politik, sondern es besteht auch eine klare Schieflage in den politischen Entscheidungen zulasten der Armen. Damit droht ein sich verstärkender Teufelskreis aus ungleicher Beteiligung und ungleicher Responsivität, bei dem sozial benachteiligte Gruppen merken, dass ihre Anliegen kein Gehör finden und sich deshalb von der Politik abwenden – die sich in der Folge noch stärker an den Interessen der Bessergestellten orientiert.“

  • „Jedoch vertreten verschiedene Bevölkerungsgruppen ihre Interessen mit ungleichen Konflikt- und Organisationsressourcen. So können Partikularinteressen von Eliten und Unternehmen in modernen Demokratien einen übergroßen Einfluss gewinnen, mit der Folge einer zunehmenden Entpolitisierung und damit eines Legitimitätsverlustes.“
"... es funktioniert wie es soll." :schief:

Und passend zum Thema: Parteispenden 2018: Immobilienlobby legt zu | LobbyControl
 
Zuletzt bearbeitet:

Ich sage ja, das IST genau das was passieren soll. Lobby hat Auswirkungen auf die Politik und die Entscheidungen die da getroffen werden, das ist ja der Sinn und Zweck der Lobby.
Wie viel Einfluss sie haben, liegt einzig und allein von Politikern ab, was sie annehmen und was sie nicht annehmen, wie sie Deals verhandeln.
 
Und was willst du dagegen machen?
Lobbyismus komplett abschaffen ist keine Lösung.:schief:

Wieso nicht? Wenn etwas ******* ist, ist "drauf verzichten" sehr oft eine gute Lösung. So auch hier.


Ich frage dich nochmal, wieso stellen auch gemeinnützige Organisationen Lobbyisten?

Aus dem gleichen Grund wie alle anderen auch? Weil sie die Politik über die Möglichkeiten demokratischer Mittel hinaus manipulieren wollen.
 
Wieso nicht? Wenn etwas ******* ist, ist "drauf verzichten" sehr oft eine gute Lösung. So auch hier.




Aus dem gleichen Grund wie alle anderen auch? Weil sie die Politik über die Möglichkeiten demokratischer Mittel hinaus manipulieren wollen.

Die Interessenvertretung ist aber auch ein Pfeiler unserer Demokratie. Da es selten zu einem Thema bei allen Betroffenen nur eine Meinung vorherrscht, steht am Ende der Kompromiss im Mittelpunkt. Nur zwischen legitimer Interessenvertretung und illegaler Einflussnahme liegt ein sehr schmaler Grad, da muss man differenzieren. Allgemein muss da aber wesentlich mehr Transparenz rein. Es kann nicht sein, dass z.B. die Big Four sich Ihre eigenen Gesetze schreiben.

Politiker müssen zwangsläufig auf externe zurückgreifen, die können nicht einen Themenkomplex komplett überblicken.
 
Erneuter Blödsinn, aber das erneut aufzudröseln bringt sowieso nichts, da du eh permanent mental blockierst.
Mach es dir doch einfach: https://www.newscientist.com/articl...f-innovation-busting-the-private-sector-myth/
Besonderes Schmankerl daraus:
[...]
Apple is a perfect example. In its early stages the company received government cash support via a $500,000 small business investment company grant. And every technology that makes the iPhone a smartphone owes its vision and funding to the state: the internet, GPS, touchscreen displays and even the voice-activated smartphone assistant Siri all received state cash. The US Defence Advanced Research Projects Agency (DARPA) bankrolled the internet, and the CIA and the military funded GPS. So, although the US is sold to us as the model example of progress through private enterprise, innovation there has benefited from a very interventionist state.
“Every technology that makes the iPhone a smartphone owes its vision and funding to the state”
The examples don’t just come from the military arena, either. The US National Institutes of Health spends around $30 billion every year on pharmaceutical and biotechnology research and is responsible for 75 per cent of the most innovative new drugs annually. Even the algorithm behind Google benefited from US National Science Foundation (NSF) funding.
Across the world we see state investment banks financing innovation. Green energy is a great example. From Germany’s KfW state bank to the Chinese and Brazilian development banks, state-run finance is playing an increasing role in the development of the next big thing: green tech.
[...]

(Es lohnt sich den ganzen Artikel zu lesen.)

Und um nochmal darauf zurückzukommen und Funfact #1 weiterzuführen:
Wie wenig Ahnung diese Leute am Ende eigentlich selber haben, oder evt. auch einfach aus reinen Eigennutz manipulativ mit der Angst anderer spielend sie sind, zeigt sich auch sofort sobald sie anfangen einen demokratischen Sozialismus mit dem diktatorischen sozialistischen Hilfskonstrukt der DDR gleichsetzen zu wollen.
Funfact #2: Man werfe mal einen Blick in die Satzung von Gewerkschaften, z.B. der IG Metall: https://www.igmetall.de/download/20..._8c78de3b413b8ddd89651941bd875f279331feec.pdf
3. Demokratisierung der Wirtschaft unter Fernhaltung von neofaschistischen, militaristischen und reaktionären Elementen;
4. Erringung und Sicherung des Mitbestimmungsrechtes der Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen im Betrieb und Unternehmen und im gesamtwirtschaftlichen Bereich durch Errichtung von Wirtschafts- und Sozialräten; Überführung von Schlüsselindustrien und anderen markt- und wirtschaftsbeherrschenden Unternehmungen in Gemeineigentum;

popcorn3.gif
 
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Darauf antworte ich jetzt mal in ruyven-Manier: Source?

Ich fordere regelmäßig Quellen, wenn Sachlagen oder Ereignisse behauptet werden, das stimmt. Was existiert/passiert (ist) sollte sich leicht belegen lassen und wenn es selbst der Behauptende seine merkwürdige Story nicht belegen kann, dann hat er wohl Märchen erzählt/versucht die Diskussionsteilnehmer zu täuschen.
Das ich jemals Quellen zu Vorgehensstrategien und Methodenplänen gefordert habe, wäre mir nicht in Erinnerung. Das etwas passert kann man anhand von Beobachtungen schlussfolgern (ich gehe davon aus, niemand zweifelt an, dass diverese Organisationen das direkte Gespräch mit Politikern suchen) und wo es hingehen soll aus offiziellen Verlautbahrungen (die Zeile diverser Interessensvertretungen muss ich hoffentlich auch niemandem ergooglen) entnehmen. Aber dass das eine dem anderen dient/welcher Plan dahinter steht, wird normalerweise nie breitgetreten, weil nicht öffentliche Methoden aus Sicht der Organisationen eben nichts in der Öffentlichkeit zu suchen haben.
Nichts desto trotz ein paar Beispiele, die es in öffentliche Texte geschafft haben:
BUND: "Wir sind in Deutschland auf allen Entscheidungsebenen präsent und beeinflussen so Politik ...."
DUH: "Darüber hinaus versuchen wir die deutsche Regierung in die Pflicht zu nehmen..." "Städte und Gemeinden ...zwingen wir sie dazu
"Forderung für mehr Umweltschutz politisch durchsetzen" "Greenpeace hat sich also den gleichen Werkzeugkasten zugelegt wie Lobbyisten" "Greenpeace wird politisch ernst genommen, weil wir ... auch ... Druck erzeuge"


Die Interessenvertretung ist aber auch ein Pfeiler unserer Demokratie. Da es selten zu einem Thema bei allen Betroffenen nur eine Meinung vorherrscht, steht am Ende der Kompromiss im Mittelpunkt. Nur zwischen legitimer Interessenvertretung und illegaler Einflussnahme liegt ein sehr schmaler Grad

Illegitim und legitim sind moralische Bewertungen, die jeder anders sieht. Da wirst du gar keinen Grat definieren können. Aber demokratisch und undemokratisch ist ziemlich einfach: Es gibt diverse demokratische Gremien von Bundes bis runder auf kommunaler Ebene, es gibt offizielle Ansprechpartner aller demokratischen Institutionen, es gibt demokratische Interessensvertretungen (sogenannte "Parteien"), bei denen jeder gemäß seiner Interessenslage aktiv werden kann und es gibt öffentliche, registrierte, demokratisch verankertes Interessenskundgebungen (Demos). Auf manchen Ebenen gibt es auch die organisierte demokratische Interessenseinbindung - über diesem Thread steht z.B. was von "Volksbegehren".

Und auf der anderen Seite gibt es undemokratischen Lobbyismus: Persönliche Gespräche hinter verschlossenen Türen, geführt von Leuten die nicht ihre (primär) ihre eigenen Interessen und auch nicht die eines legitimierten demokratischen Gremiums vertreten, sondern die von wie-auch-immer gearteten Finanziers und die im Verlaufe dieser Gespräche dem Vernehmen nach wohl gern über demokratische Argumente ("xy Bürger haben dieses Anliegen") hinaus Druck aufbauen.
 
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Der Punkt ist, du wirst in jeder Demokratie, angefangen bei der Regierungsform eines Staates bis runter zu Abstimmungen in kleinen sozialen Gruppen, ein fundamentales Problem finden: Das so genannte Abilene-Paradoxon. In der Politologie und Soziologie hinreichend bekannt.

Dieses "Interessen-Paradoxon" tritt dann auf, wenn eine Gruppe von Leuten für etwas abstimmt, ohne zu merken, welche Konsequenzen das haben könnte und wer von ihnen, trotz angenommenem, bestmöglichem Kompromiss oder Vorteil, selbst benachteiligt wird.
Das Ehrenamt z.B. hat keine Gewerkschaft.
Das muss durch Hilfsorganisationen, egal ob das jetzt Tierschutz, Naturschutz oder in Sozialen Bereichen (FFW, Tätigkeiten bei Hilfsorganisationen) u.U. durch einen Dachverband vertreten werden.

Und wie Seefe schon vorhin richtig erwähnt hat: Kein Politiker vermag das gesamte Spektrum zu überblicken. Der braucht eben auch den einen oder anderen Berater. Das Problem hierbei ist eben die Umsetzung, wenn die Bundesregierung pro Jahr 'ne Milliarde für externe Interessenvertreter ausgibt, anstatt auf ihre Wähler zu hören, dann ist das natürlich kontraproduktiv.
Wie gesagt: Perfekt ist das bei weitem nicht. Aber jene Interessenkonflikte wirst du ganz ohne Lobbyismus nicht beseitigen können.

Wenn du das doch glaubst, dann erkläre das mal Ehrenamtlichen oder Freiwiliigen Feuerwehren, die in keinem Wahlprogramm ernsthaft berücksichtigt werden und für die sich der Gemeine Wähler nicht interessiert, obwohl der Staat auf sie angewiesen ist.^^
 
Und auf der anderen Seite gibt es undemokratischen Lobbyismus: Persönliche Gespräche hinter verschlossenen Türen, geführt von Leuten die nicht ihre (primär) ihre eigenen Interessen und auch nicht die eines legitimierten demokratischen Gremiums vertreten, sondern die von wie-auch-immer gearteten Finanziers und die im Verlaufe dieser Gespräche dem Vernehmen nach wohl gern über demokratische Argumente ("xy Bürger haben dieses Anliegen") hinaus Druck aufbauen.

Und deswegen brauchst du Transparenz. Wenn jeder gleich weiß, worum es geht und es nach außen klar kommuniziert wird, gibt es keine Absprachen mehr hinter verschlossenen Türen.
Blöd ist nur, dass die Parteien ja genau das gleiche machen.
 
Wenn du das doch glaubst, dann erkläre das mal Ehrenamtlichen oder Freiwiliigen Feuerwehren, die in keinem Wahlprogramm ernsthaft berücksichtigt werden und für die sich der Gemeine Wähler nicht interessiert, obwohl der Staat auf sie angewiesen ist.^^

Auf kommunaler Ebene werden die schon sehr stark berücksichtigt.

Bei uns ging es als sich im Januar kurz vor der Wahl die neuen Bürgermeisterkandidaten vorgestellt haben, auch viel um die Feuerwehr und den Hochwasserschutz.
Wobei halt auch der alte AFD-Kandidat damit aufgefallen ist, das er auf Themen kam, die Bundespolitik sind und die Leute AFD wählen sollen. Allerdings haben ihm seine Politik von Nazis für Nazis wohl viele Leute übel genommen, so dass er ordentlich abstraft wurde und nur 26% hatte, während der junge CDU Kandidat, der Politik für die Gemeinde machen wollt, die absolute Mehrheit bekam.


Das Problem ist halt, das nicht jeder die Möglichkeit hat mal mit Merkel Cafe zu trinken. Damit gibt es ein Ungleichgewicht.
Ich würde sie auch gerne mal persönlich fragen, wann sie denn nun endlich ihr 50 Mbit-Versprechen erfüllt.
 
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Auf kommunaler Ebene werden die schon sehr stark berücksichtigt.

Bei uns ging es als sich im Januar kurz vor der Wahl die neuen Bürgermeisterkandidaten vorgestellt haben, auch viel um die Feuerwehr und den Hochwasserschutz.
Lobbyarbeit ist eben Lobbyarbeit, egal ob das jetzt um Bundestag oder im Rathaus stattfindet. ;)
FFWs sind ihn ihren Kommunen sehr stark vernetzt, ist ja auch eine Art "Bürgerclub", in der man sich trifft und Bekanntschaften macht.
Aber würde z.B. das Rote Kreuz keinen Lobbyismus betreiben, stünde es ums Ehrenamt in vielen Sozialen Bereichen noch schlechter.
Für die interessiert sich eben keiner. Die bekommen jetzt schon zu wenig Mittel, machen die überhaupt keine Interessenvertretung mehr, geht das Ehrenamt dort vor die Hunde.^^
 
Der Punkt ist, du wirst in jeder Demokratie, angefangen bei der Regierungsform eines Staates bis runter zu Abstimmungen in kleinen sozialen Gruppen, ein fundamentales Problem finden: Das so genannte Abilene-Paradoxon. In der Politologie und Soziologie hinreichend bekannt.

Dieses "Interessen-Paradoxon" tritt dann auf, wenn eine Gruppe von Leuten für etwas abstimmt, ohne zu merken, welche Konsequenzen das haben könnte und wer von ihnen, trotz angenommenem, bestmöglichem Kompromiss oder Vorteil, selbst benachteiligt wird.
Das Ehrenamt z.B. hat keine Gewerkschaft.
Das muss durch Hilfsorganisationen, egal ob das jetzt Tierschutz, Naturschutz oder in Sozialen Bereichen (FFW, Tätigkeiten bei Hilfsorganisationen) u.U. durch einen Dachverband vertreten werden.

? "XY hat eine Lobby, deswegen muss AB auch eine haben, sonst kann Demokratie nicht funktionieren"? Das ist die gleiche Irrlogik, nach der jeder ne Knarre haben muss, sonst gäbe es keine Sicherheit. Die offensichtliche Alternative lautet: Niemand hat eine Lobby. Ende. Was nicht heißt, dass Gewerkschaften nicht z.B. als Arbeitnehmervertretung gegenüber deren Arbeitgebern auftreten können. Aber weder die eine noch die andere Gruppe sollte Politikern was in Ohr flüstern, denn auch im jetzigen System gibt es tonnenweise Gruppen, die das nicht können. Wo sind die organisierten Vertreter der Künstler? Wer bezahlt Lobbyismus zugunsten von Obdachlosen? Die Interessensgemeinschaft ungeborener Generationen heißt wie? Wer sucht das persönliche Gespräch mit Politikern über die Umweltzerstörung, die unsere Konzerne am anderen Ende der Welt anrichten? Es gibt immer irgendjemanden, der gar keine oder nur eine schwache Lobby hat, während sich andere dutzende Experten und Einflüsterer leisten können. Eine gute Demokratie muss damit klarkommen und Mechanismen aufbauen, in denen auch nicht durch Lobbys vertretene Interessen berücksichtigt werden.
Sonst ist es keine Demokratie, sondern eine Lobbykratie. Und das ist das gleiche wie ein reiner Kapitalismus im Wortsinne: Die Herrschaft des Geldes. Nicht des Volkes.

(Was alles nicht heißen soll, dass das deutsche System mit Interessensverbänden nicht auch Vorteile hätte respektive das man es von heut auf morgen gegen etwas besseres ersetzen könnte. Aber wer behauptet, dass Lobbys demokratisch wären, der hat nicht einmal das Wort geschweige denn den Hintergedanken von "Demokratie" kapiert.)

Und wie Seefe schon vorhin richtig erwähnt hat: Kein Politiker vermag das gesamte Spektrum zu überblicken.

Deswegen haben wir nicht einen Führer, sondern multiple Politiker.

Der braucht eben auch den einen oder anderen Berater.

Deswegen hat jeder dieser Politiker mehrere Angestellte die im Helfen, jeder Minister darüber hinaus noch einen kompletten Beraterstab und das Parlament zusätzlich noch einen wissenschaftlichen Dienst.

Das Problem hierbei ist eben die Umsetzung, wenn die Bundesregierung pro Jahr 'ne Milliarde für externe Interessenvertreter ausgibt, anstatt auf ihre Wähler zu hören, dann ist das natürlich kontraproduktiv.

Macht sie, ist hier aber nicht Thema. Das Problem ist, das andere als die Regierung mehrere Milliarden im Jahr ausgeben, damit ihre Interessen vertreten werden. Und das es andere Interessen gibt, die aus menschlicher Sicht genauso oder noch wichtiger sind, die aber nicht oder kaum berücksichtigt werden, weil dafür niemand auch nur eine Million geschweige denn tausende ausgeben könnte.

Wie gesagt: Perfekt ist das bei weitem nicht. Aber jene Interessenkonflikte wirst du ganz ohne Lobbyismus nicht beseitigen können.

Ich kann auch mit Lobbyismus keinen einzigen Interessenskonflikt beseitigen, im Gegenteil: Lobbyismus schafft Interessenskonflikte. Nämlich den Konflikt dass Politiker ihre Zeit eigentlich zugunsten des Volkes nutzen sollen und dafür schon jede Menge neutrale Fakten studieren möchten, stattdessen aber bei Wein und Häppchen mit Leuten zusammensitzen, deren explizite Aufgabe das genaue Gegenteil ist.

Wenn du das doch glaubst, dann erkläre das mal Ehrenamtlichen oder Freiwiliigen Feuerwehren, die in keinem Wahlprogramm ernsthaft berücksichtigt werden und für die sich der Gemeine Wähler nicht interessiert, obwohl der Staat auf sie angewiesen ist.^^

Gibt genug Parteien, die gerade Ehrenamt und Freiwilligkeit im Programm führen. Insbesondere auf Kommunaler Ebene, wo das nunmal abläuft, aber selbst die obersten Ränge der großen Parteien liefern regelmäßig Lippenbekenntnisse, obwohl es in ihrem Einflussbereich gar kein Ehrenamt gibt. Und wenn dem alles nicht so wäre, wäre das immer noch kein Grund für eine Lobby, die in die Parlamente geht, sondern Anlass für Parteiarbeit respektive Parteineugründung. Davon abgesehen gibt es für jede Art von staatlich unterstützten Verein (also insbesondere freiwillige Feuerwehren, aber auch Sportvereine) institutionale Ansprechpartner.
Aus gutem Grund, es ist schließlich Aufgabe der Politiker und des Staatsapperats, die Funktion von letzterem aufrecht zu erhalten. Und dafür können sie sich nicht auf Lobbys verlassen, sondern brauchen eigene Strukturen. Oder müssen Beamte erst für jeden Stapel Papier, den sie brauchen, einen Lobbyisten ins Parlament schicken?

Lobby sind sicherlich nicht die richtige Grundlage für einen funktionierenden Staat. Sie sind ein Werkzeug, mit dem Interessensgemeinschaften versuchen, ihrem Interesse mehr Gehör zu verschaffen, als es im Rahmen der demokratisch gewählten Strukturen von sich aus erhält. Und genau dieses "unser Anliegen ist wichtiger als die Mehrheit sagt" ist und bleibt undemokratisch, denn per Definition ist nur das, was die Mehrheit sagt. Selbst wenn die Schrott labert.
 
Du hast erneut die Wähler völlig außer Acht gelassen.

Es stimmt zwar, dass je mehr Lobby = weniger Demokratie, aber das Gegenteil löst immernoch das Grundproblem des Interessen-Paradoxons nicht.
Du müsstes davon ausgehen, dass jeder Wähler immer vollends über alle Faktoren im Bilde ist, bevor er wählen geht. Und das ist praktisch nirgendwo der Fall.
Genausowenig, wie Politiker jedes Themengebiet abstecken, können ohne das Fachwissen Dritter. Die Berater die du meintest, sind doch praktisch das gleiche wie Lobbyisten: Experten, die sich in einem gewissen Fachbereich besonders gut auskennen und dementsprechend die Politik darin beraten oder - im boshaften Fall - lenken können.
Die Behauptung, Lobbyismus sei ausschließlich eine privat finanzierte Angelegenheit von Industrie, Gewerkschaften oder Verbände in Form eines bezahlten Interessenvertreters, ist übrigens falsch; Jeder, absolut jeder, kann Kontakt mit einem Abgeordneten aufnehmen und ihm seine "Interessen" mitteilen <- das ist auf dem Papier dieselbe Form der Meinungsbeeinflussung.

Und frag' doch mal in den Kommunen nach, wie viel da für's Ehrenamt von politischer Stelle aus getan wird.
Dort findest du meistens auch nur die gleichen Lippenbekenntnisse. Organisationen, die massiv vom Ehrenamt abhängig sind (Rotes Kreuz, Malteser, ASB usw.) stellen die am schlechtesten ausgestatteten Hilfs- und Einsatzkräfte. Freiwillige Feuerwehren sind von der Großzügigkeit des Bürgermeisters ihrer Ortschaft abghängig.

Genau das sind aber die Leute, von denen jeder funktionierende Staat abhängig ist. Ohne Ehrenamt brennen dir auf dem Land die Häuser ab, in Katastrophenfällen sterben erheblich mehr Menschen und Alte, Kranke wie Schwerstbehinderte ohne Fahrdienste hätten den ganzen Tag zu hungern. Das interessiert aber eben kaum keinen. Deshalb: Interessenvertretung. Deshalb Lobbyismus, auch von gemeinnützigen Organisationen.

Die Flüchtlingskrise ist da auch wieder so ein tolles Beispiel: Völlig überarbeitete Helfer aus dem Ehrenamt, die so lange in Unterkünften vor Ort im Einsatz waren, dass sie schon von ihrem Arbeitgeber mit der Kündigung bedroht wurden. Überarbeitet, erschöpft, kaputt oder in der Fachsprache, burned out. Anerkennung? Fast Null. Den hat, auch dank der Medien, Merkel für sich eingestrichen.
Wie wäre es denen ergangen, wenn sich mehr für deren Interessen eingesetzt hätten?

Hier hast du wieder so ein Problem, die Medien. Die womöglich mächtigste "Lobby" überhaupt: Die Politiker müssen sich gut mit denen stellen, wenn sie in der Öffentlichkeit positiv wahrgenommen werden möchten. Und die Wähler kriegen die Meinung der Interessengruppen hinter den Medien präsentiert, ohne das sie es wirklich merken.

Du siehst: Wenn du keinen Lobbyismus willst, musst du das System ändern.;)
 
Die Flüchtlingskrise ist da auch wieder so ein tolles Beispiel: Völlig überarbeitete Helfer aus dem Ehrenamt, die so lange in Unterkünften vor Ort im Einsatz waren, dass sie schon von ihrem Arbeitgeber mit der Kündigung bedroht wurden. Überarbeitet, erschöpft, kaputt oder in der Fachsprache, burned out. Anerkennung? Fast Null. Den hat, auch dank der Medien, Merkel für sich eingestrichen.
Wobei da ja noch das Trauerspiel hinzukommt: Als die Finanzkrise war, da waren die Rettungsschirme, etc. innerhalb weniger Tage bis Wochen da, bei der Flüchtlingskrise hat es Monate gedauert, bis es Seitens des Bundes mal bedeutend mehr oder überhaupt Mittel für die Kommunen gab.

Freiwillige Feuerwehren sind von der Großzügigkeit des Bürgermeisters ihrer Ortschaft abghängig.
Ich weiß jetzt nicht wie es in Bayern aussieht, aber in Thüringen gibt es Zuwendungsrichtlinien seitens des Landes.
 
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