Ich sehe schon Mahoy,
unsere Meinungen, Bewertungen und Wertesysteme liegen ganz weit auseinandern. Das erklärt mir, warum Du meine Meinung für zusammenhangslos ansiehst.
In Deutschland ist die Chance, Gewalt durch Polizisten zu erfahren, verschwindend gering. Den 36.000 schweren Körperverletzungen pro Jahr stehen - meinetwegen gerne auf die Gruppengröße umgerechnet und mit inoffiziellen Zahlen gearbeitet - wie viele Fälle von ungerechtfertigter Polizeigewalt pro Jahr entgegen?
Ich finde 12000 Fälle alles andere als harmlos. Vermutlich kennst Du diese Zahlen nicht. 2000 Fälle sind es offiziell, man geht nach intensiver Analyse von zusätzlichen fünf nicht angezeigten Fällen pro angezeigtem aus. Das ist von den 36.000 Anzeigen wegen schwerer Körperverletzung gar nicht mehr so weit weg. Insbesondere wenn man die Gruppe alle Menschen mit Polizisten ins Verhältnis setzt, sieht das katastrophal aus. Natürlich darf man das so nicht machen, weil die Lebenssituationen anders sind. Außerdem ging es um den hypothetischen Fall, dass Dich das Thema scheinbar erst interessieren würde, wenn es absolut mehr Polizeigewalt als sonstige gibt. Und diese Einstellung erschließt sich mir nicht.
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Wenn man verdroschen wird, wird man verdroschen. Das Ergebnis ändert sich dadurch, ob das durch Beamte oder durch Privatpersonen geschieht. In beiden Fällen hat man anschließend Aua und es fand ein Rechtsbruch statt. ..
Hier stimme ich z.B. mit Dir überhaupt nicht überein. Sollten wir uns zufällig und unbekannterweise auf der Straße treffen und Du der Meinung seien, mir mal so richtig die Schnauze zu pollieren, dann würdest Du nach vierzig Jahren Karatetraining meinseits vermutlich dein blaues Wunder erleben. Wärst Du ein Polizist und ich würde mich wehren, hätte ich ein echtes Problem. Es ist keineswegs das Gleiche, ob sich zwei Deppen schlagen, oder einer der Deppen ein Polizist ist. Gewaltmonopol und so. Das macht einen ganz gravierenden Unterschied.
Und gerade, weil diese Art Gewalt von Polizisten in der Regel nicht sanktioniert wird, empfindet es der Geschädigte als staatliche Gewalt, weil er nicht einmal die Chance hat, vor Gericht zu seinem Recht zu kommen. Bei uns beiden würde es Ausage gegen Aussage sein, die Aussage eines Polizisten wiegt vor Gericht aber merklich höher und er unterliegt immer der Unschuldsvermutung. Genau das ist das Problem mit prügelnden Polizisten. Sie können sich sicher sein, nicht bestraft zu werden.
Verstehst Du diese Ansicht von mir wirklich nicht? Es geht nicht um das "Aua", es geht um den Vertrauensverlust gegenüber einer unserer wichtigsten Institution.
Aus dem gleichen Grund, warum du Bekannte, Kollegen und Freunde nicht verpetzt, auch wenn du mit ihrem Handeln gerade mal nicht einverstanden bist.
Auch an diesem Punkte liegen unsere Meinungen und unser Verhalten weit auseinander. Zum einen finde ich die Verharmlosung, wenn ein Polizist eine schwere Straftat und schwere Körperverletzung begeht mit den Worten
"nicht einverstanden sein" arg zynisch. Also ein paar Beispiele von schlimm zu harmloser, und dann kannst Du ja mal schauen, wo Deine Grenze des "Verpetzens" ist.
- Dein Bekannter Nachbar vergewaltigt Dein Kind. Ist ja nicht so schlimm, oder, da kann man ja mal wegschauen, ist Dein Nachbar, und ganz sicher hat Dein Kind etwas falsch gemacht. Man will ja nicht zum Denunziant werden, oder? Wie ich reagieren würde, ist vermutlich klar. Aber ja, ich bin ein Denunziant.
- Ein Freund von Dir erzählt Dir, dass er einen Mord begangen hat. Hörst Du ihm dann in Ruhe zu und gibst ihm Tipps, wie man die Tat verschleiert oder rätes Du ihm, wie ich es machen würde, sich der Polizei zu stellen, denn ansonsten würde ich ihn verdächtigen. Aber ich weiß, dann wäre ich der bitterböse Denunziant
- Ein Familienmitglied erzählt Dir von seiner genialen Steuerhinterziehung. Ich ahne jetzt, Du hörst dann interessiert zu und kommst, Du bist ja kein Denunziant, niemals auf die Idee, dieses Verhalten zu kritisieren oder gar damit zu drohen, ihn anzuzeigen. Ich mache das. Steuerhinterziehung ist kein Spaß und es ist Betrug an der Allgemeinheit, genau wie Diebstahl. Das weiß meine Familie, keine Ahnung, ob sie das machen, sagen sollten sie es mir tunlichst nicht. Sie wissen, was dann passiert.
- Du siehst einen Freund, wie er bei Deinem Nachbar stiehlt. Hey Du, ist Dein Freund, da schaut man doch mal weg. Ich würde ihm eine Woche Zeit geben, die Sachen zurück zu bringen, ansonsten erfolgt eine Anzeige. Aber ich weiß, ich bin ein jämmerlicher Denunziant
- Ein Bekannter zeigt Dir sein Haus, und als er beim Stromzähler ankommt die geniale Abzweigung vor dem Zähler, mit der er seinen Pool ohne Kosten heizt. Ich ahne, wie Du reagiert, ich sage ihm,
"Alter, Du hast jetzt eine Woche Zeit um das zurückzurüsten, wenn Du das nicht gemacht hast, erfolgt eine Anzeige". Das ist übrigens real so passiert. Wir sind immer noch Freunde und seine Frau hat sich bei mir bedankt, weil sie seit Jahren Angst hat, dass es entdeckt wird. Und dann wäre es teuer.
Ich stehe mit beiden Füßen auf unserer Verfassung und in meinem Freundeskreis begeht niemand eine Straftat. Halt, doch, falsch, das machen die Leute, aber wenn sie sich damit vor mir brüsken, wie z.B. die ganzen Freunde meiner Jugend, die ihre gestürzten Motorräder als geklaut an die Versicherung verkauften, dann haben die ein Problem. Solche Menschen sind keine Freunde, das können sie gar nicht sein. Wie sollte ich diesen Mitbürgern jemals wieder trauen. Es sind Diebe und Diebe kommen mir nicht in mein Haus. Wie der Freund einer Freundin, der unbedingt sein Fahrrad mit in meine Wohnung nehmen wollte. Er sagte dann, dass Fahrrad ist geklaut. Ich hol mir doch kein Diebesgut in meine Wohnung, der ist rausgeflogen. Aber ganz schnell.
Ich denke, wir sind uns einig darin, dass *jeder* Vorfall einer zu viel ist.
Da sind wir uns in der Tat einig. Immerhin eine Basis für eine Diskussion.
Prost!