AW: Die Ãra Merkel geht zu Ende
Dafür, dass die Staatsunternehmen alle ineffizient waren, gibt es eine Reihe von Gründen. Warum man diese Probleme nicht ohne eine Privatisierung der Gewinne lösen kann, verstehe ich aber auch nicht. Einzig extrem ausbeuterische Löhne sollte sich ein Staatsbetrieb nicht erlauben, aber alles andere...
West-Berlin war ja auch das Aushängeschild des Westens. Wenn ich mir manche Stadtviertel in "tief im Westen" gelegenen westdeutschen Großstädten anschaue, da ist dort Platte an Platte wie im Osten.
Im Osten ist es hinsichtlich "Platte an Platte" zum Teil sogar besser. Während im Westen Plattenbauten spätestens ab den 70ern als kompakte Billigwohnungen hochgezogen wurden, baute man im Osten bis weit in die 80er hinein* nach dem sozialistischen Planungsideal. Das heißt die Wohnungsdichte war kaum höher als beim typischen nachverdichteten Alt-Innenstadtbau, nur halt auf wenige, hohe Häuse verteilt, die aber in wesentlich größeren Abstand standen. Wo man im Westen vorn 1,5 m Gehweg direkt an der Fassade hatte und in Arbeitervierteln hinten froh sein musste über 10*10 m Hinterhof, hatten klassische Plattenbausiedlungen vorne erstmal 3 m Grünstreifen, dann 2 m Gehweg, dann nochmal Grünstreifen und hinten waren es zum Teil über 40 m bis zum nächsten Querbau und in Längsrichtung konnten es schon mal über 100 m werden. Und die Höfe waren keine Ansammlung von Parkplätzen (dafür wurde Vor den Blöcken erstaunlicherweise genauso viel Platz eingeplant, wie man aus dem Westen gewohnt ist, obwohl es deutlich weniger Autos gab), Garagen und Kleinstgewerbe, sondern grün & mit Spielplatz. Da würde ich selbst heute noch lieber hinziehen, als in diverse (sanierte) Altbauten. Letztere haben zwar nur halb bis ein Drittel so viele Stockwerke und sehen von außen wesentlich besser aus - aber was kümmert mich das Aussehen von außen, wenn ich von drinnen nur formatfüllend das Nachbarhaus sehe? Dann lieber aus dem 12. Stock den Blick schweifen lassen und selbst im Platten-Erdgeschoss muss man sich nicht verrenken, um den Himmel zu sehen bzw. ist umgekehrt weit genug vom Nachbarn gegenüber weg, dass der einem nicht die Tageszeitung aufm Küchentisch vorlesen könnte.
*Alle Aussagen gelten nicht für einige Trabantensiedlungen, die kurz vor/z.T. nach der Wende an den Berliner Stadtgrenzen hochgezogen wurden.
An dieser Stelle die Anmerkung, dass alle meine bekannten, die vor der Wende in der Platte wohnten, heute noch da sind (in einem Fall in einer neuen Wohnung im Nachbarblock), eine Partei aus dem Altbau in die Platte gezogen ist und die restlichen Altbaubewohner in Neubauten geflüchtet sind. Das liegt zugegebenermaßen auch daran, dass die unsanierten und oft nicht einmal Instand gehaltenen Ostaltbauten ein Grauß waren, da hat die Wende einige Besserungen gebracht (z.B. "Heizung". Von "Telefon" ganz zu schweigen.), aber die einzige nicht-Plattenbau-Ostwohnung, in der eine meiner bekannten bis heute wohnt, stammt aus den 50er Jahren und wurde dreimal saniert. Und trotzdem ist die Wohnung alles andere als toll und es hätte längst einen Umzug gegeben, wäre da nicht der Mietvertrag - aus den 60ern, bis zur Wende praktisch ohne Mieterhöhung und darüberhinaus noch lange Zeit kommunal vermietet. Gold wert in Berlin
