Die Gefahr besteht immer. Nicht zu unrecht heißt es im Krieg:" Zuerst stirbt die Wahrheit". Es wäre an der Hamas, das Gegenteil zu beweisen. Und dann müsste es noch ein anerkannter Beweis sein. Wir wissen alle, wie schwierig es ist. Denken wir an das abgeschossene Flugzeug, bei dem über Jahre untersucht wurde, ob es eine Rakete war, ob sie aus Russland oder der Ukraine kam und wer sie abschoß. Jahre....
Bei MH
317 war die Lage ziemlich schnell ziemlich klar, dass es eine Rakete war, von wo aus sie abgeschossen wurde und dass die Ukraine nichts damit zu tun haben könnte. Was lange gedauert hat, war die personellen Hintergründe für den Abschuss zu belegen. Aber es gab keinen denkbaren Fake, für/gegen den man Beweise hätte Beweise bringen müssen. Was, so ganz nebenbei, in einem Rechtsstaat immer noch die Aufgabe des Anklagenden (= Israel) und nicht des Beschuldigten (= Hamas) wäre.
Nichts desto trotz ist es einfach ziemlich egal. Das die Hamas eine dezentralisierte oder besser gesagt improvisierte Infrastruktur hat, ist bekannt; unter den Bedingungen des Gaza-Streifens quasi unvermeidbar. Genauso wie eine mangelhafte Trennung der Waffenverstecke von zivilen Einrichtungen. Warum sollten also nicht auch ein paar Kämpfer Ausrüstung in einen leeren Krankenhauskeller gestellt haben? Soweit ich weiß hat die Hamas nicht nur Berufssoldaten, sondern eine breite Palette freier Sympathisanten. Vielleicht arbeiten die schlichtweg da? Aber fakt ist, dass das bislang gezeigte, egal ob Fake oder nicht, lächerlich wenig ist. Da hat die deutsche Polizei schon bei manch Reichsbürger- und den meisten Rocker-Razzien mehr sichergestellt. Ohne etwas von einem einen ganzen Staat bedrohenden Hauptquartier zu schwadronieren und >10000 Menschen tot zu bomben.
Eine Waffe reicht. Denk an die Lusetania zurück, das Schwesterschiff der Titanic, die im ersten Weltktrieg versenkt wurde. Auch das war ein Drama, betraf es über 1000 Zivilisten. Und trotzdem war es eigentlich, weil das Schiff Waffen transportierte, eine legitime Aktion. Das konnte man damals aber nicht beweisen. Es wurde nur aufgebauscht, um einen Eintrittsgrund für den USA in den Krieg zu finden. Der eigentliche Skandal war, dass mit dem Passagierdampfer Waffen transportiert wurden.
Ich werde hier jetzt nicht den komplexen Fall Lusitania oder U-Boot-Krieg im allgemeinen aufrollen, da ich keinen Bezug zur Situation in Palästina sehe. Wenn dann könntest du Zerstörung Löwens durch die Deutschen ausgraben. Aber allgemein ist das moderne Völkerrecht erst nach dem ersten Weltkrieg entstanden und nicht zuletzt wegen der Grausamkeiten, die sich damals ereigneten. Wenn du auf der Basis eines "Senfgas durch die Landschaft wabbern lassen ist voll toll"-Menschlichkeitsverständnis argumentieren willst, dass Israels Handlungen durch einen einzelne Waffe (oder auch deren vier) legitimiert werden könnte, dann sortiere das bitte irgendwo im Umfeld Assads ein, aber nicht in der Kategorie "Staaten, die unsere Unterstützung verdient haben".
"Angemessenheit" gibt es da weniger. Waffe ist Waffe. Wenn aus einem Krankenhaus geschossen wird
Doch, im modernen Völkerrecht gibt es eben sehr wohl eine Verhältnismäßigkeit. Und es hat niemand aus dem Krankenhaus geschossen, das behaupten afaik nicht einmal die Israelis. Auch wäre es mit den gezeigten Waffen rein physikalisch/geographisch gar nicht möglich, von dort auf Israel zustehendes Gebiet zu schießen. Der offizielle Vorwurf ist, dass dort die zentrale Planungsstelle für Angriffe wäre, die von anderen Orten aus ausgeführt wurden.
Was, wie bereits erwähnt, bereits eine sehr schwache Begründung für die Angriffe wären, da Planungen weder eine akute Bedrohung sind, die man unmittelbar abwehren müsste noch eine Bedrohung, für deren Abwehr überhaupt mehr als die Kommunikationskanäle zu den eigentlichen Angriffern zerstört werden müssten. Aber das jetzt gezeigt enthält darüber hinaus nicht einmal den Hauch eines Hinweises, dass die Behauptung stimmt. (Was daran liegen kann, dass es das gar nicht belegen soll. Einige Medien sprechen jedenfalls davon, dass die Bilder aus einer anderen Klinik sind. Was dann aber erst recht die Frage aufwirft, was Israelis in einer nicht-als-Hamas-Hauptquartier-beschuldigt-Klinik gemacht haben, außer kaum-Waffen-finden?)
Verstärkt wird diese Wahrnehmung noch dadurch dass Israel auch bei dem Raketen Einschlag auf das Krankenhaus die Wahrheit erzählt hat, während die Hamas gelogen haben dass sich die Balken biegen.. Hier hat also Israel für mich den "benefit of the doubt" Bonus.
Gibt es dafür mittlerweile irgend einen Beweis, der nicht von Isreal kommt? Ich glaube der Hamas zwar auch sonderlich wenig, aber ohne Beweise von verlässlichen Dritten würdest du Israel eher den "benefit of predjudice" geben.