Die Unterschiede zwischen Level 3, Level 4 und Level 5 bestehen fast ausschließlich aus Software. Fahren können müssen alle drei selbständig, nur die abzudeckenden Straßenverhältnisse unterscheiden sich gewaltig: Level 3 darf jederzeit sagen "sorry, bin zu blöd dafür, der Mensch trägt ab gleich die volle Verantwortung", Level 4 soll diese Entscheidung bereits vor der Fahrt/anhand der Routenplanung treffen und Level 5 müsste jede denkbare und nicht denkbare Verkehrssituation erkennen und verstehen können, ohne darauf zu hoffen, dass ein beliebiger Mitfahrer in schwierigen Fällen fehlerfrei übernehmen kann.
Abgesehen von optisch schwierigen Wetterbedingungen, die eventuell zusätzliche Sensoren erfordern, ist das aber eigentlich keine Frage der Rechenleistung. Menschliche Fahrer brauchen ja auch keine zwei weiteren Gehirne, wenn sie von der Autobahn in die Innenstadt wechseln, sondern nur vernünftige Algorithmen, die eine Umgebung tatsächlich verstehen. Daran scheitern selbstfahrende Autos bislang, obwohl auch mit der derzeitigen Rechenleistung mehr Bildpunkte und sonstige Sensordaten ausgewertet werden, als sie einem Menschen überhaupt zur Verfügung stehen.
So, wie ich die bisherige Entwicklung aus meinem Berufsumfeld mitbekommen hab, macht es schon einen erheblichen Unterschied in der benötigten Rechenleistung.
Beim PC ist es egal, ob eine Berechnung mal ein paar dutzend ms später ankommt.
Bei Automotive Controllern reden wir von Zeitplanung von jedem Thread in einstelligen ms Bereichen selbst für Systeme, die keinerlei Sensorik nach außen haben.
Diagnose Threads sind da im Vergleich langsam und schlagen im Bereich von 2-5 Perioden vom eigentlich maximalen Zeitraum für ein erwartetes Ergebnis an.
Der Sprung von Level 3 auf 4 ist damit schon recht groß, was die Rechenlast angeht - aber nicht zeitkritischer, als Level 3 und dank Vorausberechnung kommt da einfach Wartezeit dazu.
Bei Level 5 kommt einiges an Erfassung, Berwertung und Tracking von Objekten in Echtzeit dazu - und das redundant von mehreren Sensorquellen.
Bei Level 3 kann sich ein Hersteller noch rausreden, dass es "nur" ein Assistenzsystem (Wie z.B. Notbremsassistent, Spurwechselassistent, ACC...) ist und kommt wahrscheinlich mit einer ASIL-B Einstufung davon.
Level 5 ist allerdings sehr eindeutig ASIL-D.
Daraus ergeben sich sehr hohe Anforderungen an Redundanz der Berechnung und der Eingangssignale.
Allein dadurch reicht ein einziger Xavier nicht mehr aus. Drive PX hat nicht umsonst 2 davon.
Je nach erkannter "Gefahr" (Hindernis, Änderung der Wetterlage etc.) muss dann innerhalb von zweistelligen ms Zeiträumen eine Reaktion ausgelöst werden, die dann selbst noch ein paar hundert ms dauern kann (Je nach Reaktion). Selbst die besten Bremsen brauchen eine endliche Zeit für den Druckaufbau.
Dabei darf dann der Notbremsassistent sagen "Die Sonne Blendet..." oder "Scheibe dreckig" und aussteigen - pech für den Fußgänger, aber erlaubt.
Ein Level 5 System darf das nicht mehr.
Es kann sich auch keine Phantombremsungen erlauben, die wir aktuell immer wieder bei diversen Herstellern sehen (Mein Touareg ist da nicht der einzige aus dem VW Konzern. Meine ZOE ist da "robuster" und hat bisher nur zweimal falsch gemeckert. Volvo hat es wohl besser im Griff)
Kurz gesagt: Es müssen mehr Informationen im gleichen, oder kleineren Zeitfenster verarbeitet werden - und das redundant.
Daher kommt man nicht um mehr Rechenleistung herum.