B-Ware ist immer ein Sonderfall und selten vollständig dokumentiert, erst Recht nicht mit vollumfänglicher Erläuterung für DAUs. Wer nicht die nötigen Sachkenntnis hat, um die Bedeutung eines deklarierten Mangels einzuschätzen, der sollte keine B-Ware kaufen oder muss halt damit leben. Das ist vergleichbar mit einem Auto, das als "Unfallfahrzeug, instandgesetzt" angeboten wird.
Von "Ausnutzen" der Marktlage würde ich auch nicht sprechen, obwohl der Preis sicherlich grotesk ist. Aber was wäre denn die Alternative? Diese Karte vom Markt zu nehmen und vernichten, würden die Lage sicherlich nicht entspannen.
tl;dr: Die Karte ist fehlerhaft und gehört zurück an den Hersteller.
Es ist interessant, dass du den Vergleich mit dem Auto ziehst, denn auch hier gibt es klare rechtliche Regelungen. Einem Fachhändler wird stets eine umfassende Expertise zugeschrieben, während einer Privatperson in den meisten Fällen die entsprechende Fachkenntnis abgesprochen wird. Daher ist der Händler verpflichtet, auf alle Mängel und deren Auswirkungen hinzuweisen sowie diese idealerweise schriftlich oder anderweitig zu dokumentieren. Es wird quasi vorausgesetzt, dass eine Erläuterung für "DAUs" erfolgt. In dem genannten Beispiel hat Alternate dies in meinen Augen ausreichend getan. Dennoch wäre es wünschenswert, wenn der Kunde vor dem Kauf oder spätestens vor dem Versand noch einmal ausdrücklich über den Zustand des Produkts informiert wird und schriftlich bestätigt, dass er das Produkt in diesem Zustand erwerben möchte. Dies dient nicht nur dem Kunden, sondern auch dem Händler, um sich bei eventuellen rechtlichen Auseinandersetzungen entsprechend absichern zu können.
Darüber hinaus ist die genannte RTX 5090 per Definition keine B-Ware. Anders als bei klassischer B-Ware oder einem instandgesetzten Unfallfahrzeug wurde diese Grafikkarte nicht in einen neuwertigen Zustand zurückversetzt.
Diese Mängel können beispielsweise Kratzer, Dellen oder beschädigte Verpackungen sein. Trotz dieser Makel sind B-Ware-Produkte voll funktionsfähig. -per Definition
Im Gegenteil, sie weist nicht nur fehlerhafte Komponenten auf und bietet somit eine geringere Leistung als ein reguläres Modell, sondern sie ist darüber hinaus irreparabel. Ein vergleichbares Szenario im Automobilhandel wäre kaum vorstellbar: Ein Fahrzeug mit Motorschaden, dem ein Zylinder fehlt und das daher 15 % weniger Leistung erbringt, würde nicht als voll funktionsfähig mit potenzieller Gewährleistung verkauft werden. Solche Fahrzeuge werden ausnahmslos als defekt deklariert. Die Rechtslage ist in diesem Bereich glücklicherweise sehr eindeutig, sodass sich gewerbliche Händler bewusst sein müssen, was sie verkaufen dürfen und was nicht. Alternate hat diesbezüglich bereits Stellung bezogen und eingeräumt, dass diese Karte so nicht hätte verkauft werden dürfen, eine richtige Entscheidung, da es keine andere vertretbare Lösung für diesen Fall gibt.
Auf der anderen Seite will ich mir kaum vorstellen, wie Nvidia sich einem Händler gegenüber verhalten würde, oder wie es vielleicht bereits geschehen ist, wenn diesem vorgeworfen würde, wissentlich aus Profitgründen Karten zu verkaufen, die den versprochenen Standards nicht entsprechen und somit potenziell den Ruf der Marke Nvidia schädigen. Sollten solche Vorwürfe erhoben und eventuelle Entschädigungsforderungen rechtskräftig gemacht werden wollen, stünde der Händler vor erheblich anderen Konsequenzen.
Letztendlich erscheint die gesamte Diskussion darüber, ob solche Karten mit fehlenden ROPs verkauft werden können, weiterhin als sehr fragwürdig, insbesondere, wenn dies nur geschieht, um langwierige Rückabwicklungsprozesse mit den Board-Partnern zu vermeiden. In diesem Fall kann auch nicht mehr das Argument der wirtschaftlichen Nachhaltigkeit angeführt werden.
Die angespannte Marktlage ist weder dem Kunden noch dem Händler anzulasten. Das der Händler versucht ein probates Mittel zu finden um seine Geldwerte doch an den Kunden zu bekommen, ist nachvollziehbar, jedoch fragwürdig, sofern dies auf Kosten der Transparenz und Kundenzufriedenheit geschieht. Der eigentliche Fehler liegt vermutlich bei Nvidia, sei es durch mangelhafte Qualitätssicherung oder durch die bewusste Entscheidung, fehlerhafte Produkte auf den Markt zu bringen. Dies bleibt spekulativ, doch der Fakt ist: Die Karte ist fehlerhaft und gehört zurück an den Hersteller.