AW: Rußlands Atombomben kommen mit 27-facher Schallgeschwindigkeit
Ich habe mit 30 Knoten Marschgeschwindigkeit gerechnet, weil ich das Beschleunigungsvermögen nicht kenne. Im Falle eines erwarteten nuklearen Angriffs dürfte aber jede Einheit das Ausweichmanöver mit maximaler Leistung fahren und da die Versorger meist das langsamste sind, wären 40 kn und damit eine noch ungünstigere Geschwindigkeit für die Primärziele wohl der bessere Wert gewesen.
40 Knoten schaffen die meisten Schiffe gar nicht und die Beschleunigung ist um so schlechter, je größer das Schiff ist. Wendige Zerstörer und U-Boot-Jäger sind dafür ausgelegt, schnell die Position zu wechseln (um sich in günstige Abschussposition für eigene Waffen zu bringen bzw. die Zielplanung vergleichsweise langsamer Waffen wie Torpedos zu verwirren), aber selbst diese brauchen eine Weile, um auf Maximalgeschwindigkeit zu kommen.
Es werden auch - zumindest laut keiner mir bekannten Doktrin - grundsätzlich Schlangenlinien gefahren. Die Abweichung vom Kurs ist viel zu gering, um wirklich etwas zu bringen und man verschwendet nur Treibstoff und vor allem wertvolle Zeit auf dem Weg ins eigene Zielgebiet. Was man machen kann: Die Route von vornherein so wählen, dass man außer Reichweite des Gegners bleibt oder doch zumindest so, dass dieser mehr Treibstoff benötigt, wodurch die Waffentraglast verringert wird.
Davonfahren und/oder Verstecken ist auf See nicht möglich. Verbände sind bestrebt, mit ihren Fliegern und Anti-Sub-Einheiten einem möglichst weiten und dichten Sicherheitsbereich um sich zu schaffen, aus dem kein Abwurf möglich ist, ohne sofort selbst zum Ziel zu werden. Wer zuerst sichtet, schießt zuerst und wer zuerst schießt, hat die deutlich besseren Karten.
Wenn Bomber Seezielflugkörper abschießen, sind sie sich absolut im Klaren darüber, in welchem Gebiet sich der feindliche Verband befindet. Da sie allerdings bestimmte Objekte treffen wollen, ist die aktuelle Formation und Ausrichtung des Zielverbandes interessant - dafür braucht man aktuelle Zielaufklärung und Zielaufklärer leben gefährlich. Aber so gewonnene Daten verringern die Flugzeit der Rakete und damit das Zeitfenster, in der sie angefangen werden kann. Sie muss auch viel weniger peilen, um ihr Ziel zu finden.
Ihre Reichweite müssen Raketen zwar nicht ausnutzen, Feststoffraketen müssen aber ihre Leistung ausreizen und bei ICBMs (von denen hier immer noch die Rede ist),
Ist es das? Wir reden von Awangard, dessen maximale Reichweite mit 4000 Kilometern angegeben ist. Als ICBM gelten Waffen mit Reichweiten über 5500 Kilometern.
Dass das Trägersystem mit dem russischer Interkontinalraketen identisch ist, also durchaus weiter kommen dürfte, steht außer Frage. Da muss man zwischen den Zeilen lesen: Warum wird die Reichweite niedriger angegeben, wenn man damit nicht - sagen wir mal - andeuten wollte, wie gut das Ganze über unterschiedliche Reichweiten skaliert? Das Ganze steht uns fällt doch mit der Wahl der Trägerrakete, das grundlegende Prinzip dahinter bleibt dasselbe.
die keine Marschphase mit verringerter Geschwindigkeit kennen, beinhaltet das auch die maximale Energie. Eine deutlich kürzere Zielreichweite geht also nur durch eine deutlich steilere, im Endeffekt aber ähnlich lange und ähnlich lange dauernde Flugbahn.
Das ist so nicht korrekt. Der höchste erforderliche Punkt der Flugbahn wird ebenfalls durch die Entfernung zum Ziel definiert. Wenn man keine Ozeane oder Kontinente überwinden will, kann man die Parabel flacher halten. Zwar verliert man dadurch einen guten Teil der unterstützenden Fallbeschleunigung, aber man spart die Zeit für den Aufstieg. Und wie du selbst schreibst: Feststoff-Booster haben keine Anlaufphase. Das Teil brät schnell hoch, muss nicht sehr hoch und kommt immer noch verdammt schnell wieder runter.
Wie lange die gegnerischen Satelliten brauchen, um das Zielgebiet einzugrenzen, wäre aber in der Tat eine Frage - den Abschussblitz einer ICBM zu erkennen ist einfach, sie selbst zu tracken könnte Radar erfordern und die geordnete Vorwarnzeit deutlich reduzieren. Allerdings würde ich bei Einheiten, deren Verteidigung einzig aus Beweglichkeit besteht und keinerlei Tarnung beinhaltet, immer ein Ausweichmanöver fahren, sobald sie auch nur im richtigen Quadranten liegen. Ein Flugzeugträger unter Kriegsbedingungen schlägt eh regelmäßig Haken, einen davon vorzuverlegen hat in den meisten Fällen keinen Nachteil und wäre in so einem Fall eine naheliegende Sicherheitsmaßnahme.
Wie schon geschrieben, du gehst von falschen Voraussetzungen aus. Niemand schlägt Haken, weil das nur Zeit kostet und im dümmsten Fall die eigene Zielerfassung zur Abwehr stark erschwert, während es der gegnerischen Zielerfassung herzlich schnurz ist, ob ein Schiff ein wenig vom berechneten Kurs abweicht. Ganz zu schweigen davon, dass insbesondere weitläufige Manöver auch abgestimmt sein müssen, damit der Verband sie synchron vollzieht (was übrigens wieder schnellere Schiffe ausbremst), da er sonst auseinander gerissen wird und die Raketenbegleitschutz es noch schwerer hat, den Verband zu schützen. Herde, Schäfer und Hund müssen zusammenbleiben, sonst haben es die Wölfe leicht.
Grundsätzlich sollten wir aber vielleicht die Szenarien abklären, von denen wir hier jeweils überhaupt sprechen - ich habe nämlich das Gefühl, in unseren Köpfen laufen unterschiedliche Filme ab.
Es ist klar sinnlos, mit taktisch bestückten Hyperschallwaffen einen feindlichen Verband oder Stützpunkt irgendwo auf dem Globus anzugreifen, nur weil er dort zufällig in Reichweite wäre.
Alle Szenarien, die ich für Verbände zur See kenne - und das sind nicht wenige, obwohl ich gar nicht bei den Marinierten war - gehen von einem offensiv gehandhabten Verteidigungsfall aus. Sprich, man lässt feindliche Verbände so dicht herankommen, wie es gerade noch geht, bevor sie mit ihrer ganzen Offensivleistung auf einen einschlagen können und nutzt dann den Umstand, dass man zuhause in aller Regel deutlich mehr Material zur Verfügung hat.
Aber warum sollte man nicht, statt Bomber zu riskieren (die man im Kriegsfall lieber offensiv einsetzen und nicht zuhause für die Verteidigung parken möchte) und Unmengen an Raketen zu verpulvern nicht zwei, drei taktische Kernsprengköpfe zum Einsatz bringen? Zur direkten Verteidigung gegen Feinde vor den Toren entfällt das Geschmäckle, dass nuklearen Waffen anhaftet - insbesondere dann, wenn der Verband selbst nuklear bewaffnet ist und schlecht behaupten kann, die wären nur zufällig an Bord. Und am insbesondersten dann, wenn der Feind zufällig die erste und einzige Nation ist, die bereits Kernwaffen gegen zivile Ziele eingesetzt hat.
Ich meinte Maschinen mit 1-2 Nuklearwaffen, vielleicht 2 AAMs zur Selbstverteidigung und ansonsten nur Zusatztanks, die wenige Minuten vorher noch Rand voll waren. Jeden Kommandanten, der so etwas *ständig* in der Luft hat, würde ich allenfalls noch den Quietscheentchenbefehehl in der Badewanne überlassen
Genau wie dem Kommandanten, der solcherart bestückte Maschinen ungeschützt an Deck bereithält, damit gegen ein Dutzend Sicherheitsvorschriften verstößt und Start- und Landekapazität Platz für sinnvoll einsetzbare Maschinen blockiert.
Erschwerend kommt hinzu, dass die Flieger mit relevanter nuklearer Waffenlast ohnehin keinen echten Alarmstart hinbekommen.
Und einmal ganz davon abgesehen, dass jemand, der gerade einen feindlichen Verband nuklear bombardiert hat, garantiert selbst etliche Abfangjäger in der Luft hat - wie hoch schätzt du die Chance ein, dass zwei einsame Rächer mit hoher Traglast und reduzierter konventioneller Bewaffnung, die am Ziel ihres Vergeltungsfluges zu trockene Tanks für aufwändige Umgehungs- und Ausweichmanöver haben, auch nur eine ungefähre Zielpeilung von irgend etwas bekommen, was das Kamikaze-Kommando lohnt?
Nein, ich bleibe dabei: Lenkbare Raketen mit skalierbarer Reichweite, hoher Geschwindigkeit und Traglast sind enorm gefährlich für stationäre oder mäßig mobile Verbände zu Land und zu Wasser. Und klar, dass müssen nicht zwingend Hyperschallwaffen sein. Könnten aber, wenn die Verhältnisse günstig sind.
Darüber, dass das trotzdem alles Irrsinn ist und besser nie erfunden worden wäre, muss man sich nicht streiten - zumindest mit mir nicht und trotz meines Backgrounds. Wenn's nach mir ginge, wären Armeen von überschaubarer Größe und Bewaffnung, würden sich die meiste Zeit langweilen, ab und an mal Sandsäcke bei Überschwemmungen stapeln und im schlimmsten Fall mit robustem Mandat den einen oder anderen Massen- oder Völkermord verhindern.
Für die geistige Verfassung und/oder Zurechnungsfähigkeit der Führer unserer Welt machen wir besser einen separaten Thread auf ...