Ich lese immer wieder, dass "Kate Vess" ein weiblicher Han Solo sei. Ist das jetzt positiv gemeint? Warum sollte man sich in einem Star Wars Spiel mit einem weiblichen Han Solo zufrieden geben, wenn es in diesem Universum den echten Han Solo gibt? Was will ich mit einem Abklatsch? Und darauf reduziert sich die Beschreibung des Hauptcharakters? Na super!
Ist vielleicht eher der "Typus" Gauner, weniger der Charakter selbst. Wobei es da natürlich einige Parallelen gibt ("Herausreden" als Fähigkeit, Fokus auf Blaster und natürlich krumme "Geschäfte" mit Jabba the Hut und Co. KG).
Mich erinnert es stellenweise (insbesondere nach den ersten ca. 10 Stunden) beinahe mehr an Filme wie "Oceans Eleven", oder so. Es gibt jedenfalls deutliche Anleihen, der "Han Solo"-Aspekt spielt aber natürlich auch eine gewisse Rolle. Blaster-Pistole und Stealth bzw Geschick statt Lichtschwert und Macht-Magie...
Ich find es bislang tatsächlich ganz nett umgesetzt. Ist nach 10 Stunden und dem ersten "Planeten" natürlich noch nicht wirklich vorauszusehen, doch zumindest der Beginn des Spiels fühlt sich weniger "formelhaft" als bisher "typische" Ubisoft-Titel an. Bisher finde ich tatsächlich ganz gut, dass sich die Umgebungen, Settings und Umstände bei den Missionen recht stark voneinander unterscheiden (wie gesagt, zumindest in den ersten ca. 10 Stunden) und dass die auch gut in die Story eingewoben sind. Die zumindest ganz gut präsentiert wird - auch wenn sie mich bislang kaum überraschen konnte (die Charaktere sind ein bisschen arg "stereotypisch", nicht schwer zu durchschauen, daher sind "Überraschungen" bislang auch nicht direkt überraschend; Kay selbst ist zwar relativ sympathisch - aber auch ein bisschen arg naiv, bisschen oberflächlich, bisschen farblos bislang.) Generell aber ganz nett gemacht.
Die Open-World-Gebiete sind relativ leer, das wirkt tendenziell ein wenig wie Filler. Sie sind allerdings ganz hübsch und geben dem Spiel natürlich auch eine gewisse "Größe". Und natürlich gibt es hier auch wieder etwas Busy-Work, Sammelgedöns und ein paar "Lager" zum Ausräumen, aber generell wirkt das alles recht deutlich zurückgefahren und etwas weniger aufdringlich und repetitiv als in früheren Ubi-Titeln. Es wirkt trotz "Ubisoft-Open-World" weniger formelhaft und mit den immer gleichen Elementen vollgestopft. Erinnert mich generell vielleicht mehr an ein "klassisches" Action-Adventure mit ein paar Open-World-Einflüssen, denn an ein Assassin's Creed im Star-Wars-Universum.
Das Ganze wirkt ein wenig seicht, das Spiel ist auch auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad (den kann man auch "individuell" in mehreren Kategorien regeln) keine allzu große Herausforderung. Das Raumschiff-Fliegen ist auch ein bisschen lame, das erinnert tatsächlich ein wenig an Starfield, ist eher rudimentär ("Drücke Knopf, um gegnerisches Schiff automatisch zu verfolgen und aufzuschalten, drücke dann anderen Knopf und schwups, du hast gewonnen!"). Es ist aber ganz nett erzählt, die Story steht tatsächlich vergleichsweise (zu anderen Ubisoft-Open-World-Titeln) stark im Fokus, was zumindest zu Beginn die Missionen ganz gut verkettet, ihnen eine Bedeutung gibt und dank wechselnder Szenarien außerdem relativ abwechslungsreich erscheinen lässt - zumindest, was den Kontext, die Umgebungen etc. betrifft.
Und man bekommt im Grunde immer mehrere Lösungsansätze, Wege und Vorgehensweisen, das ist auch ganz nett. Außerdem ist das Ganze zumindest leicht dynamisch, da man am Ende der Missionen zumeist eine Wahlmöglichkeit bekommt, welches Verbrecher-Kartell man unterstützen oder verraten möchte, und das wiederum hat Auswirkungen darauf, wie die Fraktionen mit einem umspringen – das ist jetzt nicht direkt beeindruckend dynamisch, aber immerhin kann man so ein wenig taktieren und/oder das Gameplay für seine Zwecke manipulieren (zum Beispiel mit der einen Fraktion gutstellen, das geht dann auf Kosten mindestens einer der anderen, aber dann kann man quasi ungestört deren Gebiete betreten und muss nicht überall vorbeischleichen).
TL;DR: Bisher gefällt es mit tatsächlich ganz gut. Gut genug jedenfalls, dass ich freiwillig gut 10 Stunden meiner Freizeit investiert habe. Eine 2/10 hat es meines Erachtens nicht verdient, eine 9 oder 10/10 wohl allerdings auch eher nicht. Aber gute, solide Unterhaltung hat es mir bislang bereiten können. Vielleicht spiele ich das sogar mal durch, es wirkt auch straffer und weniger langatmig als vorherige Ubisoft-Open-World-Monster. Zumindest gefühlt und nach Abschluss der Hauptquest-Reihe (plus ein paar Extras) auf dem ersten Planeten (einem von vier "Open-World-Bereichen") würde ich da eher auf 40-50 statt 140-150 Spielstunden tippen. Es wirkt jedenfalls bislang etwas straffer und dichter gefasst.
Wenn ich Star Wars Outlaws grob anhand anderer Spiele kategorisieren müsste, dann wäre es vom Gameplay eine Art Splinter Cell Light meets Action-Adventure wie Tomb Raider oder Uncharted meets eine Prise Ubisoft-Open-World meets Star Wars ohne typische Star-Wars-, sondern mit Cantina-Musik, ohne Jedi-Selbstfindungstempelei meets ein bisschen Space-Western im Stil von
Firefly/Serenity (Disclaimer: Pretty sure, am Ende vom Lied landet man aber in irgendeiner Form bei den Rebellen - die sind gleich von Beginn irgendwie dabei, und you know: Wie Han Solo).
Bin mal gespannt, was die Reviews generell so hergeben. Ich vermute mal tendenziell im Bereich 7-8/10. Wahrscheinlich eher kein Überhit, aber einen Verriss hat es meines Erachtens nicht verdient.
EDIT: Es gibt allerdings auch praktisch nichts Herausstechendes. Nichts Außergewöhnliches. Nichts Bemerkenswertes, nicht viel Erinnerungswürdiges, letzteres zumindest vermutlich. Von dem Gesichtspunkt aus ist es eher Durchschnitt. Es wird wohl kaum in einer Art "Ewigen Hitparade der Spielegeschichte" landen.
Gruß,
Phil