Du hast nicht verstanden worauf ich hinaus will: Man verlässt nicht frühs das Haus unter der Prämise, allzeit bereit zu sein zu töten und getötet zu werden.
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Aber das ist doch der Punkt. Ich bin nicht Montags aufgestanden und hatte Angst getötet zu werden, im Einsatz dagegen kann das, je nach Einsatzgebiet, durchaus eine Möglichkeit sein wie der Tag endet. Das sind einfach die Bedingungen unter denen der Beruf Soldat ausgeübt wird.
Lies mal "War" von Sebastian Junger, ein befremdlicher, weil ehrlicher Einblick auf das was ein Einsatz so alles bedeuten kann. Keiner hat Bock drauf angesprengt zu werden, trotzdem fährt man aus dem Lager raus in dem Wissen, dass es passieren kann. Und für einige nicht nachvollziehbar: Es gibt Menschen, die sich über diese Härten definieren, diesen zu trotzdem, das auszuhalten bedeutet für einige Wenige ein Merkmal von Stärke und Resilienz das andere Personen - auch innerhalb der Streitkräfte - nicht vorweisen.
Und Wirkung geht nun mal vor Deckung, das ist sogar so ein wichtiger Grundsatz des Feuerkampfs, dass selbst die Luftwaffe danach handelt. Sinngemäß steht dieser Merksatz auch für das eigene Handeln bei der Abwägung seiner Möglichkeiten. Soldaten haben Auftrag, dieser ist zu erfüllen, das ist sehr oft gefährlich. Aber Wirkung geht nun mal vor Deckung, deswegen fährt man nicht beim ersten Anzeichen von Gegenwind nach Hause.
Keiner meiner Kameraden hatte Bock verwundet oder getötet zu werden, oder zu töten.
Aber, keiner meiner Kameraden hat gekniffen als es in die Einsätze ging und das summiert für mich das alles auf, was es bedeutet sich für den Soldatenberuf entschieden zu haben.
Das man nun freiwillig, offen, in ein Maschinengewehr rennen soll, gehört eher nicht dazu.
Es gibt da ne Anekdote von Rommel. Er steckt in Afrika im Gefecht, Vormarsch gestoppt. Ohne Steilfeuer gehts nicht weiter, aber um das zu dirigieren muss jemand den Kopf rausstrecken und das ist bei dem Bleigehalt der Luft nicht ohne. Rommel, angeblich in seinem Württembergischen Dialekt, geht aus der Deckung, sieht was er sehen muss, ist zurück im Graben bevor er getroffen wird, fordert Steilfeuer an, dieses zeigt Wirkung, der Vormarsch geht weiter.
Es geht nicht darum freiwillig in MG Feuer zu rennen um zu sterben.
Es geht darum freiwillig in MG Feuer zu rennen damit der MG Schütze ein Ziel hat während der Rest flankiert / die Panzerfaust bereit macht.
Es geht nicht darum den Heldentod zu sterben, aber es geht darum, dass es Situationen geben kann, in denen jemand seinen Arsch riskieren muss, oder die ganze Einheit stirbt. Das mag für manche nach Glorifizierung des Fallens in der Schlacht klingen (ist es nicht, das ist einfach nur dumm), aber es ist die Essenz dessen was Gefechte ausmacht.
Wenn jeder nur daran denkt, was das Beste für Ihn ist, dann hat die Einheit eine sehr hohe Chance aufgerieben zu werden. Wenn jeder nur daran denkt was das Beste für die Einheit ist, dann ist man in deutlich höherem Maße erfolgreich.
Wie die Britische Werbung. Soldaten rennen durch die Wüste, kommen an ne Schlucht, Brücke ist kaputt.
Dann wird die Schrift eingeblendet: Wenn du nur darüber nachdenkst wie DU über diese Schlucht kommst, dann bist du bei uns falsch. Mehr Kombination aus Cringe & Wahrheit hab ich bislang nicht nochmal gesehen.
Es bedarf ohnehin einer ganz eigenen Geisteshaltung, auf Befehl in Kriege zu ziehen, sich töten zu lassen und andere zu töten.
Kommt drauf an.
Post 9/11 hatten jede Menge Amerikaner eine solide Motivation sich freiwillig für die Streitkräfte zu melden, 1945 war das bei der deutschen Bevölkerung ein klein wenig anders. In der Bundeswehr ist es nach meinem Ermessen bei vielen eher so, dass die Vorteile die Nachteile überwiegen. Ausbildung, Bezahlung, "Boni" für Einsätze, BfD - das alles können gewichtige Gründe sein um bei der BW anzuheuern, dazu kommt, bei weitem nicht alle Soldaten die überhaupt im Einsatz waren haben auch nur im Ansatz sowas wie ein Gefecht erlebt.
Man denke immer an folgende Weisheit: Krieg ist nur vorne scheiße, hinten gehts.
Und es gibt ein sehr sehr großes "hinten" voller überzeugter Soldaten, die zwar gerne von vorne träumen, aber jede Gelegenheit nutzen um hinten bleiben zu dürfen. Es gibt nicht "den einen Grund" zur BW zu gehen. Z.b. kann die wirtschaftliche Situation im Osten Motivation genug sein für junge Männer zur BW zu gehen.
Ich würd das so nicht unterschreiben wie hier die BW dargestellt wird.
Auch was Poulton über die Truppe und die Uni sagt ist so nicht wirklich richtig. An der Uni gibts, je nach Jahrgang, sehr wenig Kontrolle v.a. wenn die interne Hygiene nicht funktioniert. Wenn dann einige wenige z.b. leicht rechte Parolen einbringen wird das erstmal toleriert, ggf. entwickelt sich das und verbreitet und festigt sich. Es sind nicht immer die biersaufenden Feldwebel die nach dem Dienst zusammen Onkelz hören die für rechten Dreck in Uniform verantwortlich sind und grade an der Uni hat man Schmelztiegel aller Truppengattungen und aller Bundesländer.
Selbst erlebt, dass Offiziere darüber hinweggesehen haben wenn andere Offz braune Bemerkungen abgesondert haben, aber bei Mannschaften / Unteroffizieren eingegriffen haben.
Grade an den beiden Unis ist Haltung extrem wichtig, eben weil es hier sehr einfach ist in der Masse zu schwimmen, keine Verantwortung übernehmen zu müssen (außer für sich selbst) und man mit Fresse halten super durchs Studium kommt.