Wo hast du den Unsinn her?
Der Mensch ist ungefähr 300.000-500.000 Jahre alt. Denkst du echt, dass es seit dem keine neue Arten gab?
Was ist mit den Darwin Finken? Wie alt sind die denn?
Seit wann gibt es die Kleidermotte? Eine Falterart, die sich von Kleidungsstücken ernährt.
Was ist mit der Bettwanze oder dem menschlichen Floh? Gab es den vor oder nach dem Menschen?
Oder was ist mit Masern? Nur ein Mensch kann sich damit infizieren, sonst niemand.
Homo sapiens hat in der Tat schon ein recht ansehnliches Alter und gerade Insekten evolvieren viel schneller. Allerdings wird nichts anderes derart gründlich erforscht wie die Hominiden, sodass ich nicht darauf wetten würde, dass wir von einer jüngeren Art auch den Entstehungszeitraum hinreichend genau kennen. Für die meisten bekannten Arten ist ja nicht einmal das hier und vollständig beschrieben (und die meisten Arten sind nicht einmal bekannt), die fossilen Belege haben noch einmal größere Lücken. Wenn man nur bei einer von 100000 Arten den Entstehungszeitraum abschätzen kann (Zahl geraten), dann gehört ziemlich viel Glück dazu, um eine aus den letzten paar 100000 Jahren dabei zu haben.
Finken gibt es z.B. seit 3 Millionen auf Galapagos, da werden die meisten Unterarten älter sein, Motten, Flöhe und kleine Wanzen gibt es ebenfalls schon recht lange, aber von einer bestimmten Art 100000, 200000, 300000, 400000 und 500000 Jahre alte Fossilien in so großer Zahl zu finden, dass ihr Fehlen 80000 Jahre alten Schichten eindeutig wäre und nicht nur bloßes Pech sein könnte? Unmöglich. Selbst wenn es vollständig auf den modernen Menschen spezialisierte Parasiten geben sollte (ich weiß es nicht), wäre das kein Beweis für eine spätere Entstehung, denn wir können heute nicht wissen, ob die nicht z.B. auch schon
Homo habilis befallen und heute nur deswegen auf den letzten Hominiden beschränkt sind, weil die anderen alle ausgestorben sind.
Als Steigerung kommt dann noch hinzu, dass die zeitliche Abgrenzung von Arten derart schwierig ist, dass es nicht einmal eine Definition dafür gibt. In der Theorie hat man einen graduellen Übergang und kann nie sagen, wann genau die alte Art aufhört und wann die neue da ist. In der Praxis stellt sich die Frage erst gar nicht, weil die Lücken zwischen den Fossilien eben so groß sind, dass selbst ganze Gattungen aus dem nichts auftauchen.
Viren und Bakterien haben erst gar keine Arten, sondern Stämme/Sorten/Linien etc.. Da ein Virus nicht lebt, kann man die biologische Artdefinition als "Fortpflanzungsgemeinschaft" gar nicht anwenden und bei Bakterien gibt es ja nicht einmal einen zeitlichen Anfang und ein zeitliches Ende des Einzelexemplars. Wenn die sich teilen, welches ist dann das alte und welches das neue Bakterium? Welches setzt die Art fort, welches ist eine Abspaltung? Man könnte prinzipiell alle heute existieren Bakterien als Teil eines Ur-Bakteriums betrachten, dass sich nur immer weiter geteilt hat und dessen Einzelteile sich im Laufe der Zeit verändert haben. Aber wenn z.B. eine Hautzelle an dir mutiert und ein Geschwülst bildet, würde man das ja noch keine neue Art nennen. Entsprechend macht man das auch bei Abteilungen eines (Ur-)Bakteriums nicht.
Neue Arten entstehen vor allem durch geänderte Umweltbedingungen.
Jein. Das, was mal die neue Art bildet, entsteht schon durch Mutation. Selektierende Umweltbedingungen sorgen dann "nur" dafür, dass sie sich abhebt und nicht wieder vermischt, in dem der nah verandte Rest abstirbt. Aber im Prinzip ändert sich während dieses Vorgangs das, was dann als neue Art definiert wird, nicht mehr. Sie existierte also schon vor der Selektion.
(Disclaimer: Es gibt definitorische Grenzfälle, in denen jemand was anderes sagen kann. Per Definition soll als Art gelten, was sich "in der Natur" "nicht paart" und z.B. Vergletscherung kann natürlich zwei Populationen einer Art so trennen, dass sie sich nicht mehr untereinander fortpflanzen. Aber es ist immer hoch umstritten, wie wenig/wie lange zurückliegende Fortpflanzung denn überhaupt als "nicht" zählt.)