Mach doch mal einen Gegenvorschlag. Jeder Entwickler würde sich die Hände nach einer guten und nicht bereits verschlissenen Idee reiben. Wie Du aber bereits selbst thematisiert hast, wurden sämtliche Feindbilder bereits zur Genüge durchgekaut. Nazis, Aliens, Vietnamesen, Russen, Talibanesen (kleiner Scherz). Was bleibt da noch. Eine wildgewordene Schweizer Garde die im Namen des Papstes in die Türkei einfällt um dort Moslems mit Gewalt zum christlichen Glauben zwingen will, wäre vielleicht ne tolle Story für Postal 4 aber ein Shooter der versucht realistisch zu wirken, orientiert sich halt am aktuellen Weltgeschehen und da ändern sich die Feindbilder eben nicht so häufig, als das sie mit der Menge an Shootern konkurrieren könnten.
Was wäre also Dein Vorschlag?
Muß es umbedingt ein realistisches Vorbild haben? Ich mein, daß ist bei irgend so einem 'Modern Battlefighter' ja auch eher Spinnerei... à la russische Taliban überrennen Amerika oder so. Oder hab ich da letztens was in der Zeitung überlesen? Ich finde, man könnte durchaus etwas einfallsreicher sein, von mir aus immer noch mit realistischen Waffen und wenn's umbedingt sein muß auch als blitzsauberer Strahlemann aus der US-Uberhelden-Division, obwohl ich da gern mal drauf verzichten würde.
Einfache Feindbilder sind zu Genüge durchgekaut, stimmt. Warum also nicht mal was komplexeres versuchen? Warum überhaupt ein klares benutzen? In der Hinsicht fand ich z.B. 'Spec-Ops: The Line' sehr intelligent gemacht, da konnte man sich nie sicher sein, wer eigentlich die "üblen Schurken" sind, oder ob man's am Ende nicht vielleicht sogar selbst war. Als Shooter war's der übliche Kram, aber dieses Spiel mit dem unsicheren Feindbild hat mir echt Freude bereitet...
Das ganze könnte man jetzt noch in ein realistisches Setting packen, wie z.B. einen Bürgerkrieg in einer zerfallenen Eurozone, mit dutzenden Fraktionen, alle mit eigenen Motiven, unklaren Allianzen, Intrigen und Verrat, von mir aus auch noch mit von außen manipulierenden Mächten wie China, Russland und den USA, und man hätte ein komplexes, undurchsichtiges und spannendes Setting. Genug Sachen die man in die Luft jagen kann gibt's denke ich auch...
Der Europäische Raum ist auch groß genug, um viele unterschiedliche Umgebungen herzugeben, das würde wahrscheinlich für ein halbes dutzend Spiele reichen...
Es gäbe auch sicher noch eine vielzahl anderer realistischer Settings, wie z.B. einen Wirtschaftskrieg um die verbleibenden Ressourcen; Man könnte z.B. auf Seiten eines Afrikanischen Staates kämpfen, wo die Exxon- und Shellheuschrecken, oder sonstige Unternehmen (müßten natürlich politisch korrekt umbenannt werden

) die Bodenschätze wie Öl, Coltan, Gold oder sonstiges ausbeuten und die Bevölkerung unterdrücken (Google: Kongo), die daraufhin einen Aufstand anzettelt woraufhin die Unternehmen wiederum militärische Unterstützung von ihren Regierungen/NATO/etc. anfordern oder paramilitärische Truppen senden. Da könnte man auch wirklich ein realistisches, bedrohliches und ziemlich düsteres Setting zeichnen und außerdem wirklich mal eine Moral rüberbringen, die anders lautet als: "Oorah!"
Das hab ich mir jetzt mal eben so aus dem A.... den Fingern gezogen, kann doch nicht sein, daß den Entwicklern nach tagelangem Brainstorming nur einfällt: "Wie wär's mit Terroristen im Nahen Osten..."
Aber wahrscheinlich gibt das nix, ich verdächtige die 'realistischen' Shooter in letzter Zeit größtenteils, ziemlich unverholen Werbung für das US-Militär zu machen.