AW: Noctua NF-A12x25: Lüfterflaggschiff geht für 30 Euro in den Verkauf
Messen kann man ja bekanntlich vieles
Die Frage ist letztlich, wie sich die erhoben Daten in der Praxis widerspiegeln. Auch die verlässlichsten Refernzwerte unter akribisch durchkalkulierten Laborbedingungen mit gleichbleibendem Aufbau und entsprechend teurem, kontinuierlich reklaibriertem Equipment bringen dem Nutzer nichts, wenn die Praxis schließlich ganz andere Arbeitsumgebungen fordert.
Letzteres kann man zwar exemplarisch simulieren. Allerdings legt man sich auch damit wieder auf spezifische Parameter fest, die sich nur bedingt auf andere Szenarien übertragen lassen.
Was sich in der Tabelle rein numerisch ganz oben positioniert, kann sich daheim in den eigenen vier (Gehäuse-)Wänden ganz schnell als Flopp herausstellen.
Ich erinnere allein an den anfänglichen Hype um Noiseblocker's eLoop, die sich in vielen Praxisanwendungen aufgrund ihrer konstruktionsbedingten Unannehmlichkeiten nachher doch disqualifizierten. Gerade in solchen Fällen ist es entscheidend, die
praxisbezogenen Stärken und Schwächen eines Produktes herauszuarbeiten und gegenüber dem Laien klar zu kommunizieren. Der theoretisch beste Lüfter kann sein Potenzial nicht entfalten, wenn ich die
Designentscheidungen des Herstellers und die damit eingegangenen Kompromisse nicht erkenne und respektiere.
Und im Zweifel ist da immer noch die individuelle Psychoakustik, die ein durchrationalisiertes Wertungschema völlig auf den Kopf stellen kann.
Ein Gefühl lässt sich ja nur schwer messen. Da bleibt eigentlich nur Trial and Error im Praxisversuch oder eben die - mal mehr, mal weniger gelungene - Annäherung per Aufnahme und optionaler numerischer Auswertung.
Wie man misst, ist da allerdings genau so schwer zu entscheiden. Mess' ich in der schallminimierten Kammer: nicht praxisnah. Mess' ich im Referenz-Gehäuse: nicht isoliert und nur bedingt übertragbar. Hinzu kommen genau so viele Variablen hinsichtlich Equipment und dessen Ein-/ und Ausrichtung.
Ein nicht weit vom Raumpegel abweichendes Geräusch "objektiv" zu erfassen, ist mit normalsterblichen Mitteln ohnehin nicht möglich. Da scheiterts in der Regel allein am Eigenrauschen der Messkette, welches bei erforderlicher Verstärkung das einzufangende Säuseln des Luftstroms oder Brummen des Motors schnell überdeckt. Hinzu kommen dann die Probleme mit der Montage, Raumakustik und Dynamik (bei steigenden Drehzahlen) bis hin zur Inhomogenität des Frequenzgangs sowie alters- und lagerungsbedingten Klangabweichung der Hardware...
Die Messtechnik ist der reinste Moloch, da kann einfach unfassbar viel schiefgehen.
Selbst wenn hier alle Hürden überwunden werden sollten:
wer garantiert mir, dass die Wiedergabekette am anderen Ende ebenso diesen Qualitätsansprüchen entspricht und die Samples nicht doch heimlich auf Äppel-Stöpseln angehört werden?

Und was bringt mir all der Aufwand, wenn all die bewältigte Komplexität im Nachhinen doch wieder auf eine einzige Ziffer heruntergebrochen werden soll, nur damit sie dann akribisch drei Stellen hinterm Komma dem Nebenmann gegenübergestellt werden kann?
Ich glaub, ich bin da nicht populistisch genug veranlagt, um alle Gemüter auf einen Schlag zu bedienen und keine Illusionen (vom perfekten Produkt) zu zerstören
