Das stimmt ja alles, aber was hat denn sein Tod gebracht? Wenn ich mich schon extrem Gesetzlos in die Politik eines anderen Landes einmische und etwas zum Guten wenden will, muss ich auch mit allen Mitteln dafür sorgen dass nach der "Ablöse" des Regimes alles dafür getan wird um das Land zu stabilisieren, und wenn ich nicht dafür sorgen kann (was nunmal der Fall war, auch in Afghanistan und überall anders wo die USA den Dicken gespielt haben) dann mische ich mich erst gar nicht ein.
Hätten sich die Kerle dort halt untereinander bekriegt, ist doch jetzt nichts anderes! Und unschuldige wären auch nicht weniger oder mehr gestorben dadurch, von demher ist das auch kein Argument.
Da Unten wirds nie ruhig, jetzt schon gar nicht mehr. Wäre ein Hussein oder Osama noch am leben wärs immernoch dasselbe, ob sie nun tot sind oder nicht. Der Tod dieser Personen hat rein gar nichts gebracht..
Also Husseins Tod hat sicher nicht zu einer Verschlechterung der Situation geführt. Zumindest ist das Regime mittlerweile nicht mehr so repressiv und brutal wie Hussein. Natürlich ist nicht alles optimal verlaufen, dennoch muss man auch sagen: Keiner weiß wie man in kurzer Zeit langfristig den Gedanken der Demokratie in der Bevölkerung verankert, die so etwas quasi kaum kennt. Stichwort arabischer Frühling, ich kenne jetzt keinen Staat, in dem da jetzt richtige Demokratie herrscht. In Ägypten ist wieder das Militär an der Macht, in Libyen weiß keiner wer dort jetzt das Sagen hat und in Syrien ist man auch gescheitert.
Also die ganze Situation dort den Amis in die Schuld zu schieben, ist nicht ganz fair. Man hat die Soldaten im Irak ausgebildet, und ein paar Jahre hat es ja auch funktioniert. Natürlich nicht optimal mit dem Premierminister der eine Religionsgruppe unterdrückt hat, dennoch war es dort recht friedlich. Man hat dem Land aber die Möglichkeit gegeben, überhaupt demokratisch zu werden, und das geht nicht von heute auf morgen.
Afghanistan ist wieder eine andere Geschichte.
Dieses Land halte ich, zumindest die Bergregionen, für nicht kontrollierbar. Das liegt zum einen am Gelände selbst, zum anderen an den Paschtunen, zum anderen auch an der Nähe zu Pakistan. Komisch dass niemand darüber spricht, wie Russland in Afghanistan gescheitert ist. Auch in Afghanistan wurden Fehler gemacht, aber solange man sich an die RoE hält, also die Rules of Engagement, wird man dort militärisch nicht gewinnen können. Und auch hier ist wieder die Frage: Wie etabliert man in einer Region, in der die Bildungsstandards sehr niedrig sind und die Religion derart wichtig ist, wo es völlig andere Weltanschauungen gibt, langfristig und möglichst unblutig Demokratie?
Wenn du die Antwort darauf kennst, verdienst du den Friedensnobelpreis.
Allerdings behaupte ich auch, dass ohne ISAF in Afghanistan schon überall die Scharia eingeführt worden wäre. Auch keine tolle Vorstellung oder? Es gibt so etwas wie moralische Verantwortung. Es darf einfach nicht möglich sein, aus reinem religiösen Fanatismus heraus tausende Menschen zu töten, zu foltern und zu vertreiben.
Drehen wir den Spieß um:
Was wäre, wenn die USA nicht eingreifen würden? Die Horrormeldungen aus den Regionen würden nicht weniger werden. Außerdem betrifft es Europa unmittelbar, wenn in der "Nähe" Millionen von Menschen vertrieben werden. Wohin flüchten sie nämlich? Genau, nach Europa, demnach sollte uns sehr wohl etwas daran liegen, dass dort unten keine brutalen Islamisten tun und lassen können was sie wollen.
Den Kopf in den Sand gesteckt hat man beim Bürgerkrieg in Syrien, und das fällt uns jetzt auf den Kopf.