AW: Was ist Realität, Wahrheit oder Wirklichkeit?
Aber um zu sagen das etwas x mal schief gegangen ist, muß man doch wissen ob es wirklich soviele Versuche gegeben hat. Das wissen wir ja auch nicht.
Wir wissen nur wie lange es ungefähr gedauert hat bis erstes Leben aufgetreten ist und wo es hätte entstehen können.
Die Zahl der "Versuche" lässt sich recht einfach ausdrücken. Wir reden ja (mangels vorhergehendem Leben) von keinem bewussten Prozess, sondern von einem zufälligen Aufeinandertreffen bestimmter Stoffe. Sobald diese Stoffe auf dem Planeten existieren ist die Entstehung prinzipiell in jedem Volumen möglich, dass groß genug ist um alle Stoffe zu beherbergen und in dem sich die Stoffe theoretisch befinden könnten. Ob sie es auch tatsächlich tun ist dann eben die Wahrscheinleichkeitsfrage - obwohl der Planet alles bietet, was für die Entstehung von Leben notwendig wäre, kann es mangels glücklichem Zufall eben auch sehr lange nicht entstehen. Der Rest ist dann nur noch eine Betrachtung von Zeit- und Raumbedarft für einen einzelnen "Versuch" um abzuschätzen, an wie vielen Stellen die gewünschte Zufallskombination stattfinden könnte (aber eben in der Regel nicht stattfindet). Für letzteren Schritt kann man sich hierbei an anderen biochemischen Reaktionen und deren Platz- sowie Zeitbedarf orientieren und das ganze mit der Größe lebender Zellen abgleichen – ich habe jeweils recht großzügig überschlagen, es könnten auch locker entlang jeder Dimension 10 mal kleinere Maßstäbe reichen, insgesamt also 10000 mal mehr Chancen auf Leben gegeben haben.
Diese ganze Überlegung ist übrigens sehr unempfindlich gegenüber störende Details, weil das System ohnehin als Black Box behandelt wird: Selbst wenn es z.B. einen komplett unbekannten Faktor gibt, der zur einer ungünstigen, ungleichmäßigen Verteilung der Substanzen führt und so die für die Entstehung von Leben in Frage kommende Fläche auf ein Tausendstel verkleinert, so würde dies ja auch für die Entstehung von Leben auf anderen Planeten gelten. (ganz abgesehen davon, dass "1 Tausendstel" von 10^33 immer noch Arsch viel ist

)
Ja mit den Zahlen das ist so eine Sache... aber du gibst doch zu, das unser Universum sehr groß ist und das es sehr viele (wirklich viele) Sterne mit Planetensystemen gibt?
Extrem viele, ja. Und ich gehöre ja sogar zu den Leuten, die für die Entstehung von Leben ein weitaus größeres Spektrum an Bedingungen für möglich hält, als die meist zu beobachtende Konzentration auf "flüssiges H2O und C-Verbindungen". Aber ich gebe trotzdem ganz offen zu, dass ich "schweinisch viele Planeten" nicht im Kopf mit "unglaublich unwahrscheinlich" multiplizieren und ein brauchbares Ergebnis erhalten kann. Wenn wir den genauen Mechanismus der Lebensentstehung auf der Erde kennen würden, könnte man dessen Wahrscheinlichkeit in einer fremden Athmosphäre mit bestimmten chemischen Eigenschaften abschätzen. Wir kennen aber weder den Prozess noch kennen wie die chemischen Verbindungen auch nur eines einzigen extrasolaren Planeten, geschweige denn von einigen Tausend aus verschiedenen Teilen verschiedener Galaxien, um die Verbreitung bestimmter Bedingungen abschätzen zu können. Wir scheitern ja schon an der Frage, was für Bedingungen früher auf dem Mars herschten und ob unter diesen Leben hätte entstehen können oder nicht. Und auf dem Mars haben wir sogar selbst nachgeguckt - wie wollen wir da die gleiche Frage sämtliche Andromeda-Planeten beantworten?
Die Fragen sind auch, falls es intelligente Zivilisationen in unserer Galaxie gibt:
- wie weit sind sie entfernt?
- ist eine Kontaktaufnahme möglich?
- sollte man überhaupt Kontakt aufnehmen?
U.a. Stephen Hawking haben ja eher davor gewarnt. Nehmen wir mal es gibt Zivilisationen welche "nur" 1000 Jahre älter sind als wir. Wie weit wären die fortgeschritten?
Wenn man mal guckt wie schnell sich in den letzten 1000 Jahren die Menschheit technisch weiter entwickelt hat.
Oder mit der Entdeckung der Elektrizität und digitalen Evolution. Alleine in den letzten 30 Jahren wie schnell das alles ging mit Computern. Und Internet.
Früher der C-64 "Brotkasten" hatte 1Mhz. Heute ist ein viel kleineres Handy um mehr als das 1000fache schneller.
Vielleicht sind solche Zivilisationen ja in der Lage interstellar zu reisen. Vielleicht können sie Wurmlöcher "bauen".
Aber vielleicht sind sie uns sehr ähnlich und eher räuberisch und kriegerisch. Dann wäre wohl eine Kontaktaufnahme nicht so gut. Und wir würden den Kürzeren ziehen.
Derartige Fragen lassen sich materialistisch relativ einfach beantworten:
Im Rahmen der uns bekannten Naturgesetze würde es extrem viel Energie erfordern, Materie von einem Sonnensystem in ein anderes zu schaffen. Für chemische Verbindungen lohnt sich das nie, eine außerirdische Zivilisation müsste also schon sämtliche Vorkommen eines Elementes in ihrem System bis in die tiefsten Planetenkerne hinein verbraucht haben, ehe ein Import in Frage käme. Und selbst dann wäre es für weiter entfernte Systeme energetisch günstiger, das Element mit nukleartechnischen Methoden selbst zu erzeugen. Das einzige, was bei uns somit "rauben" könnte, wäre Information => Ein Besuch aus wissenschaftlichem Interesse ist mit Abstand am wahrscheinlichsten.
Auch kriegerische Ambitionen sind eher unwahrscheinlich: Der Aufbau künstlicher Habitate im Weltall ist um Größenordnungen leichter (prinzipiell mit unserer heutigen Technologie machbar), als der Flug in geschweige denn die Kollonisation (für Menschen laut Stand unserer Wissenschaft unmöglich) eines benachbarten Systems. Eine Zivilsation, die nicht mehr an Planeten gebunden ist, braucht aber auch keine Kriege um selbige zu führen.
Sozial wäre ein direkter Kontakt aber definitiv interessant, denn alles was über einfache, extrem langlebige Sonden hinausgeht, erfordert extrem fortgeschrittene Technik (oder enorm abweichende Lebensformen). Dagegen wären die paar Jahrhunderte Kontrast zwischen Kolonisatoren und Einheimischen im Zeitalter der "Entdeckungen" lächerlich und dessen Folgen wirken bis heute nach.
Forschen kann man mit Sonden.
Sicherlich wäre es interessant auf dem Mars zu landen, aber es hat schon sein Grund, wieso es bisher nur einzelne Überlegungen mit solchen Wohnboxen gibt, in denen man testet, wie die Menschen auf engen Raum miteinander agieren.
Der Flug selbst ist meiner Meinung nach heute nicht möglich. Man müsste ein Raumschiff bauen, das der Partikelstrahlung der Sonne stand halten kann.
Partikel kann man mit einer einfachen Wand abschirmen und selbst für kurzwellige elektromagnetische Strahlung gibt es machbare, wenn auch nicht günstige und nicht über Jahrzehnte als gesund zu bezeichnende Lösungen. Wer nuklearbetriebene Flugzeuge bauen kann, der kann sich auch halbwegs vor der Sonne schützen.