AW: Fachkräfte aus dem Ausland - gut oder schlecht?
Wie ihr sicher mitbekommen habt, ist zur Zeit eine heftige Debatte über das Thema "Fachleute aus dem Ausland". Viele Firmen wollen, dass es unkomplizierter wird, Fachkräfte aus dem Ausland nach Deutschland zu holen. Jetzt ist eure Meinung gefragt, was haltet ihr davon?
Ich persönlich finde das eine ziemliche sauerei, man sollte besser das Bildungssystem in Deutschland verbessern, dass die deutschen Unternehmer auch deutsche Fachkräfte einstellen zur Verfügung haben.
Was ist eure Meinung dazu?
Da bin ich ausnahmsweise mal ähnlicher Meinung:
Es kann nicht sein, das alle naslang die Politik die Fehler der Wirtschaft ausbessern muss. Wir haben heute eine riesen Diskussionsdebatte eine ganze Menge Probleme, weil die Wirtschaft in den 50ern und 60ern billige Arbeitskräfte wollte. In den 90ern wollte sie "Computerinder", die mitlerweile z.T. auf der Straße sitzen. Mir ist ziemlich egal, was sie jetzt wollen - aber entweder wenn sie es sich nicht selbst ausbilden wollen, dann würde ich ihnen erstmal die alten staatlichen Maßnahmen in Rechnung stellen.
Es gäbe da z.B. Bedarf an nachträglichen Integrationsprogrammen für eine mittlerweile 6 bis 7 stellige Zahl von Menschen, die man irgendwann mal in billigen Wohngethos endgelagert hat...
Und bitte keine Kommentare zum schlechten Bildungsstand der deutschen Schüler, die man ja gar nicht ausbilden könnte:
Jeder Unternehmer ist herzlich willkommen, seinen Anteil zu einer 50-100%igen Erhöhrung des Bildungsetats beizutragen, damit Klassengrößen wieder auf ein Maß reduziert werden können, das nachweislich (siehe deutsche Privatschulen, siehe diverse skandinavische Beispiele) eine effektive Förderung ermöglicht.
Solange man seitens der Wirtschaft ein Parallelsystem von staatlichem Sozial- und Bildungssystem und Wirtschaft sieht, wobei letztere nicht mal an den Kosten ersteren beteiligt sein soll, braucht man sich auch nicht zu wundern, wenn man eben nicht Teil des Sozial- und Bildungssystem ist und nicht ständig auf dessen Vorteile Zugriff hat.
Heikler finde ich andere Ansaetze, die derzeit aus Berlin zu hoeren sind. Da sollen etwa die Anerkennung auslaendischer Abschluesse vereinfacht werden: nach Scheinehen und aus Gefaelligkeit ausgestellten Fuehrerscheinen koennten nun getuerkte

Diplome anstehen. Auf diese Weise liesse sich der Anteil der gering bis gar nicht qualifizierten auf dem Papier signifikant verringern - das eigentliche Problem bliebe hingegen bestehen.
Da müsste man die konkrete Umsetzung abwarten. Eine Gleichsetzung mit deutschen Abschlüssen oder eine Akzeptanz ohne Prüfung sind sicherlich der falsche Weg.
Es ist aber ein bekanntes Problem (auch z.B. für Integration - warum sollte man eine Kultur anerkennen, die sich weigert, auch nur die eigenen Urkunden anzugucken?), dass rechtmäßige ausländische Ausbildungen nicht anerkannt werden, weil sie nicht ganz den deutschen entsprechen.
Fiktives, erfundenes Beispiel: Einem iranischen Ingenieur fehlen aufgrund seiner 6 Monate küzeren Ausbildung minimale theoretische Kenntnisse im Vergleich zu einem deutschen Ingenieur am Ende seiner Ausbildung. (die er ggf. noch vollständig durch mehrjährige Berufserfahrung kompensieren kann). Er wäre für sämtliche Aufgaben geeignet, mit denen der deutsche in seinen ersten 10-20 Berufsjahren betraut wird. Aber: Da im deutschen System nur ein "Ingenieur" nach deutscher Definition einer Ingenieurstätigkeit nachgehen darf, arbeitet er als U-Bahnfahrer. Verschwendung von Kompetenz wegen Bürokratie.
P.S.:
Studienabschlüsse auf Universitätsniveau werden ironischerweise vom Staat problemlos anerkannt, obwohl da ziemlich oft ziemlich deutlich und allgemein bekannt ist, dass man bei vielen Ländern froh sein kann, wenn ein dortiger Bachelor die Kenntnisse eines deutschen Abiturienten voll abdeckt. Aber: Weil die Abschlüsse den gleichen Namen tragen und in vergleichbarer Zeit erlangt wurden, gelten sie als gleichwertig. Ein Hoch auf die Bürokratie.
Und dann soll auch noch die Mindestverdienstgrenze fuer einen dauerhaften Aufenthalt von heute € 66.000 auf € 40.000 gesenkt werden. Das ist nicht nur offenkundiger Bloedsinn -wer mit 66T nicht ins Land gekoedert werden konnte, wird fuer 40T auch nicht kommen-, es ist auch ziemlich durchsichtig: weil es das Einkommensniveau der qualifizierten Arbeitnehmer aushoehlen soll.
Glaubst du, die deutsche Wirtschaftslobby stellt solche Forderungen, weil es gar keine deutschen Fachkräfte gäbe?
Nö. Das Problem ist, dass diese (mangels Ausbildungsmöglichkeiten) selten und teuer sind. Und international nachgefragt. Für die, die es über die ganze Integrationsdebatte verpasst haben: Deutschland ist mitlerweile sogar netto Auswanderungsland. Und die, die da gehen, sind hochqualifizierte Fachkräfte, denen im Ausland einfach mehr geboten wird, weil die deutsche Ausbildung z.T. einen sehr guten Ruf genießt. Lösungsansatz der Wirtschaft: Dann nehmen wir halt die billigen Fachkräfte aus Osteuropa und 2. Weltstaaten. Hauptsache keinen Cent mehr bezahlen.
(an der Lösung der Ursache arbeitet die Politik aber bereits. Dank Bachelor/Master, Studiengebühren und Stellung von Parteiinteressen über Bildung&Forschung dürfte sich der zu gute Ruf mittelfristig erledigt haben, vielleicht bleiben dann wieder genug Fachkräfte hier. Dann können die importierten auch vorurteilsgerecht aufs Arbeitsamt verlagert werden

)