Ist das HQ deines Feindes, d.h. der Ort, an dem er seine Maßnahmen gegen dich aktuell plant, keine akute Gefahr? Verstehe mich bitte nicht falsch, eine Bombardierung oder sonstiger Angriff auf das KKH könnte katastrophale Folgen haben wir ne halbe ich befürworte das nicht. Aber es könnte unter Abwägung der Verhältnismäßigkeit rechtlich legitim sein.
Nö, das ist keine akute Gefahr. Eben weil da nur geplant wird, nicht ausgeführt. Und die Frage nach der Verhältnismäßigkeit läuft allgemein auf ein man-es-soll-es-nicht-machen-aber-so-ist-es-nun-einmal Aufrechnen von Opfern hinaus:
Wieviele Feinde tötet man? Wieviele Unschuldige tötet man? Wieviele eigene Leute werden nicht getötet, weil die Feinde tot sind?
Und die Zahlen, die ich schon mal verlinkt habe, sind ziemlich eindeutig: Von der Jahrtausendwende bis zu dem Grenzdurchbruch (dessen Wiederholung ungeachtet der HQ-Situation durch Grenzschutz verhindert werden kann), haben sämtliche palästinensischen Terrororganisationen und Einzeltäter zusammengenommen 550 Zivilisten in Israel getötet. Beim manuellen durchgucken
der letzten 40 Fälle (d.h. seit Herbst 2014) sind dabei 28 auf kurze Entfernung getötet wurde, 12 wurden Opfer von Raketen. Hochgerechnet auf die Gesamtzahl ergäbe das also vielleicht 150 Opfer durch Hamas-Fernwaffen in 23 Jahren. Und davon wäre sicherlich nur ein Bruchteil verhindert worden, wenn man zwischenzeitlich mal das Hauptquartier ausgeschaltet hätte. Umgekehrt wären bei einem Bombardement des Krankenhauses durch Israel, sofern die aktuellen Belegungszahlen stimmen, bis zu 1500 unschudlige Opfer binnen 23 Minuten zu erwarten. Wenn nicht "nicht verhältnismäßig" sein soll, was dann?
Am 07.10.23 wurde gar nichts suggeriert, sondern eiskalt gehandelt. In dem Kontext muss man nicht interpretieren, welcher Ausrichtung ihrer Charta die Hamas folgt. Die Taten sind Interpretation genug.
Da wäre ich bei dir, dass man die Hamas an ihren Taten messen soll. Dann muss aber eben auch genau das machen und nach der Messung der Taten nicht noch zusätzlich die Charta rausziehen respektive eine Interpretation derselben, die dem Text widerspricht und nur auf den Taten basiert. Das wäre doppelt gemoppelt auf einfacher Datengrundlage. Und was man erst recht nicht machen sollte: Auch noch jenseits von Charta und Taten etwas dazudichten. Genaus das hat Treshold aber gemacht.
Charta: "Hamas will Zionisten töten"
Taten: "Hamas will alle israelischen Juden töten"
Treshold: "Hamas will alle Israelis, auch nicht jüdische, töten."
Für letzteres sehe ich keine Hinweise, deswegen habe ich ihn nach seinen Quellen gefragt (die offensichtlich inexistent sind). Du hast stellvertrend auf die Charta verwiesen, aber da steht das von Treshold geäußerte eben auch nicht drin, sondern nicht einmal das am 7.10. getane.
Im übrigen habe ich mich nicht auf arabische Israelis bezogen, das kam von jemand anderem hier. Du hast aber in diesem Kontext nach einer Quelle gefragt, daraufhin hab ich auf die Charta verwiesen, die ja offensichtlich weiteren Auslegungsspielraum bietet.
Wie gesagt: Ich habe explizit nach einer Quelle für Tresholds Behauptung gefragt, die Hamas wolle nach dem Staat Israel als solchem auch alle arabischen (dann: Ex-)Israelis auslöschen

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Das nach (der sehr hypothetischen Situation/der Hamas-Zielsetzung) einer Besiegung Israels = Ende der Existenz dieses Staates = in einem neuen Großpalästina und Hamas-Herrschaft keine Sicherheit für Juden zu erwarten ist, darüber brauchen wir nicht zu disktuieren, denn da wird vermutlich niemand eine Gegenposition zu beziehen. Mord an Juden steht zwar nicht explizit in der Charta und wird vom Islam sogar verboten, aber die Hamas hat oft genug Rache geschworen und alle jüdischen Israelis für schuldig erklärt und selbst wenn sie das nicht als formelle Todesstrafe = Genozid von oben herab durchsetzen würde, so gäbe es sicherlich genug Einzelpersonen, die aus persönlichem Hass dieses Ziel verfolgen würden und zu wenige, die einschreiten wollen.
Aber für alle nicht-Juden sehe ich ehrlich gesagt nur die üblichen, nicht-systematischen Gefahren, denen man in einem von Kriminellen autoritär regierten failed state halt ausgesetzt ist.
Ich könnte mir auch vorstellen, dass Kinder gezielt angeworben werden. Da wird dann Geld für die Familie versprochen und das Kind setzt sich mit einer Sprengstoffweste in den Bus mit jüdischen Kindern und sprengt sich in die Luft.
Kinder sind leichter zu manipulieren, aber die Hamas ist 37 Jahre alt und hatte mehr als genug Vorgängerorganisationen, die genauso indoktrinierend unterwegs waren. Die in den 80er Jahren angeworbenen Kinder sind Mitte/Ende 50 (wenn sie nicht gestorben sind/wurden) und es ist ja nicht so, dass eine Einwohner Gaza mit steigendem Alter einen Grund plötzlich zum Freund Israels zu werden und seine Orientierung zu ändern. Insgesamt ist der Hamas somit eine ähnliche Altersverteilung zu erwarten, wie im Gazastreifen allgemein, ausgenommen jüngere Kinder (typisch für die Region wäre Anleitung von Jungen zu "Männer"-Tätigkeiten ab einem Alter von 10 bis 14 Jahren, weiß aber nicht genau, wo Palästinenser die Grenze ziehen)
Ich kann mir das eben vorstellen. Ob das Realität ist, weiß ich nicht.
Aber willst du das komplett ausschließen?
Einzelfälle kann man nie ausschließen. Es wiederspricht aber extrem dem traditionellen arabischen Familienideal und progressiv/andersdenkende sind ja gerade diejenigen, die eher Abstand zur Hamas halten und Kinder erziehen, die an ihrem Leben hängen, statt auf ein Paradies nach dem Tod zu hoffen.
(Was nicht heißen soll, dass Familien nicht finanziell profitieren - die Hamas zahlt "Märtyrer-Hinterbliebenen Renten", das ist bekannt - und das fanatische Eltern nicht ihren Kindern den Willen anerziehen, für die Hamas zu kämpfen und notfalls auch zu sterben. Das passt durchaus zum Ehrverständnis traditioneller Menschen aus diesem Kulturkreis und es passt vor allem auch zur Hoffnungslosigkeit in Gaza. Aber ich denke nicht, dass diese Eltern eine gedankliche Verknüpfung zwischen beiden Punkten herstellen und schon gar nicht, dass sie es als "verkaufen" betrachten. Die sehen ihre Kinder als Helden, deren Opfer der Familie halt insgesamt Prestige einbringt.)
Ich weiß nicht, was ich davon halten soll.
Passt zu dem, was schon vorher vermutet wurde: Warum schlägt die Hamas plötzlich aus dem nichts so extrem zu, obwohl die Bedingungen im Gazastreifen jahrelang recht konstant waren?
Vermutung/bestätigt: Weil sie große Angst haben, dass Israel sein Verhältnis zu weiteren Staaten in der Region normalisiert und Gaza dann jegliche internationale Untersützung verliert. Bislang befindet sich Israel gegenüber einer ganze Reihe von Akteuren der Gegend mehr oder minder nur in einem Zustand der Waffenruhe. Die Hamas erhält Unterstützung aus diesen Ländern, insbesondere wenn Israel mal wieder besoders hart gegen Palästinenser aktiv ist.
Das könnte sich aber in Zukunft ändern, wenn Israel z.B. Handelspartner dieser Staaten wird, sodass israelische Befindlichkeiten für diese auf einmal wichtiger wären, als die Lage im Gaza. Passiert das, hat die Hamas verloren. Durch die Provokation von Völkerrechtsbrüchen im Gaza-Streifen wurden jetzt aber jede Menge mühsam aufgebaute diplomatische Verbindungen zerschlagen.