Ja ok. Aber werden nicht jetzt schon elektrische Signale gemessen?
Oder wie funktionieren diese Neural-Interfaces?
Da werden doch die elektrischen Signale empfangen und umgewandelt.
Und anhand von EEGs kann man auch bestimmte Dinge auslesen und übersetzen.
Die elektrischen Signale sind nur die momentane Aktivität. Funktionsweise und Wissen sind aber in der Struktur gespeichert. Das wäre in etwa so, wie die Kern- und Cache-Auslastung eines Prozessors auszulesen (Aktivität für ganze Areale, genauer sind auch die Messsysteme bislang nicht), wenn das Ziel ist, seinen Bauplan zu ermitteln, um Kopien anzufertigen.
Es gibt
Technische Untersuchungsverfahren in der Neurologie, womit unterschiedliche Erkenntnisse gewonnen werden können. Zu unterscheiden sind Erkenntnisse über:
- Labordiagnostik (Gewebe, Blut, Liquor)
- Gefäßdarstellungen (Ultraschall, Angiografie)
- Hirnstrommessungen (EEG, EMG, ENG, TMS)
- Bildgebung (MRT, PET/CT, u.a.)
Entsprechend gibt es verschiedene Erkenntisbereiche:
- Aufbau, also eine Kartierung des Materials
- Organ, also die Zusammensetzung des Materials
- Metabolismus, also der Stoffwechsel des Materials
- Elektrophysiologie, also die Aktivitäten/Erregungszustände des Materials
- und natürlich Wirkungen, also die mit bloßen Auge wahrnehmbaren Phänomene wie Sprache und besonders Bewegung.
Diese Blickwinkel lässen sich (teilweise 'in Echtzeit') miteinader verschränken.
Damit kannst du nur die Aktivität von Hirnarealen messen. Das ist nett, um Muster
wiederzuerkennen, aber schon in dieser Hinsicht ziemlich grob. Und es setzt eben voraus, dass genau die gleiche Aktivität schon einmal beobachtet wurde und dass man damals auch noch wusste, was für eine Aktivität es ist. Um auf diesem Wege z.B. die Erinnerung eines Menschen analysieren zu können, müsste man ihn also erst einmal während sämtlicher Ereignisse, die er sich gemerkt haben könnte, beobachtet UND vermessen haben
Ziemlich schlecht funktioniert das bei bloß intelligiblen Aspekten ("Gegenstände", die nur über das Denken erfasst werden können).
Je abstrakter es wird, desto schwerer ist die Trainingsphase vor der Wiedererkennung: Wir können sehr gut "nichts machen außer den Finger heben". Aber versuch mal, "nur an PCGHX [zu] denken": Du unmittelbar Assoziationen zu zahlreichen Dikussionen hier im Forum, zum Weblayout, ggf. zu engeren Kontakten, etc. im Kopf. Und das teils als Emotion, teils als Kontext und teils als bildliche Erinnerung. Also zu 99% Dinge, die gar nichts mit dem abstrakten Konstrukt "Community von PC Games Hardware" zu tun haben, sondern nur damit verknüpft sind und an die du z.B. auch bei einer Frage nach "politische Meinungsbildung", "Xenforo-Bedienung" oder "informative Diskussionen über KI" gedacht hättest.
Klingt wirklich nach Sci-Fi, was du beschreibst. Eine Vermittlung durch Nanobots wären noch am ehesten absehbar. Bin mir aber auch nicht sicher, ob das "totale Abbild" notwendig für die relevanten Erkenntnisse sein wird.
Das ist selbst den meisten Sci-Fi-Autoren schon viel zu viel. Es gibt ein paar wenige "in Computer gesaugt"-Storys (siehe z.B. Tron), aber die nehmen das aus gutem Grund nur als Rahmenhandlung/deus-ex-Vehikel, um in eine "andere Welt" zu kommen und verzichten komplett auf irgendwelche hoffnungslosen, (pseudo-)wissenschaftlichen Erklärungen, weswegen man es eigentlich schon als Fantasy betrachten müsste. Die beste konzeptionelle Annäherung wäre noch beamen. Nur das Star Trek es, unter anderem wegenn solcher Implikationen, tunlichst vermeidet darüber zu sprechen, was es denn biochemisch und nuklearphysisch bedeutet, ein Lebewesen an Ort A wortwörtlich in Luft aufzulösen, um es aus den dabei ermittelten Daten an Ort B wieder wortwörtlich aus Luft zu rekonstruieren.
Bezüglich "nötig": Hängt von der Aufgabenstellung ab. Erkentnisse kann man natürlich auch weit einfacherem Wege noch so einige ermitteln. Wenn man Simulationen, KI-Nachstellungen und experimentelles Rantasten dazu nimmt, versteht man Ende vielleicht sogar, wie menschliches Denken grundsätzlich abläuft. Die Ursprungsfrage hier war aber mal die Rekonstruktion bzw. Digitalisierung eines konkreten Menschen. Dafür muss man sich wohl oder übel die Besonderheiten dieses Individuums angucken. Und das, wie dargelegt, wortwörtlich, was durch eine Schädeldecke hindurch nicht geht.
Nanobots (so ein weiterer Euphemismus für "der Autor wusste nciht weiter"

)können imho auch nicht weiterhelfen. Wie gesagt: Das Hirn arbeitet mit einzelnen Molekülen. Markomoleküle zwar, aber um sie eindeutig zu erkennen, kannst du nicht mit etwas ankommen, dass vielfach größer ist und sich nur in Blutbahnen bewegen kann. Umgekehrt müssen aber auch Roboter jeglicher Art aus komplexe Funktionalität mitbringen, die zwingend eine Zusammensetzung aus Milliarden von Atomen alleine für die digitalen Schaltkreise erfordert.