AW: Sinkendes Vertrauen in Sicherheitskräfte
Ein Teil der Gewalt gegen Autoritäten basiert gerade darauf, das das Vertrauen in dieselben fehlt. Wenn Polizisten nicht mehr als Freund und Helfer wahrgenommen werden können, was sind sie dann noch? Eine x-beliebige Fraktion, nur eben mit mehr Macht als andere. Bullies in Uniform, denen man - je nach eigener Mentalität - nur aus dem Wege gehen oder mit denen man die Konfrontation suchen kann.
Das ist aber kein reines Henne-Ei-Problem. Manche Leute sind auch einfach nur Idioten und deren Verhalten sorgt für nachvollziehbaren Frust bei der Polizei. Und der entlädt sich eben auch manchmal in unprofessionellem Vorgehen. Dieses sorgt wiederum für Frust beim Bürger, dieser für weiteres Fehlverhalten gegenüber Sicherheitskräften. Und die Eskalationsspirale dreht sich fröhlich weiter.
In diesem Thema geht es um Vertrauen. Und ja, das ist keine Einbahnstraße. Auch weite Teile der Sicherheitskräfte vertrauen dem Bürger nicht mehr und verhalten sich entsprechend.
ABER: Sicherheitskräfte haben aufgrund ihrer Entscheidung für diesen Beruf, aufgrund ihrer Ausbildung und aufgrund ihrer größeren Machtbefugnisse einschließlich des Gewaltmonopols eine deutlich größere Bringschuld.
Wenn sich Zivilisten daneben benehmen, wird ermittelt, sie werden eingesammelt, erkennungsdienstlich behandelt und verurteilt - so, wie es sich gehört.
Das Fehlverhalten von Sicherheitskräften wird jedoch nur selten in dem Umfang verfolgt und geahndet, die ihrer besonderen Verantwortung und damit der besonderen Schwere der Pflichtverletzung angemessen wäre. Da wiederum senkt nicht nur das Vertrauen, sondern sorgt bei unsichereren Kandidaten in Uniform auch gerne mal für das Gefühl, damit durchkommen zu können.
Das demontiert aber jeglichen Anstand. Denn wenn Sicherheitskräfte ihren Frust am Bürger auslassen, denkt sich so Mancher natürlich, es sei nur fair, wenn man seinen Frust an den Sicherheitskräften ausließe. Es gibt ja kein Hürde mehr. Wenn man ohnehin wegen Kleinigkeiten oder auch mal wegen nichts oder sogar wegen der Wahrnehmung seiner verfassungsmäßigen Rechte drangsaliert und zusammengenüppelt werden kann, kann man den Stunk auch nach eigenen Regeln beginnen - so die sich ausbreitende Sichtweise.