AW: Stadt München migriert erfolgreich 14.800 PCs zu Linux
Linux klingt ja ganz toll und zumindest ideologisch ist es das ja auch, aber in München wurde zu Beginn einiges nicht bedacht. Im Endeffekt wollte man sich in München von den ausländischen (ließ amerikanischen) Unternehmen abkappen. (Mit Snowden etc. vielleicht auch ne ganz vernünftige Entscheidung) Aber da wurde einiges nicht bedacht...
1) Lizenzkosten: Ja super! Haben sie sich gespart weil sie ihr eigenes Süppchen gekocht haben. Nur haben sie dadurch natürlich mehr kosten an anderer Stelle. Irgendjemand muss ihr Linux ja für sie angepasst haben. Wer? Selbst entwickelt oder wieder eine Drittfirma? Wer übernimmt den Support? Wer versorgt das BS mit Updates? Wer wartet das ganze? Entweder ist man wieder Abhängig von einer Firma, die gerne mal Pleite geht (passiert in solchen Fällen leider wirklich häufig, meistens werden die Firmen größenwahnsinnig weil sie nen festen Vertrag mit ner Stadt haben...) und dann steht man auf einmal da ohne Leute, die das Betriebssystem kennen, oder man macht es halt komplett selbst. Das würde bedeuten das man auf einmal ne riesen IT-Abteilung brauch die ordentlich Geld frisst. Bei Windows ist es da leicht, da schlägt man das Telefonbuch auf und sucht sich eins der tausend Unternehmen aus die Windows-Support liefern und kann dabei den Preis noch gut drücken. Den Luxus gibt es bei eigens entwickelten Linux-Systemen nicht. Die Support-Kosten alleine fressen wahrscheinlich schon die Lizenzkosten komplett auf.
2) Administration: Eh... Viel Spaß! Städte sind von Natur aus hoch heterogene Systeme. Meistens gibts immer nur 1 oder 2 Mitarbeiter die bestimmte Software und Hardware verwenden. Das macht auf Windows schon kein Spaß. Auf Linux dürfte das die Hölle sein außer man hat Leute die echt gerne am Basteln sind und dafür kein Geld haben wollen.
3) Software: Wie gesagt, stark heterogen. Jeder zweite Mitarbeiter braucht seine eigene spezielle Software und Hardware. (Gut... im Schnitt vielleicht weniger wenn man die ganze Verwaltung mit rein nimmt... Aber jeder 4. oder 5. kommt wahrscheinlich hin.) Wo kriegt man die her? Wo kriegt man die Treiber für die Hardware her? Selbst schreiben? Wer macht das?
Dann kommen noch Sachen wie Schulungen etc. dazu und dann wird es einfach verdammt unwahrscheinlich das München weniger bezahlt als zuvor. Einige andere Städte haben schon nen ziemlichen Hals auf München, weil sie sich auf Grund der Linux-Umstellung rühmen, dabei aber scheinbar ihre Zahlen gewaltig schönen.
Ideologisch, und besonders nach der ganzen Snowden Affäre ist der Schritt zu begrüßen. Öffentliche Einrichtungen benutzen öffentliche Software. Das klingt erst einmal sinnig. Finanziell wird es sich aber kaum gelohnt haben. Es sei denn weitere Städte ziehen nach und man erreicht ein gewissen scaling Effekt... Aber hey, es lebe der Föderalismus!
