Soooo, ich war heute mit meinem Dad bei der Dynaudio vorführung in Hassfurt bei HiFi Schlegelmilch, einem SEHR gut sortierten Euronics Markt mit wahnsinniger Auswahl und 2 Studios.
Vorneweg noch gleich: Ich beschreibe den Klang nach bestem Wissen und hab auch schon einiges an High-End LS gehört, unter anderem Tidal Sunray, Tidal Agoria, B&W 800D, KEF Blade, Canton Reference 1.2, etc. Ich gehe aber bei meinen Beschreibungen von meinem Alltagsequipment aus, das sind ein Superlux HD668-B, ein Meelec A151 und ein Altes Paar Grundig Monitore an nem Onkyo A8250. Keine Oberklasse, aber ganz solide. Die meisten der Aufnahmen kannte ich vorher auch nicht
Die haben die ganze B&W CM Linie, die 800D und 802D, fast das komplette Dynaudio Sortiment, Accuphase, T&A (Elektronik UND Lautsprecher) Canton (von GLE bis Reference), Naim (auch die Lautsprecher), Rotel, NAD, Marantz und noch VIEL mehr da. Auch an Kopfhörern sind die SEHR gut ausgestattet, alle HiFimänner ab dem HE 500 und deren Elektronik, HD700, HD800 und die Verstärker dazu und auch viele kleinere.
Erst wurde ich sehr herzlich begrüßt, es gab Kuchen und Getränke und man konnte sich mit den anderen interessierten schön Unterhalten. Dann wurden wir rein gebeten, es gab 9 Sitzplätze, ich saß vorne links, war aber trotzdem fast mittig, die Lautsprecher waren gut aufstellt und reicht weit auseinander, der Raum war ungefähr 30m² groß.
Die Kette bestand aus einer Accuphase DP 800/ DC 801 Laufwerk/Wandler-Kombi, das Laufwerk hing per Koax am Wandler, der ging per XLR in die C 3800 und die hat die Musik dann natürlichh symmetrisch an zwei Accu A200 Monos gegeben. Höchste Referenz also, verkabelt war das ganze mit der teuersten Kabelserie von Kimber. Das ganze stand auf einem Creaktiv-Rack, welches Modell das war: keine Ahnung
Zu den Lautsprechern: Die Evidence Platinum ist riesig, aber sehr schlank. Und sie wirkt einfach umwerfend, vor so viel Eleganz möchte man sich fast verneigen
Erst mal gab es von Roland Hoffmann, Produktmanager von Dynaudio Deutschland, eine kleine Einführung in das Unternehmen. Er hat einiges zu Dynaudios Klangphilosophie, den in den Lautsprechern verbauten Techniken und vor allem zum Raum und der wichtigkeit einer korrekten Positionierung gesagt, dann hat er noch einen der Tieftöner die in der Evidence stecken herumgereicht. Sehr imposant, denn der Tieftöner ist recht klein, hat aber eine ziemlich dicke Schwingspule und einen sehr soliden Korb. Sowas mal in der Hand haben zu können ist toll
Dann kam er auch gleich zur Musik:
Zuerst wurde eine Blues-Akkustikversion von "Wake me up before you go go" gespielt, gesungen von ner Sängerin mit sehr schöner Stimme, ihr Name ist mir leider entfallen. Beleitet wurde sie von einem Bass, allerdings fand ich die Version des Songs grässlich, das passt einfach nicht. Der reine Klang war aber sehr schön. Besonders das geklopfe auf dem Bass war interessant, Herr Hoffmann meinte man könnte erst auf ner hochwertigen Anlage überhaupt ausmachen dass es Geklopfe ist und nicht andere Geräusche, wie z.B. das Herunterfallen vom Bogen. Ob das stimmt kann ich nicht beurteilen, hab die Aufnahme das erste mal gehört und finde sie auch nicht im Netz...
Der zweite Song war "Evil Dub" von DJ Trentemoeller. Ich liebe die Effekte die da genutzt werden, aber so extrem Räumlich habe ich sie noch NIE gehört! Und den Song hab ich schon mal an nem Paar Canton Reference 1.2 gehört, aber die Dynaudio ist da ne ganz andere Liga. Es ist, als ob die Funken wirklich durch den Raum fliegen würden, als würden kleine Blitze zwischen den Lautsprechern zucken und als würden wirklich Tropfen auf den Boden platschen. Wahnsinn! Die Canton war dagegen eher zurückhaltend und hat den Bass leider viel zu stark betont, den konnte man bei der Evidence gut wahrnehmen, aber er hat sich nie in den Vordergrund gedrängt.
Am meisten beeindruckt aber wie schon gesagt die irre Räumlichkeit und die Staffelung der Effekte, mir ist fast die Kinnlade runtergefallen
Danach wurde es wieder etwas ruhiger, gespielt wurde "A hard day's night", gesungen von Goldie Hawn. Der Song hatte sehr viel Charme, da die gute Frau Hawn ihn mit wunderbar viel Gefühl und Swing in der Stimme rüberbringt. Das Orchester war sehr sauber gestaffelt, die Stimme klang sehr sauber , allerdings hat bei den Stimmen irgendwie jedes Mal (egal welcher Track) der letze Tick Griff, Weite und Fülle gefehlt.
Es ging ruhig weiter, Herr Hoffmann legte "Perfect Day" von Lou Reed auf. Erst in der originalen Version (ca. eine Minute), danach in einer frühen Studioversion, als es noch "Summer's Day" hieß. Man hat sofort gemerkt dass die Aufnahme ziemlich schlecht war, Herr Hoffmann meinte ein sehr guter Lautsprecher zeige sowas natürlich auf, es würde aber trotzdem gut klingen und man kann in den Song reinkommen. Fand ich seltsam, mir kam es nicht so vor, aber Musik ist ja sehr subjektiv.
Die Aufnahme klang auf jeden Fall schon direkt nach einer frühen Übung, die Saiten wurden viel zu schrf angespielt und auch ein oder zweimal bei hoher Spannung losgelassen, das hat unschön geknallt. Die Stimme war nicht sehr sauber. Allerdings wurde dieses gesamte, unsaubere und scharfe Klangbild von der Evidence sehr gut wiedergegeben, es klang wirklich als ob der gute Lou im Raum sitzt und an seinem Song übt.
Darauf wurde dann Skyfall gespielt, als intrumentale Version. Das war wunderbar, ich hab Gänsehaut bekommen als das Orchester aufspielte.

Da ist mir dann auch der extreme Raum den die Evidence erzeugt aufgefallen. Es ist als wäre der Raum erst 10m hinter der Wand zu Ende. Das trägt extrem gut zum Flair des Orchesters bei. Man konnte wunderbar jedes Detail des Songs raushören und auch die Anspielungen auf andere Themen aus den 007-Filmen erkennen. Ich kann sie zwar nicht zuordnen, aber man wird sie auf jeden Fall als Bond-Fan hören und sich denken "Das kenne ich".
Danach wurde es wieder etwas ruhiger, es wurde eine Live-Aufnahme von Harry Belafonte's "Mama Look a Boo-Boo" gespielt. Mein erster Eindruck war etwas skeptisch, die Räumlichkeit war zwar da, aber die Bühne war dieses Mal recht schnell zu Ende, liegt wohl an der Aufnahme. Der Charaker war schön, warm und humorvoll, weil auch der Dirigent und ein kleiner Chor mitsingen, Belafonte musste oft lachen als diese aufgehört hatten zu singen^^
Der vorletzte Song war von Kraftwerk "Die Roboter". Ich kannte den Song vorher nicht und finde ihn jetzt auch nicht so toll, aber rein klanglich waren die Effekte wie bei Trentemoeller ziemlich beeinduckend, jedoch merkt man da schon dass sich weniger Mühe beim abmischen gegeben wurde, es fehlte die extreme Bühne die die Evidence erzeugen könnte.
Zuletzt wurde Rimsky-Korsakov's "Dance of the Tumblers" gespielt. Da hat die Evidence nochmal alles aus der Aufnahme geholt und eine für mich beinahe perfekte Bühne aufgebaut (nur die der Tidal fand ich besser). In Staffelung, Details und Dynamik war der Lautsprecher extrem beeindruckend, was da an Klanggewitter auf einen zukam hat mich umgehaun. Ich konnte exakt hören wo welches Instrument saß und auch recht gut abschätzen wie viele Streicher, Trompeten, etc. grade spielten
Mein Fazit: Dei Evidence ist ein extrem guter Lausprecher, schlank und groß, extrem hochwertig. Der Klangcharakter ist neutral und authentisch, nicht absolut kühl, aber auch nicht viel geschönt, einfach sehr Musikalisch und ausgewogen. Sie kann viel und druckvollen, vor allem aber sehr schnellen Bass erzeugen, der aber nicht in den Vordergrund sticht. Der Detailreichtum ist faszinierend und das beeindruckendsde ist die durchgezogene und sehr räumliche Bühne, besonders in der Tiefe. Allerdings fehlt bei Stimmen etwas der Griff und Fülle, die waren etwas zu flach für so einen Top-Lautsprecher.
Ob sie die 64.000€ wert ist sei mal dahingestellt, bei High-End ist der Preis mMn immer ziemlich hoch für das gebotene, je teurer desto schlechter wird das P/L, aber wer es sich leisten kann wird SEHR glücklich damit werden. An einer anderen Kette wurde die Evidence Platinum nicht vorgeführt, mir wurde aber von Herrn Hoffmann gesagt dass die Platinum sehr guter Elektronik möchte und davon stark profitiert. Da das schon bei der Confidence auftritt und auch diese schon von einm Upgrade von nem Accuphase E 406 über C 2400 mit P-450 und schließlich C 3800 mit M2000 extrem profitiert und jede Veränderung zeigt (wie Frank Armbruster in seinem Blog schreibt und dem Mann vertaue ich, der weiß von was er schreibt) wird das wohl bei der Evidence erst recht so sein.
Extrem Leistungshungrig ist sie scheinbar nicht, die A200er haben max. 190 Watt aufgefahren (beim letzten Stück in den Crescendi).
Ich hoffe mal ich konnte den Eindruck der Evidence gut einfangen, mir hat es viel Spaß gemacht sie zu hören.
Es gab am Ende noch ne CD mit 3 Songs: Von Blues Company "The River", von Natasha "Tell me what you're gonna do" und von Xiomara "La Llave". Klingt alles echt gut, mal zwischendurch sehr entspannend
P.S.: Ich konnte mich danach auch noch schön 15 Minuten mit Herrn Hoffmann unterhalten und er konnte mir gute Tipps geben was ich denn am besten kaufe. Wenn ich mich gegen den HD800 und für ein Paar Lautsorecher entscheide könnte es auch gut ne Dynaudio Excite werden
