Und echt ne Badger?
Auch wenn sie 20x modernisiert ist, das Grundprinzip dürfte 65-70 Jahre alt sein und die ist nicht wirklich dafür geeignet sich anzuschleichen und wieder aus dem Staub zu machen (Stichwort AWACS), da fehlt es sowohl an Geschwindigkeit als auch Tiefflugoptionen, von Tarnung ganz zu schweigen.
Stellt sich die Frage: Welches andere Flugzeug mit externen Waffenlasten oder ausreichend großem internem Waffenschacht für die beschriebene Waffe (woher kommt eigentlich die Grundlage für die Beschreibung?) könnte sich anschleichen?
Genau: Keins. Bei Reichweiten von bis zu 800 km für die herkömmlichen Waffen ist das aber auch nicht zwingend notwendig, denn der Gegner müsste eine lückenlose Luftraumabdeckung 1000 km vor dem Träger realisieren. Im Halbkreis wären das über 6000 km Strecke, entlang der mögliche Angriffe gestartet werden können. Platziert ein Träger da alle 300 km zwei Abfangjäger hat man inklusive rotierendem Austauschmaterial über die Hälfte der Kapazitäten blockiert. Und dieser Schutzradius muss ja noch einen gesunden Abstand zu den Basen des Gegeners haben, damit sich nicht plötzlich 20 Kampfjets auf 2 Abfangjäger stürzen, also erzwingt man zusätzlich noch einen Abstand zur eigenen Küste von 1500-2000 km. Da braucht eine z.B. F-35C dann schon Luftbetankung auf Hin- und Rückflug (=> weitere Maschinen auf dem Träger müssen für Unterstützung abgestellt werden => es blieben vielleicht noch 10-20%, die überhaupt Angriffe fliegen könnten), wenn sie nicht ihrerseits wegen dicker Außentanks und sparsamem Flugprofil zum Unterschall-Non-Stealth-Gerät mutieren will.
Fazit: Auch wenn das Ding es vermutlich schwer hätte, einen Träger tatsächlich zu versenken, könnte die simple Anwesenheit von 20-30 derartigen Maschinen dafür sorgen, dass der Träger nicht mehr für Gegenangriffe, sondern nur noch zur Kontrolle von Seegebieten genutzt werden kann. Damit ist er aus Sicht Chinas faktisch ausgeschaltet, denn transozeanische strategische Ziele hat man im Moment gar nicht.
Rückzugsmöglichkeiten ist auch relativ, wenn man von derartigen Langstreckenwaffen ausgeht. Für ein Unterschallflugzeug ist das Ding ziemlich flott. Erneut ausgehend von dem, was der F-35C so an Leistungsfähigkeit nachgesagt wird (Mach 1,6): Wenn der Träger nur Nahverteidigung hat, sodass man den 800-km-Abschuss abgeben kann, wenn die Abfangjäger erst 400 km zurückgelegt haben, dann wird die H-6 von selbigen frühestens 1600 km vom Träger entfernt eingeholt - was wiederum spürbar über dem Einsatzradius einer F-35C ohne Zusatztanks bei Höchstgeschwindigkeit liegt. Vor allem aber ist ein so langer Anflugsweg, dass der Jäger schlichtweg selbst zum gejagten wird, denn eine H-6 ist gar nicht dafür gedacht, ohne Begleitschutz zu operieren.
Letztlich sind die Flugeigenschaften von dem Schinken imho komplett egal, wenn derartige Langstreckenwaffen zum Einsatz kommen. Dann er kann er seinerseits nur mit ebenfalls extrem weitreichenden Anti-Luft-Raketen angegriffen werden und das ganze ist kein Duell mehr zwischen Bomber und Jäger, sondern zwischen Ortungssystem und Flugkörpern respektive den jeweiligen Gegenmaßnahmen auf beiden Seiten.
Also weiß man nicht wirklich, ob dieser ganze Hypersonic Hype, nichts weiter als Marketing ist, oder ob das wirklich so funktioniert wie angepriesen, ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen, das bei letzteren die Amis so entspannt wären, wie sie den Eindruck machen.
Also in dem strategischen russischem Konzept mit vergleichsweise stark manövirerbaren RVs sehe ich durchaus eine gewisse Bedeutung. Die bisherigen Maßnahmen gegen Interkontinentalraketen sind aufgrund der hohen Geschwindigkeiten (sowie der deswegen ohnehin gegebenen Robustheit des Ziels) und großen Entfernungen relativ abhängig von einer vorhersagbaren Zielbahn.
Aber als Antischiffswaffe? Bewegliche Raketen bis in die Nähe von Mach 6 gibt es schon länger und Nahverteidigungssysteme sind auch mit so etwas im Hinterkopf konstruiert worden. Jenseits von Mach 10 gibt es sicherlich irgendwann Grenzen, aber bislang konnte mir noch niemand erklären
- wie ein Flugkörper, der leicht genug ist, um von einem nicht-stationären System (hier sogar: <12 t inklusive Booster) soweit beschleunigt werden zu können, stabil genug sein kann, um noch nenneswert zu manövrieren? (Selbst wenn er 100 g ziehen kann, wäre das bei Mach 10 eine Kurve mit mindestens 70 km Radius, wenn ich mich nicht verrechnet habe)
- wie ein Flugkörper, der reibungsbedingt von Plasma umgeben ist, ein sich bewegendes Ziel orten respektive mit aktuellen Standortdaten versorgt werden soll?
Aber wie bekommen sie denn die Dinger ins Ziel, mit reiner Satellitenortung?! Kann ich nicht wirklich glauben.
Sie brauchen doch irgend etwas was den Trägerverband geortet hat, mit Kurs und Geschwindigkeit beim abfeuern der Raketen, wie ein Bear-D, eine Grumman EA-6 oder eine Boeing EA-18.
Oder bin ich völlig auf dem Holzweg?
Unter der Annahme, dass das Hyperschallsystem auf ähnliche Reichweiten ausgelegt ist, wie die YJ-100, mit deren Reichweite ich oben gerechnet habe, reicht eine Ortung beim Abfeuern nicht einmal aus, zumindest solange es bei konventionellen Gefechtsköpfen bleibt. Da bräuchte es noch einmal eine Aktualisierung von Zieldaten 1-2 Minuten vor Einschlag.
Technisch ist das tatsächlich über Satellit machbar, halte ich aber militärisch für ein zu großes Risiko/eine zu große Einschränkung. Radarsatelliten dürften nicht fein genug auflösen, ließen sich notfalls stören, und optische funktionieren je nach Wetter schlicht nicht. Eine 100%ige Abdeckung hat man aber selbst bei Sonne nicht und Anti-Satellitenwaffen sind jetzt auch nicht gerade die neueste Idee. Ein rein satellitenbasiertes System wäre also im Ernstfall die meiste Zeit über nutzlos.
Was passen dürfte: Aufklärung des Zielgebiets mittels Satellit für die grobe Abschussrichtung, Endzielanflug mit selbsttändiger Zielsuche. Träger sind da ja praktischerweise immer das größte Radarobjekt im Umkreis von dutzenden Kilometern.
Aber das würde eben wieder bedeuten, dass man nicht wirklich weit in Hyperschallbereiche vordringen kann.