KI soll Lehrer unterstützen, nicht ersetzen
Schülerin Alisa Zozolinska freut sich vor allem über die endlose Geduld des digitalen Lehrers. "Wenn Du dann so doof bist und immer die gleiche Frage stellst, dann wird die Lehrerin vielleicht ein wenig stressig. 'Studdy Buddy' wird das aber immer wieder erklären", beschreibt sie ihre Erfahrung.
Colin Mroncz ergänzt: "Manchmal versteht man das nicht, dann kann man nochmal fragen, ob der das anders erklären kann." Der "Study Buddy" ist so programmiert, dass er unterschiedliche Lösungsansätze zeigt.
Die Künstliche Intelligenz soll die Lehrerin unterstützen, nicht ersetzen. Die Beantwortung einfacher Fragen spart ihr viel Zeit im Unterricht, die sie für andere Dinge nutzen kann. Schülerinnen und Schüler bekommen durch das Programm Antworten auf ihre individuellen Fragen, so müssen die Unklarheiten nicht vor der gesamten Klasse besprochen werden.
Individuelle Förderung für jedes Kind
Der große Vorteil der KI sei, dass jedes Kind dort abgeholt wird, wo es gerade steht, sagt Lehrerin Biehl. "Das heißt: Kinder, die gut sind, werden entsprechend gefördert. Die brauchen vielleicht nicht so viel Hilfestellung. Aber Kinder, die die Sprache nicht sprechen, die vielleicht schon vorher Probleme mit gewissen Dingen hatten, können hier einfach besser gefördert werden."
Allerdings sind manche Schüler auch besser in der Lage, der KI die richtigen Prompts, also exakte Fragen oder Aufforderungen, zu stellen als andere. Deshalb gibt es in jeder Unterrichtsstunde auch eine Nachbesprechung. Was hat funktioniert, was war nicht so gut?
Schüler Caspar Forré hat bei dieser Mathe-Aufgabe eine gute Erfahrung gemacht: "Ich habe ihn gefragt, ob er mir das bitte noch besser erklären kann. Dann hat er mir Beispiele genannt, mit Teig und Keksen und dann habe ich das besser verstanden."
Programmierung noch nicht perfekt
Rojda Aksoy sagt, der "Study Buddy" mache es ihr leichter, zu lernen: "Nichts gegen meine Lehrerin. Meine Lehrerin kann gut erklären, aber manchmal bin ich komplett in einer anderen Welt im Unterricht." Sie könne manchmal nicht gut zuhören und sei unkonzentriert, sagt Rojda. "Bei der KI kann ich das lesen. Und ich habe halt so ein Gedächtnis, wenn ich lese, dann kann ich das besser verstehen, weil das bleibt in meinem Langzeitgedächtnis."
Allein ein iPad in der Hand zu haben, finden die Schülerinnen und Schüler cool. "Das macht schon mehr Spaß, und dann erklärt er das immer so nett", sagt Sophia Wrede. "Und er kann auch mit Emojis schreiben. Das ist irgendwie auch ganz nett, wenn man so eine Antwort bekommt."
Perfekt laufe es aber noch nicht, sagt Lehrerin Biehl, die bei der Programmierung genau darauf achtet, welche Antworten der "Study Buddy" ausspucken kann. "Oft sind die Antworten sehr lang. Oder die KI geht eben Wege, die die Kinder vielleicht noch gar nicht kennen."