Das hört sich nach einer dauerhaften Besetzung an.
Aber ohne auch die zivile Verantwortung für die Lebensbedingungen zu übernehmen, wie es einer Besatzungsmacht afaik laut Völkerrecht obligt.
Ja, einiger. Aber wir reden hier von tausenden Terroristen. Das ist eher mit dem IS in Mosul als mit der Exekution Bin Ladens zu vergleichen.
Von der Sachlage her stimme ich dir da durchaus zu. Und im Falle Mosuls hat man aus der auch ganz klar geschlussfolgert, dass "die ganze Gegend dem Erdboden gleich zu machen" keine (moralisch akzeptable) Option ist. Bombardments wären unter diesen Vorraussetzungen nichts weiter als ein Kriegsverbrechen, dass eine internationale Isolierung des ausführenden Staats verdient hätte/verdienen würde.
Israel beharrt im Falle Gazas aber darauf, dass sie ja ach viel toller wären und nur präzise Hamasstellungen angreifen und dass deswegen die Bombardements dennoch okay wären. An diesem Maßstab messe ich ihre Taten und sie schneiden kaum besser ab als bei der Interpretaion im ersten Absatz.
Und selbst die USA mahnen Verhältnismäßigkeit an.
"USA mahnen Verhältnismäßigkeit an" ist in etwa so viel wert wie "FDP befürwortet Klimaschutz". Es ist offensichtlich, dass mutmaßlich die USA hinter den Kulissen auch etwas mehr als mahnen tun, aber die offiziellen Standpunkte sowohl der USA als auch z.B. Deutschlands sind absolut rein gar nichts, was irgend eine Änderung in Israel bewirken könnte.
Ich kann das ehrlich gesagt nicht einschätzen, neige aber auch dazu, Israel in einigen Fällen Verstöße dagegen zu attestieren.Eine Pauschalisierung lehne ich allerdings ab. Zivile Opfer sind zu vermeiden, aber rechtlich wohl bis zu einem gewissen Grad vertretbar. Gezielte Angriffe auf ausschließlich zivile Ziele sind nicht zu rechtfertigen. Aber wenn es stimmt, dass die Hamas ihr HQ in Gazastadt in einem Krankenhaus hat, wie soll man das denn ausschalten?
Gar nicht, solange keine aktue Gefahr davon ausgeht und das Krankenhaus nicht geräumt ist? Das wäre verhältnismäßig.
Da gebe ich dir Recht, werde versuchen, mich nicht mehr zu solchen "Historisierungen" hinreißen zu lassen. Aber wenn immer von "Kausalitäten" gesprochen wird, ist man schnell in der Zeitschleife gefangen.
Ja, da muss man aufpassen. Sofern man dabei neutral bleibt und für jeden "Auslöser" zu prüfen versucht, ob der einen Auslöser hatte (Spoiler: Ja, hatte er), ergibt sich das automatisch, weil man sich die gesamte Sinnlosigkeit sofort wieder vor Augen führt. Wie schon ein paar mal geschrieben:
Diejenigen, die die größten Schritte zu verantworten hatten, sind alle lange tot. Von denen wird man keine Gerechtigkeit mehr erwarten können. Diejenigen, die noch Leben und un- oder mittelbar von Leid betroffen sind, hätten rein moralisch Anrecht auf Entschädigungen, die in der Summe weit über alles hinausgehen, was die Gegend zu bieten hat. Auf diesem Weg wird man keine Gerechtigkeit bringen können.
Das einzige, was es noch gibt, ist Frieden und somit Zukunft oder eben nicht. Und es gibt Leute, die nutzen ihren jeweiligen Handlungsspielraum dafür (was in aller Regel zu allererst einen Verzicht auf eigene Ansprüche bedeutet), die sind Teil der Lösung. Und es gibt Leute, die führen Krieg.
Alltagsrassismus ist aber nicht mit Apartheid gleichzusetzen, struktureller Rassismus ebenfalls nicht. Das es diesbezüglich Defizite in Israel, aber natürlich nicht nur dort, gibt, bestreite ich nicht. Aber das ist noch keine Apartheid.
Die Diskriminierung durch israelische Ämter ist kein Alltagsrassismus, wie es ihn zum Beispiel bei uns gibt. Die ist institutionalisiert, auch wenn sie nicht in den Gesetzen steht. Sie mit der südafrikansichen Apartheid gleichzusetzen, trifft den Nagel auch nicht auf den Kopf - es ist, wie so oft in der realen Politik, etwas einzigartiges, dass irgendwo dazwischen liegt und somit nur seinen eigenen Namen zu Recht trägt. Aber ohne Vergleiche kann man neues nun einmal nicht vor Augen führen und der Vergleich ist nicht aus der Luft gegriffen. Insbesondere der Mangel an Schuldbewusstsein innerhal der isrealischen Institutionen ist ziemlich gut vergleichbar und wenn man die Betrachtung auf das gesamte von Israel beanspruchte Territorium ausweitet, dann stimmt die Bezeichnung auf die Palästinenser in den eben nicht palästinensisch kontrollierten Gebieten durchaus.
Auch wenn ich persönlich nicht mit "Apartheids"-Chören durch die Straße rennen würde, teile ich diese Grundansicht: Die Zweitstaatenlösung ist de facto inexistent. Es gibt zwischen Jordanien, Syrien, Libanon und Ägypten genau einen Staat, der heißt Israel und rund vier Millionen von dessen Bürgern unterstehen zwar den Entscheidungen der israelischen Regierung, dürfen diese aber nicht wählen, haben keinen Rechtsschutz, nur eingeschränkten Anpruch auf Privateigentum und massive Einschränkungen bezüglich Grundrechten wie z.B. Wohnsitzwahl, gar keine Reisefreiheit, etc..
Da bin ich weitestgehend bei dir. Sehen aber auch viele Israelis kritisch. Ich denke, für viele spielt die Siedlungspolitik eher eine nachgeordnete Rolle, die radikalen Siedler sind nicht so zahlreich, haben aber eine starke Lobby und sich mittlerweile ja auch in die Regierung einbringen ingen können. Das ist tatsächlich ein Problem.
Die Sache mit der "nachgeordneten" Rolle ist dabei ein erheblicher Anteil des Problems. Israel erweitert systematisch sein Gebiet für neue Wohngebiete, neue Landwirtschaft, etc. - was eine wachsende Bevökerung halt so gut gebrauchen kann. Es pocht zwar nur kleiner Teil pocht aktiv darauf, dass man all dies einfach den Palästinenser wegnimmt, aber alle haben etwas davon, dass es weggenommen wurde. Und nur eine kleine Minderheit hält diesen stetigen Wahnsinn für wichtig genug, um wenigstens mal einem ohnehin korrupten und kriminellen Politiker die Stimme zu verweigern?
Sorry: Völker- und Menschenrechte sind nichts optionales, um dass man sich mal später kümmern kann, wenn doch gerade der eigene Wohlstand so wichtig ist.
de.wikipedia.org
Insbesondere die Anmerkungen zu Artikel 7
Naja, gerade die Anmerkungen sollten doch eigentlich jedem klarmachen, dass formell nicht einmal zum Kampf gegen israelische Juden im allgemeinen aufgerufen wird, geschweige zu einer Vernichtung israelischer Muslime, wie von Treshold behauptet? Die Hamas missbraucht zwar, wie viele Isalmisten, eine auf einige !bestimmte! Juden und auf das jüngste Gericht bezogene Sure, um Mord und Totschlag an allen Juden zu suggerieren. Aber das hat rein gar nichts mit Taten gegen Muslime zu tun und unmittelbar davor, in der von der Hamas selbst formulierten Passage, geht es nur gegen Zionisten.
Und auch wenn dieser Begriff von einigen Antisemiten als Euphemismus für Juden allgemein gebraucht wird und auch wenn es in Deutschland üblich ist, diese Codesprache absolut jedem zu unterstellen, der es wagt, etwas gegen den Zionismus zu sagen, so ist eins doch wohl hoffentlich klar: Die Hamas hat es weder nötig und ist sie geneigt dazu, ihre Meinung zu Israelis beliebiger Art irgendwie zu verschleiern. Wenn eine Charta gegen alle Juden hätten schreiben wollen, dann Stünde da "Juden". Tuts aber nicht, sondern gegen "zionistische Invasoren". Und die folgende Sure erlangt erst Gültigkeit, wenn eine "Jesus" "zurückgekehrt" ist, was sie allen naturwissenschaftlichen Erkenntnissen zu Folge irrelevant macht, was derzeit aber unter den religiösen Hardlinern im Nahen Osten niemand als geschehen beansprucht.
Ich bin vollkommen einverstanden, wenn jemand aus den Taten der Hamas eine Gefahr für alle nicht-Araber in Vorderasien im (ausgeschlossenen) Falle eines Hamas-Sieges ableitet. Aber aus die Charta als Bedrohung für israelische Muslime zu interpretieren ist absurd.
Das ist deine Interpretation. Ich sehe "Bestien" eher als jemanden, der bestialisch agiert. Das trifft nun mal bei den Aktionen der Hamas zu.
(Demokratische) Politiker sind Meister des Wordings, sonst hätten sie im Wahlkampf nie eine Chance. Wenn die bestialische Aktionen bestialisch nennen wollen, dann nennen sie die bestialische Aktionen. Wenn sie stattdessen die Ausführenden als nicht-Menschen bezeichnen, dann geben sie vollkommen bewusst weit mehr als nur ein Statement zu den Ereignissen. Dann äußern sie auch ein Urteil über die Rechte dieser Menschen. Und das Urteil lautet "hat keine Menschenrechte".
Edit: Abschließenden Satz auf Bitten der Moderation entfernt, da er ohnehin nur eine Überspitzung zur Diskussion beitrug, mit der aber nicht alle umgehen können.