AW: VHS-Ära endet: Funai beendet Produktion von Rekordern
Eine Schallplatte nutzt sich bei richtiger Pflege und Verwendung nicht ab. Der Mythos entstand nur durch den billigen Massenmarkt mit schlechtesten Playern und billigsten Nadeln, sowie Fettfinger, staubige Lagerung und einfach falsches Verständnis für das Thema.
Das stimmt nicht; die Nadel ist eben um ein vielfaches härter als das Vinyl und nutzt dieses zwangsweise ab. eine Platte die hundert mal abgespielt wurde hört sich anders an als eine neue, da kann man machen was man will, spätestens nach ein paar hundert Abspielvorgängen hört sich die Platte dann nicht nur geringfügig anders an sondern wirklich schlechter. Die einzige echte Patentlösung für dieses Problem sind optische (LASER) Plattenspieler die aber bekanntlich sehr, sehr teuer sind.
Naja. Bei Musik hat man mit der Vinyl nicht so stark den Komprimierungs und- Loudness-Wahn, wie es auf CD oder Digial möglich ist (siehe Extrembeispiel Metallica Album Death Magnetic - kaum Dynamic und Clippingfehler).
Dafür kann aber die CD nichts und die Schallplatte auch nicht...
Technisch ist die CD der Schallplatte in praktisch jeder Hinsicht überlegen.
Das qualitativ beste und modernste Analogformat das es jemals gegeben hat war ohne Zweifel -neben 32mm Film- die LASER-Disc. Aber während die ältere und schlechtere Schallplatte heute noch beliebt ist ist die LD praktisch in Vergessenheit geraten.
Dass sich 2015 aber noch 750.000 Geräte verkauft haben, ist schon eine Wucht. Videorecorder bekommt man gebraucht quasi nachgeworfen.
Die Funai Recorder boten zuletzt aber so Scherze wie HDMI und Upscaling auf zeitgenössische Auflösungen. Das bekommt man mit einem alten VHS Recorder nur mit teurer Zusatzhardware hin zumal die Recorder im Laufe der Zeit ja auch nicht besser werden...
Analogmedien bei Filmen sind immernoch am besten, da die Filmindustrie die Bänder später auch mit höheren Auflösungen abtasten können, so dass man selbst mit 4k noch einen Unterschied sieht. Das geht natürlich schlecht wenn der Film direkt Digital in z.B. FullHD aufgenommen wird. Da geht nur schlechteres upscaling.
VHS ist aber kein Analogfilm...
Bei sehr gutem 32mm Film kann die Auflösung sogar einer 4k Digitalauflösung überlegen sein aber VHS hat feste 625 Zeilen und 220-240 Spalten (rechteckige Pixel). (nicht nur) für heutige Maßstäbe eine sehr schlechte Auflösung zu der auch noch eine schlechte Kontrast- und Farbauflösung kam. Selbst 8mm Film kann einer VHS noch deutlich überlegen sein.
VHS hat einen Vorteil, nämlich die Tatsache, dass man viel auf ein Band speichern kann. Ich hatte massenweise 300minuten Kasetten - welche DVD konnte 5 Stunden Film speichern? Zumal im SSP Modus das noch verdoppelt wurde, ohne viel an Qualität einzubüßen. Hab damit damals alle DBZ Folgen aufgenommen, ein dutzend Kasetten reichten. Hab das ganze mittlerweile auf DVD - 72 Stück an der Zahl!
Die Speicherkapazität der VHS war allerdings wirklich durchaus beachtlich. Beachtlich ist auch das die D-VHS, ein Digitalderivat der VHS gute 50GB Speicherplatz bot- so viel wie eine Blu-Ray... und das bereits ab 1998. Damit waren zu einer Zeit in der die ersten DVDs auf den Markt gekommen sind bis zu 480 Minuten Aufnahme in DVD Qualität möglich, prinzipiell war das Format auch HD tauglich.
Bei normalen VHS muss man aber dazu sagen das man sicher über tausend Minuten Video welches mit modernen Verfahren wie MPEG 4 (H.264) auf VHS äquivalente Qualität komprimiert wurde auf einer DVD speichern könnte.
Letztendlich muss man festhalten das es aus heutiger Sicht gar nicht so logisch war das die VHS durch die DVD abgelöst wurde. Digital-VHS Recorder boten neben größeren Bandlängen und der Aufnahmefähigkeit auch eine Abwärtskompatibilität zur analogen VHS. Das sind doch einige gewichtige Vorteile. Eine abwärtskompatible Weiterentwicklung bis hin zu Kapazitäten von etlichen hundert Gigabyte oder sogar mehreren Terrabyte pro Kassette wäre -analog zu proffessionellen Datenkasetten- durchaus möglich gewesen. Damit könnten moderne VHS Ableger prinzipiell selbst mit UHD-DVDs qualitativ konkurrieren.
Die VHS Kassetten hatten eigentlich nur drei Nachteile die sich nicht durch eine abwärtskompatible Weiterentwicklung lösen lassen: Einerseits waren und sind die Herstellungskosten sowohl der Kassetten als auch der Recorder wesentlich höher als die einer DVD bzw. eines DVD Players (was dafür gesorgt hat das die Industrie aufgrund potenziell höherer Gewinnspannen eher der DVD zugeneigt war) und die Lebensdauer ist geringer (Bandsalat, Entmagnetisierung...). Abgesehen davon muss man auch bei den modernsten Kassetten noch spulen, der Verzicht darauf war bei der DVD schon ein Komfortgewinn, da kann man sagen was man will. Auf den Spulvorgang kann man bei Kassetten zudem nicht nur nicht verzichten alleine aufgrund der mechanischen Belastbarkeit der Kassetten und des Bandes lässt er sich nichtmal wesentlich beschleunigen.
Sony's Betamax läuft noch immer in Studiokameras, Video 2000/4000 haben die Japaner mit Negativpreisen erledigt.
Heute kommt Betamax im Studiobereich allenfalls noch vereinzelt in Form der Digital Betacam zum Einsatz- und dieses digitale Derivat der Betamax ist nie in vergleichbarer Form im Consumerbereich erschienen.
Eine aktuelle "Verwendung" ist aber auch hier wohl schon sehr selten, häufiger sind die Kassetten eher >noch< in Archiven vorhanden und warten darauf auf modernere Formate übertragen zu werden (was praktischerweise immerhin verlustfrei möglich ist).