Irgendwie enthält die News eine Falschauslage der Fakten.
Denn AMD ist derzeit effizienter. [...]
Die Aussage gilt aktuell einzig bzgl. des Gesamtdesigns, also
inkl. der Fertigung und des Layouts und auch hier lediglich bzgl. der reinen Rasterizer-Leistung. *) Nimmt man es genau, kann man aktuell gar nicht mal gesichert sagen ob RDNA2 architektonisch effizienter ist (
vermutlich eher nicht; bestenfalls eher auf Augenhöhe), was schlicht und einfach daran liegt, dass hier (
wie auch in der Gen zuvor) ein älterer und kosteneffizienterer Node bei nVidia gegen einen modernen Node bei AMD verglichen wird. Konkret wird hier ein optimierter 10nm-Node von Samsung gegen einen optimierten 2nd-Gen-7nm-Node von TSMC verglichen. **) Nennenswerte Effizienzvorteile bei RDNA2 sind hier also zwangsweise zu wesentlichen Teilen auf den Fertigungsprozess zurückzuführen. Hinzu kommt weiterhin, dass nVidia ein anderes Speichersubsystem nutzt, das ebenso mehr verbraucht, ihnen aber auch mehr Flexibilität beim Kartendesign bietet, ebenso etwas, was von der reinen Architekturbetrachtung zu subtrahieren ist.
Unterm Strich ist das aktuell sehr schwer zu bewerten, Erst wenn die NextGen-Produkte veröffentlicht wurden, wird man direktere Vergleiche anstellen können, da voraussichtlich beide in "5nm" fertigen werden. ***)
Das einzige was man jetzt festhalten kann ist:
a) Ob das
Gerücht zutrifft oder nicht ist unklar, denn bereits in 2020 nagelten sowohl nVidia als auch AMD regelrecht in Panik verfallen ihre GPUs komplett zu, minimierten den Informationsfluss und hielten selbst eine Zeit lang den Boardpartnern vollständige Benchmark- und Testmöglichkeiten vor um etwaigen Leaks vorzugreifen. Entsprechend kann das Gemeldete hier auch nur heiße Luft sein.
b) Wenn nVidia tatsächlich nur geringfügig an der Architektur erweitern sollte, heißt das in erster Linie eines: Dass man die Konkurrenzsituation analysiert hat und zu dem Schluss kam, dass schlicht und ergreifend nicht mehr notwendig ist um die Konkurrenz in Schach zu halten. Dagegen ob diese Bewertung korrekt ist oder nicht, ist ein ganz anderes Thema, aber die werden sicherlich weitaus mehr Möglichkeiten und um ein Vielfaches mehr KnowHow haben um das zu analysieren, als es hier die hiesige Klientel vermag. Wenn die also meinen mit einem monolithischen Design und ggf. gar nur vergleichsweise geringfügigen Architekturerweiterungen an den Start gehen zu können, darf man denen erst mal unterstellen, dass die einen guten Grund für ein derartiges Vorgehen haben.
*) Beim Raytracing und ML-Workloads ist Ampere selbst unter Verwendung des "schwächeren" Fertigungsprozesses absehbar besser aufgestellt, was einerseits an der besseren Raytracing-Implementation bei nVidia liegt und andererseits an der dedizierten ML-Hardware.
**) Samsung s Äquivalent zu TSMCs 7nm-Prozessen ist der 7LPP; der 8LPP (
nVidia nutzt den als "8N") gehört immer noch zur 10nm-Klasse und weist auch dementsprechend "schlechtere" PPA-Charakteristika auf.
***) Hier ist dennoch immer noch nicht gesichert, dass die Consumer-Fertigung auch bei TSMC stattfinden wird. Bei Samsung müsste nVidia für einen in etwa vergleichbaren Noden dagegen schon den 4LPE verwenden, denn Samsung's erster 5nm-Prozess kommt nicht ganz an TSMCs N5-Prozesse heran. (
Beispielsweise die maximal erzielbare Logikdichte ist deutlich geringer.)
Am Ende ist die Betrachtung eigentlich relativ einfach und leider ebenso ernüchternd: Solange nicht einer der beiden (oder drei) eine deutlich effizientere/leistungsfähigere Architektur aufweisen kann und danach sieht es derzeit nicht aus, wird man für Leistungsniveau X schlicht und ergreifend Y ALUs/Transistoren/Wafer-Flache benötigen. Wenn beide ein vergleichbares Fertigungsverfahren verwenden, kommt das am Ende auf eine vergleichbare aktive Transistor/Wafer-Fläche heraus, d. h. das Silizium wird in etwa vergleichbar viel Abwärme erzeugen, d. h. es spielt keine nennenswerte Rolle, ob man hier mit 1 x 720 mm2 oder bspw. 2x 360 mm2 ums Eck kommt und entsprechend kolportiert man ja auch für das AMD-MCM-Design eine beträchtlich gesteigerte Verlustleistung.
Die flexiblen Faktoren sind im Wesentlichen: 1) welches Verfahren wird nVidia tatsächlich nutzen, 2) bleibt man beim bisherigen Speichersubsystem und welche Optimierungen hat Micron mit ihrer 2nd Gen des PAM4-GDDR6 beigesteuert und 3) welche Zielsetzung konkret hat nVidia hier bzgl. der Gewichtung Marge, Gewinn, Leistungskrone und Halo-Produkte gesetzt.
Unter normalen Umständen hätte ich mir vorstellen können, dass nVidia erneut die kosteneffizientere Schiene fährt und sich mit dem schwächeren 5LPE von Samsung zufrieden gibt und dafür mehr auf einer Pro-Chip-Basis verdient, da sie Leistungstechnisch vermutlich noch ausreichend Reserven haben um auch damit konkurrieren zu können.
Dieses Jahr wird aber anscheinend kein so "normales" Jahr werden, da nach dem bisherigen (Gerüchte)Stand man hier mit einem monolithischen (
und daher einfacher und voraussichtlich auch kosteneffizienteren) Design gegen RDNA3 als MCM-Design antreten will (
AMD braucht hier schlicht das MCM-Design, weil derart große, monolithische Designs mit ihren kleinen Marktanteilen für sie weitaus unwirtschaftlicher als für nVidia sind). Und hinzu kommt auch noch Xe-HPG 2nd Gen, das ebenso ein MCM-Design im HighEnd wird und hier weiß man (
zumindest wir, nVidia vielleicht schon?) noch nicht einmal welchen Prozess das Design nutzen wird (
im worst case für die Konkurrenz den N3; was aber aus kostentechnischer Sicht eher nur mit kleiner Wahrscheinlichkeit zutreffen wird).
Entsprechend ist schon die Frage, ob nVidia derart pokert und es auf die Spitze treibt, indem sie nur mit etwas wie dem 5LPE ums Eck kommen, Kostenvorteile hin oder her. Entsprechend darf man hier im Consumer-Segment (mindestens im HighEnd) auf die Verwendung von Samsung s 4LPE oder TSMCs N5(P) spekulieren, denn andernfalls könnte man doch zu knapp geplant haben und sich am Ende verspekulieren und die Marktführerschaft wird man sicherlich nicht derart leichtfertig abgeben wollen. *)
*) Wobei nur im bildlichen Sinne, da selbst wenn RDNA3 Lovelace haushoch schlagen würde, es Jahre dauern würde, bis man nVidia derart viele Marktanteile abgenommen hätte, dass man von einer Marktführerschaft bei AMD sprechen könnte.
(
Ergänzend: Das "haushoch" kann man schon mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit per se ausschließen, denn das würde nVidia als Marktführer nicht zulassen und hätte stattdessen auf ein alternatives, konkurrenzfähigeres Design für seine NextGen gesetzt. - Anscheinend hält man das dort jedoch für unnötig.)