Ich möchte nochmal wiederholen, was ich in einer anderen News zu den Preisen geschrieben habe und warum ich glaube, dass Jensen genau diese Methode gerade anwendet - um uns an die Preise zu gewöhnen:
In nächster Zeit passiert folgendes:
Egal wie absurd der Preis ist, je mehr wir darüber schreiben, denken, reden, argumentieren, es abtun, versuchen zu kaufen, fehlschlagen usw. umso mehr beschäftigen wir unser Hirn damit und umso mehr gewöhnt sich jeder daran.
Das Resultat sah man vor 2 Jahren bei der 4090 - zuerst wochenlang, nein monatelang als völlig absurd und absolute Frechheit von 95% der hiesigen Enthusiasten (auch hier) abgetan, wurde es nach einer Weile als Normal akzeptiert.
Das ist Psychologie - und je mehr wir hier drüber schreiben, umso mehr finden mit der Zeit 2.000-2.500,- gerechtfertigt für eine 5090 - denn es gibt ja sogar noch frechere 3k Modelle. Und es „gab“ Scalper, die 6.000,- verlangten.
So funktionieren wir Menschen.
Das läuft schon seit Jahrzehnten beim Beispiel Apple phänomenal. Es weckt ja auch eine Art „Begehrlichkeit“ und wird zum Status „Leute seht, ich kann’s mir leisten!“
Verknappung weckt Begehrlichkeit. Jensen weiß das (und versorgt uns erst dann ausreichend, wenn die Phase der Akzeptanz erreicht ist)
Es sind wie immer mehrere Dinge, die zusammenkommen:
- die Herstellungskosten für solche Chips sind exorbitant gestiegen.
- und ja, die Menschen sind auf Ersatzbefriedigung durch Kommerz mit all den dazugehörigen Mechanismen konditioniert. Aber eben nicht nur. Dieses Hamsterrad stumpft trotzdem mit der Zeit ab und das Gehirn fängt sich an umzuorientieren.
- die Computerspielbranche ist exorbitant kommerzialisiert worden und am sichersten und ohne Verantwortungsrisiko für die allgemeine Managerriege ist das Geschäft eben dann, wenn man bewährten Wein leicht skaliert in neuen Schläuchen verkaufen kann .. sprich: ausgelutschte Konzepte jetzt nochmal mit Path-Raytracing und noch mehr glänzendem Stahlbeton, Asphalt und Pfützen anbietet.
Echte Kreativität ist unregelmäßig, nicht erzwingbar und damit unzuverlässig und von Erbsenzählern großer Unternehmen nicht per PowerPointActionPlan normierbar, aber ein Assassins Creed 27 Augfuß mit Raytracing schon. Sowas funktioniert aber immer nur begrenzt lange. Geld liegt nicht unendlich bei der Kundschaft rum. Und wenn etwas langweilig geworden ist, ist es auch in Hochglanz genauso langweilig. Gehirne sind aber von Natur aus neugierig, weil sie (oft sogar im Gegensatz zu ihrem Besitzer) was lernen wollen statt immer nur das gleiche zu tun/sehen.
Das hat letztlich auch Hollywood mit seinen endlosen Marvel-CGI-Gedöns das Genick gebrochen und wird es der Gaminingbranche auch, wenn das nicht schon geschehen ist. Mir macht genau deshalb mein Hobby PC-Gaming auch immer weniger Spaß. Es geht eigentlich heutzutage nur um Grafik-Schein statt um neues Verstehen, Lernen und geistige Bereicherung. Und für die alten, oft interessanteren Spiele braucht man keine teure TopHardware.
Wenn ich perfekte Grafik haben will, schnappe ich mir meinen Hund und einen Feldstecher und gehe raus in die Natur und erkunde die Felder und Wälder der Umgebung oder steige auf mein Motorrad oder nehme mein Gewehr und geh in den Verein auf den Schießstand.
Ich habe heute noch kein iPhone, obwohl ich in der Firma, für die ich arbeite, sogar recht viele Chips für die iPhones mit herstelle. Ich komme mit der gated Commerce-Church of Apple einfach nicht klar... allergische Abwehrreaktion.
Und bei meiner 4090 bin ich auch nach 2 Jahren immer noch hin und hergerissen, ob der Kauf nun letztlich gut war oder nicht. Einerseits tolle Technik mit bisher uneinholbarer echten Rechenleistung und einer geil großen VRam-Menge und ich habe damit die nächsten Jahre Aufrüstruhe. Anderseits tat der Preis schon sehr sehr weh für nur ein Hobby-PC-Bauteil. Bisher bin ich für mich erstmal nur zu dem Schluß gekommen, daß ich so einen Kauf definitiv nicht nochmal wiederholen werde.
Letztlich entscheidet aber immer die Stärke deines "Ichs", ob und wie weit du dich irgendeiner Gruppennorm unterwirfst, mitmachst oder ihr widerstehst und deinen eigenen Weg zu gehen in Lage bist. Muß ich eigentlich immer irgendwo dazugehören und mitziehen oder kann ich sowas auch hinterfragen, weils mir eigentlich nichts mehr an Mehrwert bringt und ich mit dem, was ich habe, glücklich bin? Fressen mich meine niederen Triebe wie Ungeduld, Habsucht, Gier, Missgunst und Neid auf, wenn jemand bessere Dinge in seinem PC eher stecken hat als ich, und muß ich da jetzt unbedingt konkurrieren oder bin ich innerlich eben charakterstark genug, dem zu widerstehen und mit dem zufrieden zu sein, was ich habe und was eigentlich ja auch noch dicke ausreicht.
Und auch wenn, wie du sagst, Jensen Begehrlichkeit und damit höhere Preise durch Verknappung erreichen will. Er ist mit seinem Massenprodutionsbetrieb den Marktmechanismen unterworfen. Er muß der Masse Massen verkaufen. Wenn die Masse sich also daran gewöhnt, daß seine Massenprodukte unbezahlbar sind, kann er ihr nichts mehr verkaufen und sein Unternehmen geht letztlich zugrunde. Es gibt überall zweischneidige Entwicklungen zu bedenken.
Aktuell hat er ein Wachstumsgrenzen-Problem: die Chipentwicklung stagniert bzw. wird aufgrund ihrer Die-Größe und dem dadurch gesetzmäßig krassen Yieldverlust und dem eingesetzten Maschinen-, Chemie-und Energieaufwand schweineaufwendig und -teuer und er muß deshalb jeden Mikrostep als DAS NEUE ARIEL, was dank zweifelhaftem KI-Gedöns und MultiFakeFrames, jetzt noch weißer wäscht als das alte *hust*, verkaufen. Solche Verkaufsmechanismen funktionieren nur, solange sie unterschwellig - also bei Preisen, die nicht wirklich weh tun - bleiben. Da denkt der Mensch aus rational-ökonomsichen Gründen nicht viel nach. Aber es funktioniert eben nicht mehr, wenn der Preis anfängt richtig weh zu tun und deshalb das Gehirn aufweckt.