Zunächst, weil einige offenbar einen prinzipiellen Unterschied zwischen Gebrauchsgegenständen und digitalen Produkten nicht sehen:
Ein Gebrauchsgegenstand wird gebraucht und verbraucht sich dabei auch immer. Jede einzelne Nutzung verschlechtert das Produkt ein klein wenig.
Mit dem Kauf habe ich gewissermaßen eine gewisse begrenzte Anzahl an möglichen Nutzungen gekauft, die natürlich variabel ist, je nachdem wie stark beansprucht der Gegenstand wird. Bei einem Auto ist das sogar oft direkt ausrechenbar. Bei einem Bleistift sieht das jeder sofort ein. Aber auch ein Taschenrechner verbraucht sich minimal, wenn das Gerät auch vermutlich eher an Altersschwäche als am Gebrauch kaputt geht. An Wert verliert es durch den Gebrauch aber allemal.
Deswegen ist ein Verleih eines Gebrauchsgegenstands nie folgenlos für den Verleiher. Und zwar auch darüber hinaus, dass er den Gegenstand nicht nutzen kann, während er verliehen ist.
Es gibt auch andere Gegenstände, die ich nicht als Gebrauchsgegenstand sehen würde (ein Bild z.B. oder Schmuck). Aber davon sollte man woanders reden.
Digitale Produkte verbrauchen sich nicht. Egal wie oft ein solches Produkt gebraucht wird, es wird dadurch nicht schlechter. Ein digitales Produkt verliert nur dadurch Wert, dass es altert (weil z.B. neue Spiele beliebter und damit teurer sind). Schon alleine dadurch fällt es mir schwer zu verstehen, wie man ein "gebrauchtes" Spiel verkaufen können soll. Man kauft bei einem Spiel m.E. eben nicht eine begrenzte Zahl an Nutzungsmöglichkeiten sondern schlicht eine unbegrenzte Lizenz zum Nutzen des Spiels.
wieso findest du es ok, die ganze konsole mit dem spiel darauf zu verleihen, die festplatte einzeln mit dem spiel drauf aber nicht?
Digital erworbene Spiele sind an die Konsole oder an den Account gebunden, nicht an die HD. Wenn Du die HD an eine andere PS4 anschließt, wird von der kein Spiel mehr gestartet.
eine unbegrenzt lange liste an menschen ist für mich dann aber auch kein privates verleihen und tauschen mehr.
Nun, jeder kennt, mit genügend Zwischenstationen, irgendwann jeden Menschen. Wenn das Spiel nicht durch sein Alter an Wert verlieren würde, dann kannst Du es durch immer weiterem Tausch mit einer anderen Person (die der aktuelle Besitzer tatsächlich persönlich kennt), am Ende jede einzelne Person auf der Welt erreichen

Aber lasst uns nicht über dieses Gedankenspiel reden, das habe ich nur gewählt um klarzumachen, dass ein Spiel sich eben nicht verbraucht und theoretisch(!) von unbegrenzt vielen Menschen genutzt werden könnte, ohne schlechter zu werden.
man ist wohl kaum mit unbegrenzt vielen menschen befreundet.
privates verleihen und tauschen gilt für familie, verwandtschaft, freunde und bekannte.
Ich muss das wohl erneut klarstellen: Es ist gelebte Realität, dass man ein digitales Produkt im Familien- und Freundeskreis verleiht (zumindest wenn das überhaupt möglich ist). Und ich (ver)leihe, wie gesagt, auch ab und zu mal nen Konsolenspiel (von) einem Freund. Dennoch kann ich der Meinung sein, dass diese Praxis eigentlich nicht wirklich dem Produkt "Computerspiel" gerecht wird - eben auch aus den eingangs beschriebenen Gründen.
Denkt doch mal: Wenn wirklich jeder, der das Spiel nutzt, gleichermaßen fair an den Kosten beteiligt würde, dann wären die Kosten für den einzelnen auch viel viel geringer. D.h. jedesmal, wenn einer ein Spiel verleiht, tauscht, unberechtigt nutzt, gebraucht kauft usw. sorgt er letztlich dafür, dass zukünftige Spiele für den (Erst-)käufer entsprechend teurer werden müssen. Würden alle gleichermaßen zahlen, könnten Spieler billiger und/oder aufwendiger produziert werden. Und ja: jeder verdiente Euro (also das was vom Umsatz nach allen Kosten, inkl. Gehälter usw. übrig bleibt) wird immer in neue Spiele refinanziert - nur die ausgeschüttete Dividende kommt den "Besitzern" der Firma zu gute.
Theoretisch wäre es am besten, jeder würde seinen Obolus direkt für die tatsächliche Nutzung entrichten - jemand der etwas nur kurz antestet einen entsprechend minimalen Betrag, jemand der ein Spiel 1000 Stunden spielt, entsprechend mehr. Dann müsste man auch kein Spiel mehr kaufen, man nutzt einfach alles, wozu man Bock hat. Das große Problem ist dabei, dass das nur mit einer totalen Überwachung des Spielers funktionieren würde, Was aber eigentlich in Steam, UPlay, Origin und GoG-Galaxy ja schon praktiziert wird, und vermutlich auch auf den Konsolen erfasst wird.
Auch eine Flatrate wäre dann denkbar - die Spieleproduzenten würden dann entsprechend der tatsächlichen Nutzung ihrer jeweiligen Spiele ausbezahlt.
Es würde mich nicht wundern, wenn es letztlich in die Richtung geht.
gut, gamestop ist ja jetzt auch ein gewerblicher händler. das ist ein anderes thema.
Gamestop ist ein Parasit. Aber ja, nicht das Thema.
ich verstehe schon, das sich digitale produkte nicht abnutzen.
nur im hinblick auf dein argument, dass das produkt refinanziert werden soll, macht das keinen sinn.
ich verleihe das materielle produkt, es nutzt sich ab, nur der erstkäufer zahlt, der empfänger beteiligt sich nicht an refinanzierung. das ist ok für dich.
ich verleihe das digitale produkt, es nutzt sich nicht ab, nur der erstkäufer zahlt, der empfänger beteiligt sich nicht an der refinanzierung. das ist nicht ok für dich.
Wie ich oben geschrieben habe, bei einem Gebrauchsobjekt kaufe ich nicht die unbegrenzte Nutzung sondern immer eine prinzipiell begrenzte Nutzbarkeit. Das ist schon ein Unterschied.
Man kann eben nicht ein Auto immer wieder weitertauschen und verkaufen und unbegrenzt nutzen. Ein Computerspiel schon.
dieses argument der abnutzung greift für mich einfach nicht.
Das verstehe ich nicht, denn genau das ist der Grund, warum man einen Gebrauchsgegenstand auch sinnvoll weiterverkaufen kann.
Doch, voll und ganz.
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Im groben und ganzen gehe ich mit dir Konform. Nur den Punkt mit dem "verleihen von verkauften Spielen", sehe ich persönlich völlig unproblematisch. Ich bin mir dabei jetzt nicht sicher wie das rein rechtlich ausschaut, von daher werde ich mir darüber kein Urteil bilden. Aber rein moralisch ist es imho völlig OK, da das Spiel nicht vervielfältigt wurde. Eine Kopie wurde verkauft und eben diese Kopie wurde dann weiterverkauft, bzw an jemanden ausgeliehen.
Bei Spielen auf Medien (DVD) ist es legal, da man das Medium verkauft und die Nutzungslizenz daran gebunden ist. Ich halte diese legale Praxis aber für fragwürdig (Gründe siehe oben). Aber es ist müssig darüber zu philosophieren, denn Medien für digitale Produkte werden eh verschwinden.
Und bei rein digital vertrieben Produkten ist es eben auch rechtlich ganz klar, dass ein "Verleihen" oder der Verkauf der Lizenz nur mit Einverständnis des Lizenzgebers möglich ist.
Wenn natürlich das Abspielgerät von mehreren Personen genutzt wird, wird das immer ok sein. Genau wie den digital erworbenen Film, den ich ja auch meinen Freunden zeigen darf. Ich werde die digital-Kopie des Films aber nie legal einem anderen zeitweise oder dauerhaft überlassen können und sie vermutlich auch nie verkaufen können. Genau aus den o.g. Gründen.
Mit Büchern, Musik, Filmen, und sonstigen Kunstwerken - also anderen "nicht alternden Lizenzen" und "geschütztem geistigen Eigentums" ist es auch nicht anders. Selbst in der Schule wird, oder wurde (ist bei mir schon Ü20 Jahre her, von daher kann ich den aktuellen Stand nicht beurteilen) es nicht anders gelehrt. Die Schule kauft Bücher für die Schüler, die von Jahr zu Jahr an die nächste Generation weitergegeben wird. Und damit meine ich nicht nur die Klassenbücher für Mathe, Geschichte u.ä. sondern auch völlig normale Bücher wie z.B. Goethes Faust oder Vorstadtkrokodile die aktiv unter den Schülern geteilt werden müssen.
Bücher verbrauchen sich, auch DVDs verbrauchen sich am Ende. Digitale Kopien nicht. Man entwertet die digitalen Produkte schlicht, wenn man es erlaubt, dass sie von unbegrenzt vielen genutzt werden können.
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ich finde deine logik nicht stimmig und auch nicht konsequent.
außerdem benutzt du gleichnisse und beispiele die furchtbar konstruiert sind (verleihen an unbegrenzt viele freunde / verleihen an 500 leute in der schule) und teilweise einfach nicht dem streitpunkt entsprechen (gamestop ist gewerblich nicht privat / steam und co. sind plattformen mit nutzungsbedingungen, die regeln die weitergabe der account daten bereits / abnutzung des autos, wieso bleibst du hier nicht beim beispiel des digitalen und materiellen gegenstückes, zb ein buch/spiel?)
Weil ich einen Kontrast darstellen will, wieso es eben NICHT das gleiche ist, einen Gegenstand wie ein Auto zu verleihen oder zu verkaufen. Es ist kein GLEICHnis sondern eine Darstellung eines UNGLEICHnisses.
bleiben wir doch mal ganz konkret bei dem beispiel eines buches.
nehmen wir einfach mal herr der ringe einmal als gedrucktes buch und einmal digital auf meinem reader.
ein buch ist, genau wie ein spiel, ein einmal-durchles-artikel (für die allermeisten menschen).
Das Buch nutzt sich ab. Die digitale Kopie nicht.
Aber Du hast auch recht, ich habe ein Problem mit Büchern, speziell in Büchereien, in denen man auch E-Books für eine limitierte Zeit ausleihen kann. Ich weiß nicht, wie das geregelt ist, aber wenn eine solche Bücherei für ihre EINE Kopie auch soviel zahlt wie Hinz und Kunz bei Amazon, dann empfände ich das nicht als ok. Wenn die Bücherei aber eine spezielle "Leihlizenz" erwerben müsste, die entsprechend teurer ist, aber eben auch das Recht gibt, das digitale Buch immer und immer wieder zu verleihen, dann ist das ok, die hohe Zahl an Lesern wird dann entsprechend per Mischkalkulation wieder für den Autor und Verlag sinnvoll. Das ist wie bei den Videoverleihs früher.
dein punkt war ja, das du verleihen nicht in ordnung findest, weil der empfänger sich nicht an der refinanzierung beteiligt.
gleichzeitig behauptest du, das verleihen des gedruckten buches wäre ok (wegen der abnutzung), das verleihen des digitalen buches mit dem reader wäre nicht ok.
sowohl beim verleihen des gedruckten buches als auch beim verleihen des readers findet aber KEINE refinanzierung statt.
wieso denkst du, das eine abnutzung des gedruckten buches eine nicht-beteiligung an der refinanzierung rechtfertigt?
Tut sie nicht, aber die Abnutzung gibt immerhin trotzdem eine natürliche Grenze der Nutzbarkeit, die bei einem digitalen Produkt einfach nicht gegeben ist.
Lieber wäre mir, jeder der nutzt - also das Buch liest - einen kleinen Betrag an den Autor abgibt. Das wäre fair. Das wäre auch schon bei gedruckten Büchern fair gewesen, aber nicht wirklich praktikabel. Erst die heutige Technik erlaubt uns ein solches Modell sinnvoll umzusetzen.
ich muss sagen, ich bin froh das du informatiker bist und kein politiker, denn solche inkonsequenz hat in der politik nichts zu suchen, bzw davon haben wir schon genug..
Meine Gedanken sind schon konsequent, woran es mangelt ist an der Machbarkeit (die wird erst so langsam möglich), an dem Willen der Kunden (die sind es einfach anders gewohnt) und daran, dass man nicht über jede Nutzung eines digitalen Produkts Rechenschaft ablegen will ("Grestorn hat im Mai genau 20 Pornos für insgesamt 10 Stunden konsumiert!").
Also wird man wohl immer einen Kompromiss finden müssen.