Der Grund weil die Überlebenschance der Geiseln nicht höher liegt als die der Terroristen ist doch ein wenig gewagt.
Kannst du das auch argumentieren oder nur "finden"?
Es gibt Berichte von freigelassenen Geiseln der Hamas die klar von Misshandlungen sprechen.
Ja. Einige, wenige und leider in den von mir gelesenen auch noch Unterscheidung welche Art "Misshandlung" (sexueller Missbrauch ist was anderes als physische Gewaltanwendung wenn sich jemand bei einer Verlegung nicht bewegen will), wann (7.10. vs. später), durch wen (Hamas, Isl. Jihad; einfacher Kämpfer oder Führungspersonal?) und in welchem Umfange (einmalig/regelmäßig). Es gibt ohne Zweifel unter den Hamas-Kämpfern Personen, die Israelis Leid zufügen wollen, wann immer sie können. Das hat man am 7.10. gesehen, wo sich ettliches ereignet hat, das weit über "Geiselnahme" und "der Geiselnahme dienende Kampfhandlungen" hinausging. In gewissem Umfange hat man solche Untaten leider in jedem personnell aufgeladenen Konflikt - Palästinenser an Israelis, Russen an Ukrainer, Ukrainern an Russen, Amerikaner an Irakern, Koreaner an Amerikanern und auf die Zahl der Vorwürfe gegenüber Israels Armee und vor allem Armee-Gefängnissen brauche ich an der Stelle wohl gar nicht erst zu verweisen.
Das ist aber zu unterscheiden von einer systematischen Gewalt einer Organisation. Wo es so etwas gibt, sollten alle Geiseln in erheblichem Umfange betroffen sein. Trotz mittlerweile 150 freigelassener habe ich aber eben nur vereinzelte Berichte gesehen, umgekehrt sogar einige die von relativ guter Behandlung sprachen (was Stockholmsyndrom gewesen sein mag, aber als "nicht misshandelt" gewertet werden kann). Das spricht bei mir nicht dafür, dass "die Hamas" als Organisation ihre Geiseln misshandelt. Auch gab es bislang erst bei einem einzigen Leichenfund eindeutige Spuren von direkter absichtlicher Gewalteinwirkung aus kurzer Entfernung. Dass die Hamas hier ihre Kämpfer unzureichend kontrolliert, kann man ihr natürlich vorwerfen, ist imho aber schon in "ein Haufen krimineller Terroristen" inkludiert.
Aber da die Geiseln scheinbar in Kleinstgruppen von 3 bis 6 Personen versteckt und von einer rotierenden Überzahl Kämpfern bewacht werden, würde ich von mindestens 150/3 = 50 * doppelte Überzahl * 3 Schichten * 10 Rotationen = 3000 Hamas-Kämpfern sowie ggf. eine ähnlich hohe Zahl an Versorgungspersonal ausgehen, die eine Möglichkeit zu Misshandlungen gehabt hätten und wenn davon weniger als 500 tatsächlich misshandelt haben, ist von Individualmotivation auszugehen. So ähnlich wie wenn ein Trupp israelischer Soldaten das MG auf eine Gruppe palästinensischer Zivilisten hält, die zu einem Hilfsgüterlaster in der Nähe stürmen:
Traurig, verwerflich und in einer zivilisierten Armee würden die Verantwortlichen auf lange Zeit weggesperrt. Aber letzlich ein Versagen auf Ebene der Einzelperson, keine Taktik der ganzen Organisation, wenn es nur gelegentlich passiert.
Btw eine Sichtweise kann natürlich auch sein, dass weder die IDF noch die Hamas keine Verstöße gegen das Völkerrecht begehen, da es kein Krieg sondern eine Polizeiaktion oder eine spezielle Militäroperation gegen Terroristen handelt. Das Klingt sowohl für die Hamas als auch die IDF gut. Was es für die Bevölkerung und die Geiseln natürlich nichts ändert.
Wenn man Terroristen wieder als Kriminelle einstuft (was ich bei z.B. Al Kaida für gerechtfertigt gehalten habe, bei einer Quasi-staatlichen Institution wie der Hamas nicht), dann gelten statt Kriegs- und Vökerrecht Menschen- und Bürgerrechte, für die Kriminalitätsbekämpfer Polizeirecht. Das kennt keine Kollateralschäden, sondern allenfalls Unfälle und erlaubt den Einsatz tödlicher Gewalt überhaupt nur zur Abwendung unmittelbarer Gefahr für Leib und Leben. In diesem Rahmen wären die Unangemessenheiten der IDF-Methoden schwerste Straftaten, nicht wenige der Einsätze schlichtweg als Massenmord zu verurteilen. Die Hamas dagegen wäre weiterhin halt eine "terroristische Vereinigung"

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Mir tut vor allem die Zivilbevölkerung im Gazastreifen leid.
Eigentlich müssten die alle evakuiert werden. Nur wohin?
Als "Evakuierung" beschreibt man für gewöhnlich die vorübergehende Flucht vor nicht abwehrbaren Gefahren. Hier sind die Gefahren aber sogar absichtlich herbeigeführt. Davon abgesehen davon wartet ein erheblicher Teil der Bevölkerung Gazas seit 75 Jahren darauf, in geräumte Gebiete zurückzukehren respektive stammt von Leuten ab, die bis an ihr Lebensende darauf gewartet haben.
Das was in Bezug auf die Zivilbevölkerung passiert ist unsäglich. Israel muss die Bevölkerung auch trotz der militärischen Handlungen versorgen. Da darf es auch keine zwei Meinungen geben. Das ist nicht leicht allerdings wenn der politische Wille da ist kann und wird es auch so umgesetzt werden können.
Nur um das mal klarzustellen:
Israel hat die Bevölkerung in den unterdrückten Gebieten
NOCH NIE versorgt. Das Maximum, was Israel macht, ist es humanitären Organisationen (rein finanziell betrachtet überwiegend aus EU und, bis Trump, USA; personell eher einheimisch) zu erlauben, diesen Job zu übernehmen. In letzter Zeit halt nicht einmal mehr das, stattdessen werden international renomierte Organisation als kriminell verboten und/oder antisemitisch verleumdnet, weil sie Palästinensern das Überleben ermöglichen wollen.
Es war ja davor lange Ruhe
"Lange"? Der letzte Palästinenser wurde 11 Tage davor erschossen.
Der vorletzte und der vorvorletzte 12 Tage vor dem Angriff der Hamas.
18 Tage vor dem Angriff: 7 tote Palästinenser.
19 Tage vor 7.10.: 2 tote Palästinenser.
24 Tage davor: noch einer
35 Tage: 8 Tote.
usw. usw. usw.
Alleine 2024 gab es vor dem großen Angriff 324 getötete Palästinenser, also im Schnitt mehr als einer pro Tag. Von Anfang 2023 bis August 2024 waren es 872. (Darunter natürlich auch ein paar mutmaßlich-Schuldige-wenn-auch-nicht-verurteilte, aber so zum Vergleich: Am 7.10. hat die Hamas 796 Zivilisten getötet und seit Beginn des Vorjahres noch einmal 41 weitere. Das heißt trotz aller Grausamkeit am letzten Tag wurden vom 1.1.2023 bis einschließlich 8.10.2024 mehr Palästinenser als isrealische Zivilisten im Nahostkonflikt getötet.)
Da war nichts friedlich, schon gar nicht lange. Es sei denn, man misst ""lange"" in Stunden. Aber dann wäre auch die Hamas während der letzten Waffenruhe ""lange"" friedlich gewesen und wir hätten mit der Neustart der israelischen Angriffe einen ""neuen"" Krieg.
Ich bleibe bei meiner Grundhaltung: Es gibt in dieser Region kein "angefangen". Es gibt nur ein "weitergemacht" und als dessen Steigerung noch ein "eskaliert". Das kann man der Hamas am 7.10.23 sicherlich vorwerfen. Aber eben auch Israel seit dem 8.10.2023 und anhaltend.
Ja das klappt so kurz wie die Raketen wieder fliegen wenn Israel die Kampfhandlungen einstellt und die IDF aus Gaza abzieht. Die Raketen werden auch fliegen wenn Israel die komplette Versorgung der Bevölkerung im Gaza sicher stellt.
Nein. Das wäre tatsächlich eine wirksame Maßnahme, weswegen ich die ja auch schon x-fach vorgeschlagen habe: Israel hat schon vor Jahren die Tunnelsysteme in den Gazastreifen zerstört und selbst jetzt keine neuen gefunden. Es gibt auch keine Hinweise auf Schmuggel über See, die israelische Marine tötet jeden Palästinenser, der sich jenseits des Strands blicken lässt. Alles, was im Gazastreifen benötigt wird, muss mit hundertenn LKW täglich reingeschafft werden - und das gilt auch für Raketenmaterialien. Würde Israel diese Versorgung selbst übernehmen, die Laster selbst beladen, dann könnten sie auch sicherstellen, dass da keine entsprechende Technik dabei ist (respektive dann wären sie zumindest selbst Schuld, wenn sich ein Terrorsympathisant eingeschlichen und Material geschmuggelt hat) und wenn sie zusätzlich Rechtsstaatlichkeit in den den unterdrückten Gebieten durchsetzen würden, könnten sie auch bei Dual-Use-Gütern einen Polizisten daneben setzen, der Missbrauch ausschließt.
Aber Israel will eben keine Verantwortung übernehmen.
Weiterhin Raketen auf Israel.
Und das obwohl längst mehr Palästinenser getötet wurden (je nach Zahlen 2-4 mal so viele), als der kämpfende Arm der Hamas vor Kriegsbeginn an Mitgliedern gehabt haben soll.
Vielleicht sollte man weniger auf Krankenwagen und mehr auf Waffentransporte zielen.
Es müssten sofort alle Kampfhandlungen beendet werden. Und humanitäre Hilfen wieder aufgenommen werden.
Allerdings sollte die Hamas im Gegenzug die restlichen Geiseln alle freilassen.
Genau das bietet die Hamas seit mittlerweile über einem Jahr immer an. Aber Israel will darüber nicht einmal verhandeln. Die Tötung all derjenigen, die Israel als "Hamas" zählt geht über alles andere. Auch über das Wohlergehen der Geisel und erst recht über das Leben palästinensischer Zivilisten. Und Israel zählt halt nicht nur Kämpfer, sondern wirklich absolut jeden, der mal irgendwas pro-Hamas gemacht hat.
Hier mal ein Luftangriff auf ein Pressezelt vor einem Krankenhaus.
Ziel? Ein damals für AP und Reuters tätiger Fotoreporter, der am 7.10. live dabei war.
(Was natürlich bedeutet, dass der einen guten Draht zur Hamas hatte und die schrecklichen Ereignisse quasi als "embedded Journalist" begleitet hat. Aber scheinbar wirft ihm nicht einmal Israel vor, auch aktiv daran mitgewirkt zu haben. Auch nicht, das Geschehen propagandistisch verfälscht zu haben. Aber schon das Geschehen von der falschen Seite her zu filmen, ist in den Augen Israels derart sträflich, dass es auch den Tod von Menschen rechtfertigt, die z.B. in ein Krankenhaus wollen und nicht einmal eine Ahnung davon haben, wer die Person neben ihnen ist.)