AW: Griechenland arbeitet mögliche Reperationszahlungen von Deutschland auf
Sie
versuchen den Euro zu stabilisieren ist genau die richtige Bezeichnung. "Schaffen" wäre es nicht und ich sehe bislang auch nichts, was das langfristig schaffen würde. De facto übernehmen die Rettungspakete die gleiche Funktion, die bislang ungerechtfertigte Kreditvergaben hatten: Sie halten mehr Geld in Umlauf und für Leute zugänglich, als durch die real existierenden Werte gerechtfertigt ist. Damit stabilisiert man das System, dass die Krise ausgelöst hat - auf Kosten der Staaten, die überhaupt keine Reserven haben, so etwas zu finanzieren. Aber man löst damit nicht die Probleme des Systems. Dafür wären grundlegende Änderungen von Nöten, aber die würden ja zu Lasten der (Finanz)Wirtschaft gehen ...
Zurück zu Griechenland: Vermutlich würde es denen heute nach einem einfachen Staatsbankrott schlechter gehen, ja. (Genau Zahlen, wie sich die operative Bilanz Griechenlands verändert hat, habe ich aber auch nicht finden können.) Es würde aber mittlerweile bergauf gehen. Stattdessen geht es bergab - undzwar vermutlich genau dahin, wo man ohne Hilfspakete schon wäre.
Bezüglich "bedenkenlos gehaushaltet": Griechenland hat so ziemlich genau das gemacht, was das allgemeine System als "gut" unterstützt. Relativ riskante, aber potentiell lukrative Investitionen mit Geld, dass man eigentlich gar nicht hat. Nicht anders haben z.B. die Banken gehandelt, die Griechenland dieses Geld gegeben haben. Die hat ja dann netterweise der deutsche Steuerzahler saniert...
Die Missstände in der Verwaltung des Geldes dagegen mögen peinlich sein, aber wie so oft verpeilen die meckernden Deutschen mal wieder den Unterschied zwischen VWL und BWL: Wenn der Staat seiner Bevölkerung zuviel auszahlt, dann ist das kein verlorenes Geld. Sondern eine Stärkung der Binnennachfrage. Das Griechenland nicht in der Lage war, Renten richtig zu berechnen, ist extrem peinlich. Aber bezogen auf das gesamte Wirtschaftssystem Griechenland hat es keine anderen Auswirkungen, als z.B. die Abwrackprämie, die Deutschland seinen Bürgern ohne angemessenen Grund ausgezahlt hat. Ähnliches gilt auch für die Steuerhinterziehung in Griechenland. Unfair - klar. Aber bis zur Krise haben offensichtlich viele der Betrüger dieses Geld in Griechenland in z.B. Häuser investiert. Bei deren Bau wurde dann vielleicht wiederum was an der Steuer vorbeigeschoben. Aber: Wären sie nicht gebaut worden, hätte der Staat die nicht-Bauarbeiter als Arbeitslose versorgen müssen. Unterm Strich war genau das gleiche Geld im Umlauf und statt Däumchendrehen wurden ein paar Baumaterialien in Häuser verwandelt. Schaden fürs Gesamtsystem?
Ergänzung: Verloren geht bei solchen Dingen in erster Linie Einfluss (das Haus hat jetzt nicht jemand, den man belohnen wollte, sondern ein geschickter Betrüger), aber solange das Geld nicht ins Ausland abfließt, muss es insgesamt nicht zu einem Verlust kommen.
Korruption und allgemein geringe Produktivität ist schon eher ein angemessener Vorwurf. Aber vielleicht einer, den man nicht nur zielgerichtet in Richtung Griechenland schwingen sollte, solange die Lobbybudgets in Deutschland vermutlich über denen einiger griechischer Ministerien liegen

. Einer der größeren Korruptionsfälle z.B. sind bis zu 55 Millionen, die im Rahmen von Rüstungsgeschäften geflossen sein sollen. Geschäfte über deutsche Uboote im Umfange von 2 Milliarden....