Ich glaube, wir reden aneinander vorbei. Ich meine, dass mich die Umsetzung mit der zeitlichen Bedenkzeit bei "Witcher 2" sehr nervt, da es nicht nur schlecht angekündigt, sondern auch sehr knapp bemessen ist.
Es ist in beiden Spielen schlecht umgesetzt. Hat mir in Witcher 2 schon nicht gefallen und in Witcher 3 noch weniger.
Das mit dem Mainstream ist natürlich des einen Fluch, des anderen Segen.
Ich würde argumentieren, dass es jedermanns Fluch ist. Nur merkt das nicht jeder sofort. Das Problem mit Mainstream ist, dass es praktisch per Definition vieles macht, aber nichts "richtig". Es bietet möglichst für alle Geschmäcker etwas, bleibt aber mehr oder weniger immer oberflächlich dabei und wird nie wirklich komplex. Der Gipfel dieser Mainstream-Formel scheint nun mal das Open World Spiel ala Ubisoft oder Bethesda zu sein. Seichtes, zugängliches Gameplay, viel "Umfang", viele Aktivitäten und Aufgaben, eine Menge zu Looten und zu Sammeln, ein bisschen Story, viel Erkundung und natürlich eine geile Technik und schon hat man was, was irgendwie jedem Spieler gefällt, auch wenn die einzelnen Systeme bzw. Elemente an sich häufig wenig Tiefe, Komplexität oder gar Exzellenz aufweisen. DAS ist die Essenz eines Mainstreamgames. Es hat keinen Fokus, keine klar umrissene Zielgruppe, keine klare Vision. Es will einfach nur möglichst viele Leute ansprechen und damit natürlich viele Kopien absetzen, um die Investitionen in den Umfang und die gute Technik zu refinanzieren. Das ist das komplette Gegenteil zu Spielen mit klarem Fokus, die nicht alles machen, dafür aber manche Dinge "richtig" und mit mehr Tiefe und Komplexität. Ich finde es schade, dass scheinbar heute jedes Spiel jedem gefallen muss. Das ist doch Irrsinn, wenn man mal drüber nachdenkt. Ich habe lieber 5 Spiele, die mir persönlich überhaupt nicht gefallen, wenn ich dafür 5 Spiele bekommen kann, die "für mich" bzw. meinen Spielertyp gemacht sind, als 10 Spiele, die mir alle so ein bisschen gefallen, aber nie so richtig (und immer Elemente aufweisen, die mich nicht so wahnsinnig ansprechen oder die mich nerven). Wenn die Spieleindustrie etwas braucht, dann ist das wieder mehr Fokus und Konzentration auf eine klare Vision und eben weniger Mainstreamorientierung und das ist letztlich ein Segen für jedermann, einfach deshalb, weil ich niemanden kenne, der "alles" mag. Wir alle haben unsere Präferenzen und Wünsche und wir sollten Spiele fordern, die auf unsere Präferenzen zugeschnitten sind, auch wenn das bedeutet, dass es Spiele gibt, die wir gar nicht mögen. Und genau das ist es, was mit dieser Vermainstreamisierung nicht gemacht wird. Ansonsten bekommen wir nur noch Spiele, die nicht wirklich schlecht sind und die wir auch irgendwie spielen wollen, die aber gleichzeitig auch nicht wirklich überragend sind und uns ständig mit dem Gedanken konfrontieren, dass man es an der ein oder anderen Stelle viel besser hätte machen können...
Wenn dir Witcher 3 mehr zusagt als die alten Teile, wird das seine Gründe haben. Vielleicht magst du Erkundung sehr (spekulativ, ich weiß) und das ist ja auch legitim. Deshalb bist du kein "Mainstreamgamer" (sowas gibt es gar nicht), du magst einfach nur Erkundung und deshalb spricht dich Witcher 3 mehr an. Witcher 3 ist aber auch kein reines Erkundungsspiel, sondern eben typischer Mainstream. D.h. die größere Erkundung wurde einfach auf die bestehende Formel draufgeklatscht und hat automatisch die bestehenden Elemente beeinflusst und letztlich in ihrer Komplexität reduziert. Das ist der Mainstreamvorgang, den ich oben beschrieben habe und der letztlich niemandem wirklich hilft - außer eben den Publishern/Entwicklern, die somit mehr Kopien verkaufen können...