DNA-Moleküle erfolgreich als digitale Datenspeicher eingesetzt

L.B.

BIOS-Overclocker(in)
DNA-Moleküle erfolgreich als digitale Datenspeicher eingesetzt

Die Speicherung und vor allem Archivierung großer Datenmengen spielt in der heutigen Zeit eine große Rolle. Es werden riesige Rechenzentren mit magnetischen Festplatten oder magnetischen Speicherbändern benötigt, die wenig energieffizient arbeiten und im Falle von Magnetbändern zudem regelmäßig neu beschrieben werden müssen, um die Daten über längerer Zeiträume zu konservieren. Eine mögliche Alternative zu herkömmlichen Magnet-Speichern könnte die Speicherung von Daten in DNA-Molekülen darstellen.

Zwar kann die Information, die innerhalb eines solchen DNA-Moleküls gespeichert ist weder überschrieben werden, noch kann ein einzelner Zugriff auf eine spezielle Information innerhalb des Moleküls erfolgen, dennoch bringt die Verwendung eines DNA-Moleküls einige entscheidende Vorteile mit sich – so zum Beispiel eine sehr hohe Datendichte. Diese ist dadurch bedingt, dass die Information auf atomarer Ebene innnerhalb einer Sequenz vierer verschiedener Basen im Molekül kodiert ist. Zum anderen bietet sich die Verwendung von DNA aufgrund ihrer langen Haltbarkeit an. Informationen, die einmal in einem DNA-Molekül gespeichert sind, bleiben bei ordnungsgemäßer Lagerung über Zeiträume von mehreren Jahrtausenden erhalten.

Einer Forschergrupper um Nick Goldmann am Europäischen Bioinformatik-Instituts (EBI) gelang es nun erstmals, digitale Daten in einem DNA-Molekül zu speichern und anschließend wieder auszulesen. Hierzu verwendeten sie synthetisch erzeugte DNA.
Besonderes Augemerk bei der Kodierung der Daten im DNA-Molekül legten die Forscher auf die Vermeidung von Fehlern beim Lesen bzw. Schreiben der Information. Hierzu bot sich als einfache Lösung die Speicherung der Daten in einem Ternärsystem an, das anders als herkömmliche digitale System nicht auf Bits mit den möglichen Zuständen 1 und 0, sondern auf sogenannten Trits mit den Zuständen 0, 1 und 2 basiert. Dieses System konnten die Forscher auf die vier im DNA-Molekül verwendbaren Basen übertragen, wobei je eine der drei zur Verfügung stehenden Basen für einen Zustand des Trits standen. Die vierte Base diente lediglich dazu, das Ende eines Trits zu markieren. Eine weitere Maßnahme zur Vermeidung von Schreibfehlern war die Speicherung der jeweils letzten 75 Prozent eines Strings, also eines Datenpakets, in den nachfolgenden String.

Auf diese Weise speicherten die Forscher fünf Dateien, die sie zuvor mit dem Huffman-Algorithmus vom Binär- in das Ternärsystem konvertiert hatten, in insgesamt 150.000 Datenstrings, die jeweils mithilfe von 117 DNA-Basen kodiert waren. Bei den Daten handelte es sich unter anderem um ein übliches PDF-Dokument und um eine 30 Sekunden lange MP3-Datei.
Die Synthese des DNA-Moleküls erfolgte mithilfe einer Art Tintenstrahldrucker, welcher die jeweiligen Basen auf einen Träger druckte.

Die DNA-Sequenz konnte anschließend in Form eines Pulvers bei Raumtemperatur und ohne spezielle Verpackung verschickt werden. Im Hauptquartier des EMBL in Heidelberg wurde die DNA anschließend mithilfe herkömmlicher Laborausrüstung auf einen Computer dekodiert. Von den fünf Dateien waren vier Stück lesbar und unversehrt, lediglich eine der Dateien musste repariert werden.

Die Überlegenheit dieser Form der Speicerhung von Daten demonstrieren die Forscher in einer Beispielrechnung. So sei es aufgrund der hohen Datendichte möglich, eine Datenmenge mit einer Größe von zwei Petabyte in einem einzelnen Gramm DNA zu speichern. Rechnet man diesen Wert hoch, so könnten in einer normalen Kaffeetasse voller DNA etwa 100 Millionen Stunden HD-Videomaterial gespeichert werden.

Derzeit sei das Verfahren für einen Einsatz im großen Stil allerdings noch nicht wirtschaftlich genug. Die Forscher sind jedoch davon überzeugt, dass die Kosten für die Synsthese von DNA innerhalb der nächsten Jahre um den Faktor 100 sinken könnten, was einen kostengünstigen Einsatz der neuen Technologie ermöglichen würde.

Quelle: physicsworld.com
 
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Tolle News :daumen:
Zu den aktuellen Kosten weißt du aber nicht zufällig ne in etwaige Summe?
Krass, wir hatten in der Schule kürzlich im Biologieunterricht die menschliche DNA u. die Basentriplets, ich hätte nie gedacht, das man die künstlichen Aminosäuren (das sind doch Aminosäuren, oder?) zum Speichern von Daten verwenden kann.
Ich glaube aber, dass 1g Aminosäure selbst aktuell viel zu teuer wäre.
Man muss es aber auch mal von der Seite her sehen: Wenn man Aminosäuren günstig in Masse produzieren könnte, dann würde man diese warsch. eher zum "herstellen" von Lebewesen u. vorerst Einzellern nutzen.
Ich will gar nicht daran denken, bis "künstliche" Menschen iwann evtl. hergestellt werden u. diese sozusagen über den Aminosäuren-Speicher u. nem Chip so programmiert werden, wie man sie will :ugly:
 
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Eine Summe weiß ich nicht. So teuer wird es aber auch nicht sein, denn der eigentliche Herstellungsprozess der DNA besteht ja nur aus dem Drucken der entsprechenden Reagenzien auf ein Trägermaterial. Es ist halt noch nicht effektiv in großem Maßstab einsetzbar. D.h. Google wird sich jetzt nicht hunderte DNA-Drucker kaufen und YouTube-Videos auf DNA-Moleküle schreiben. Das wird bisher alles noch mit Magnetbändern realisiert.

Ich habe Bio abgewählt, aber Aminosäuren sind es definitv nicht, denn es sind ja Basen (irgendwelche cyclischen Kohlenwasserstoffe). Diese herzustellen dürfte kein Problem und auch nicht sehr teuer sein. Aber es geht ja auch gar nicht um die Herstellung von Lebewesen, sondern darum, digitale Daten durch die Nukleinbasen in einem DNA-Molekül zu kodieren.
 
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D.h. Google wird sich jetzt nicht hunderte DNA-Drucker kaufen und YouTube-Videos auf DNA-Moleküle schreiben. Das wird bisher alles noch mit Magnetbändern realisiert.
Die Magnetbänder sind ja eigentlich zur Archivierung gedacht, da kann man ja nicht einfach wie auf einen Wechseldatenträger zugreifen.
sollen diese DNA-Moleküle irgendwann also auch zur Archivierung eingesetzt werden oder sogar als Festplatten/SSD Ersatz dienen?
 
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Nach dem derzeitigen Stand der Technologie kann man ja nur eine komplette Sequenz in das Molekül schreiben (bzw. man baut das Molekül ja erst beim Schreiben auf) und später dekodiert man die komplette Sequenz. Also wäre es nur zur Archivierung von Daten - eben wie auf Magnetbändern - sinnvoll einsetzbar. Da man auch nicht auf einzelne Strings innerhalb des Moleküls zugreifen kann, sondern die komplette Sequenz auslesen muss, ist ein Einsatz als "dynamischer" Datenspeicher natürlich etwas unpraktisch. Man will ja nicht 200 GiB einlesen müssen, um ein Bit zu verändern. :schief:
 
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Klingt sehr interessant... Und ich könnte mir vorstellen das die Uni Oldenburg da auch bald helfen kann... Unser Office-Institut hier arbeitet momentan an der Grundlagenforschung zu den elektrischen Eigenschaften von Kohlenstoffröhrchen (< 1nm). Wobei die Moleküle einer DNA immernoch wesentlich kleiner sind... Mal sehen wohin das noch führt! :D
 
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Mal sehen wohin das noch führt!
Zu Maschinenmenschen.. zu Hybriden.. zu Staatsskalven..
zur Transhumanität.. zu Hemaphroditen.. zur Ausschaltung
des Menschen und der Menschlichkeit..

siehe: Uwe B. Sletyr, Stanislaw Lew, Günther Anders,
Elisabeth von Samsonow, Hermann Bahr, Otto Weininger,
Markus Hengstschläger, Deborah Sengl oder auch
Konrad Paul Lissemann
 
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Ich frag mich dabei ernsthaft, ob es nicht sinnvoller wäre igend eine kristalline Form als Datenspeicher in Betracht zu ziehen, die auf molekularer Ebene ein Stereozentrum aufweist, indem 2 unterschiedlichen Enantiomere vorkommen. Damit wäre theoretische Lesen und Schreiben auf atomarer Ebene möglich. Zumindest aus meiner Sicht. Ich finde das Thema Stereochemie abartig schierig zu duchblicken. Im Ansatz scheint mir jedoch das Potenzial vorhanden zu sein.
 
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Und an was dachtest du da? Joghurt? :D Gabs da nicht mal einen Versuch mit Tesa-Film?

Die hier angewandte Methode scheint ja noch weit von der Markttauglichkeit entfernt zu sein. 25% Datenverlust bei 75% overhead. Aber okay wenn ein Schnapsglase alle Daten unseres Hauses speicher kann spielt das keine Rolle. Nur das mit der Datenintegrität ist wichtig. Sehr sogar.
 
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Was ist eigentlich aus dem Tesa-Film-Laufwerk geworden? Lange nichts mehr dazu gehört...

Ansonsten: Sehr schöne News, gut geschrieben, läßt sich super lesen.
 
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AchtBit schrieb:
Ich frag mich dabei ernsthaft, ob es nicht sinnvoller wäre igend eine kristalline Form als Datenspeicher in Betracht zu ziehen, die auf molekularer Ebene ein Stereozentrum aufweist, indem 2 unterschiedlichen Enantiomere vorkommen. Damit wäre theoretische Lesen und Schreiben auf atomarer Ebene möglich. Zumindest aus meiner Sicht.

Ich finde das Thema Stereochemie abartig schierig zu duchblicken. Im Ansatz scheint mir jedoch das Potenzial vorhanden zu sein.
na klar - ich habe ja schon bei deinen Begriffen Probleme! :ugly:

noch was zur News: klingt gut - doch ich frage mich gerade wie die es geschaft haben die in der richtigen Reihe auszulesen! - ist ja nur Pulfer
oder habe ich da was falsch verstanden
 
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Wichtig wäre es vor allem Technologien zu entwickeln, die schnelles und einfaches Schreiben und lesen erlauben; Technologische Ansätze für Speicher mit extrem hoher Datendichte gibt es viele die vor allem an dieser Problematik scheitern.
 
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Darüber weiß ich in diesem Fall zu wenig, aber ich bin mir relativ sicher das man die Daten seriell lesen müsste. Es sei denn man entwickelt eine Art composer...
 
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Ein Speicher mit ein paar TB Kapazität ist jedenfalls Nutzlos wenn man ein großes Labor braucht um ihn mit ein paar KBit/s oder gar weniger zu schreiben oder zu lesen...
 
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@Superwip: Die Intention liegt (wenn ich das im Originalartikel richtig verstanden habe) darin, einen Datenbspeicher für die Langzeitarchivierung großer Datenmengen zu bauen. Und dafür ist der Ansatz mit der DNA ja gar nicht mal so uninteressant.

@fuelre: Wie genau das mit dem Auslesen funktioniert und wie die Daten hinterher wieder dekodiert werden, weiß ich nicht. Es wird auf jeden Fall irgendwie funktionieren, ansonsten hätten sie die Daten ja später nicht mehr wiederherstellen können. :schief:
 
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Adenin-Thymin Guanin-Cytosin FTW :D :ugly: best Datastore ever :devil:

Hast du den Artikel überhaupt gelesen?:-_-:

@LB: Ja aber wenn du ewig brauchst um die Daten da rein zu kodieren ist das ineffizient. Das meinte wip glaub ich. Da bist du ja nur noch am archivieren.
 
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@Superwip: Die Intention liegt (wenn ich das im Originalartikel richtig verstanden habe) darin, einen Datenbspeicher für die Langzeitarchivierung großer Datenmengen zu bauen. Und dafür ist der Ansatz mit der DNA ja gar nicht mal so uninteressant.

@fuelre: Wie genau das mit dem Auslesen funktioniert und wie die Daten hinterher wieder dekodiert werden, weiß ich nicht. Es wird auf jeden Fall irgendwie funktionieren, ansonsten hätten sie die Daten ja später nicht mehr wiederherstellen können. :schief:

Wenn man die Die Daten nicht schnell genug schreiben und lesen kann ist der Praktische Nutzen gering; wenn man etwa mit 10kBit/s auf den DNS Speicher schreiben kann dann schaffst du gerademal ~100 MB pro Tag... was willst du damit? Da kann man Daten fast schneller per Hand in eine Steinplatte meißeln...

Die Methode muss sich um eine wirtschaftliche Existenzberechtigung zu haben mit anderen Verfahren messen können; ein Beispiel dafür wären etwa Scheiben aus Quarzglas und Metall in die Daten per LASER graviert werden (ähnlich wie eine CD nur langlebiger); da hat man Schreib- und Leseraten von zumindest mehreren zehn MBit/s und Kapazitäten von mehreren GB. Eine solche Scheibe hat eine fast unbegrenzte Lebensdauer, zum Teil lassen sich solche Scheiben sogar in herkömmlichen CD/DVD Laufwerken lesen.

Der DNS Speicher muss also akzeptable Kosten in der Produktion mit akzeptablen Kosten für Schreib-und Lesehardware und einer akzeptablen Schreib- und Lesegeschwindigkeit kombinieren. Die Kapazität sollte aber nicht das Problem sein: 1g DNS kann soweit ich weiß etwa 500EB (Exabyte; 10^18 Byte) speichern (wer will kann gerne nachrechnen).

Die Haltbarkeit von DNS ist übrigens auch nicht unbegrenzt: bei Raumtemperatur kann sie durch verschiedene Chemische Prozesse langfristig beschädigt werden (wobei man einen gewissen Bitverlust natürlich durch Fehlerkorrekturverfahren mit Prüfsummen tolerieren könnte); um derartige Beschädigung zu verhindern muss sie möglichst kalt gehalten werden, ideal wären jedenfalls deutlich weniger als 0°C. Weiters kann sie von ionisierender Strahlung beschädigt werden oder prinzipiell auch durch radioaktiven Zerfall ihrer eigenen Atome (v.a. C14).
 
Und so verschmilzt die Technik mit der Biologie.....wie bei pray. Oder im crysis Raumschiff wo alles ein wirres Gemisch aus biomechanischer Elektrizität ist. Vielleicht läuft oder fliegt das Auto der Zukunft mich ja mit Beinen und Flügeln zur Arbeit und lässt sich mit Ratten füttern und speichert nebenbei die Navigation in ein Gedankengesteuertes stahl Modul wie bei avatar...usw
 
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@Hübie und wip: Ok, in gewisser Weise habt ihr natürlich recht. Es ist aber wie immer in der Forschung, momentan reden wir nur über reine Grundlagen, noch lange nicht über eine marktreife Technologie. Denn bis dahin wird es wohl noch ein sehr weiter Weg sein. Inwiefern man den Schreibprozess optimieren bzw. komplett anders gestalten kann, um eine brauchbare Schreibgeschwindigkeit zu erzielen, weiß ich natürlich nicht.

Was die Speicherdichte anbelangt, kann ich nur den Wert aus dem Originalartikel zitieren, nachgerechnet habe ich da nichts. Du musst bei der Rechnung aber auch noch berücksichtigen, dass die Daten komprimiert und ins Ternärsystem "übersetzt" wurden. Unter Umständen kann man hier auch nochmal eine deutliche Erhöhung des maximal speicherbaren des Datenvolumens erzielen.
 
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