Ob ChatGPT Fake-News verbreitet oder ob ein Redakteur das macht: Der Vorgang ist der gleiche, der Schaden ist der gleiche.
Ist es nicht, denn ein Redakteur hat eine Intention, ist eine Person und seine Veröffentlichungen haben deshalb schon eine Bedeutung bevor sie überhaupt beim Empfänger angekommen sind.
ChatGPT erzeugt Worte ohne Intention und ohne jedes Verständnis. Es plappert nach, wenngleich besser als bislang jedes andere Programm. Erst der Empfänger gibt den Worten von ChatGPT eine Bedeutung.
Mein Argument ist und bleibt: Solange eine mündige Person (Empfänger) weiß, daß der Text, den sie liest, von ChatGPT erzeugt wurde, kann sie das richtig einordnen. Wenn sie das nicht kann, stellt sich die Frage, ob sie überhaupt mündig ist oder ob ihre mangelnde Sorgfalt demgegenüber den eventuell entstandenen Schaden nicht in ihre eigene Verantwortung übergibt.
... Deswegen haben wir Gesetze, die Straßenmusikanten einschränken, wir haben Gesetze die Autos einschränken, wir haben Gesetze die Journalisten einschränken.
Aber eben keine Gesetze, die die künstlerischen Rechte/Pflichten von Maschinen betreffen. Nur darauf zielte mein Beispiel.
...aber für ChatGPT haben wir gar keine Gesetze.
Dazu ja mein Vorschlag: Kennzeichnungspflicht. Reicht hier komplett.
Bestehende Regelungen für Programme oder Puppen, die aufgezeichnete Sprachsamples abspielen, lassen sich auf ChatGPT nicht übertragen. Es gibt keinen begrenzten Raum von Möglichkeiten, den man vorab auf Rechtskonformität überprüfen kann.
Doch, das geht genauso, denn der Raum ist vorher auch unbegrenzt. Niemand prüft das vorab. Das ist ja grade der Vorteil unserer napoleonisch angelegten Gesetzgebung gegenüber z.B. der angelsächsischen: Alles ist erlaubt, was nicht vorher explizit verboten ist. Nichts kann rückwirkend verboten werden.
Es ist nur eine Frage der Zeit, bis jemand absichtlich oder zufällig weitere Wege findet, ChatGPT zum Beispiel Suizid-Anleitungen, Volksverhetzung, Mordaufrufe und den Code für einen global durchschlagenden Scrambling-Trojaner zu entlocken oder einfach nur "Belege" für diverse bedenkliche Verschwörungstheorien, die für bare Münze genommen schon zu ganz realen Gewalttaten geführt haben.
In jeder Küche eines jeden Haushaltes liegen Unmengen von Werkzeugen mit denen jedes Kind sich selbst und andere umbringen kann. Jedes Kind kann auf die Idee kommen, das zu tun. Jedem Kind wird das im Laufe seines Lebens klar und so gut wie jedes Kind lernt, was es lieber nicht damit tut. Niemand, so kann ich nur hoffen, schließt daraus, daß wir Gesetze brauchen, die die Ausnahmen mit umfassender Sicherheit unmöglich machen, denn die Zahl der Kinder, die sich und andere mit Küchenutensilien umbringen, ist nunmal genauso gering, wie man es von der Spezies Mensch erwarten darf. Ein anderes Beispiel sind Schußwaffen - die müssen wir vor unseren Kindern offensichtlich unzugänglich aufbewahren, weil der Schaden bei der ersten Fehlbenutzung zu groß wäre.
ChatGPT ist wie jedes andere neue Ding im Leben: Man muß erstmal lernen, damit umzugehen. Bis dahin sollte man eben die notwendige Vorsicht und Skepsis walten lassen. ChatGPT erzeugt nur Worte! Die lassen niemanden bluten und sind auch sonst nicht tödlich. Und jedes Kind hat sie auch .
Einfach zu fordern, daß alles im Leben ungefährlich sein soll, führt nur zu unangenehmen Einschränkungen der persönlichen Freiheit. Der Dümmste darf einfach nicht das Maß für die Einschränkung der Freiheit aller werden, auch wenn das die kurzsichtige Mehrheit fordern sollte.
Sofern der Nachweis gelang, wurde Menschen, die mit vergleichbaren Aussagen zur (Un-) Tat beigetragen haben, in der Vergangenheit strafrechtlich verurteilt. Denn wir wollen solche Vorkommnisse eigentlich nicht und haben Gesetze dagegen. Aber auf Chat-KIs sind diese nicht anwendbar.
Mit Nichten: Niemand kann belangt werden für eine oder zwei dahingesagte Äußerungen, die ein anderer sich so zu Herzen nimmt, dass er sich gleich umbringt. Hier müssen a) erheblicher Aufwand und b) gezielte Absicht zusammenkommen.
tl;dr: Im Informationszeitalter sind Worte Macht. Chat-KIs haben alle Worte – und es gibt keinerlei Gesetze oder technische Limits, was sie damit anstellen dürfen respektive können.
Wieviel Macht wir den Worten einer nichtechten KI einräumen, obliegt vollständig uns. Ich kann mich nur wiederholen: Ein diesbezüglich hinreichend aufgeklärter, mündiger Mensch kann gar nicht die Aussagen einer Maschine, die keinerlei Wissen hat von dem, was sie sagt, für voll nehmen.
Kleiner Test, den jeder mal machen kann; das "Du" bezieht sich auf jedermann :
|ChatGPT nennt Dich ein A****loch.|
|Kannst Du Dich da wirklich beleidigt fühlen?|
|Wenn die Antwort "Ja" lautet und sie Dir nicht peinlich ist, solltest Du es in Zukunft vermeiden, mit Dingen zu sprechen.|
|Wenn Du bisher mit Dingen gesprochen hast, ohne daß es Dir peinlich war, bist Du noch nicht ganz erwachsen.|
|Wenn Du jetzt sauer sein solltest, weil Du eben doch schon juristisch als erwachsen giltst, dann: Werd endlich erwachsen!|