Ging ja bei der Frage gar nicht mal um die Auseinandersetzung mit aktueller Politik, sondern um ganz grundlegendes:
Was ist Demokratie?
Welche Aufgabe haben Parteien?
Was ist eine Wahl?
Wie nimmt ein Bürger an der politischen Willensbildung teil?
Das sind nun wirklich basics, die man problemlos und neutral vermitteln kann und wenn man sich diesen Thread hier anguckt, dann klappt das teilweise überhaupt nicht.
Ich meine das wirklich ernst. Deine absolut einzigstes Kriterium (für die AfD) war, dass du "mit der aktuellen Situation nicht einverstanden bist". Nun, die PARTEI dürfte wohl in nahezu jedem Punkt extrem weit von den Linien aktueller Politik liegen und erfüllt somit deine einzige Bedingung. Wesentlich besser noch, als z.B. die AfD. Sollte deine Frage also nicht rein rethorischer Natur gewesen sein und die diverse Anforderungen verschwiegen haben, ist das die optimale Antwort.
Wenn nicht, dann wäre es an der Zeit, deine provozierende Frage zu korrigieren.
Das sind viele, aber interessiert das die SPD?
So? Was für ein System ohne Parteien hättest du denn gerne? Diktatur? Monarchie?
Bitte einmal "sein" konjungieren, notfalls einen Syrer fragen, der gerade einen entsprechenden Kurs besucht hat:
"wählen, bis einem das Ergebnis passt"
wäre keine Demokratie
"wählen, bis das Volk eine regierungsfähige Mehrheit bestätigt hat"
ist Demokratie
Und wenn in einer Wahl eine Partei, die nach eigener Aussage gar nicht regieren will (sondern was? Diäten abzocken? Das Parlament als Bühne für Populismus missbrauchen?), zur zweitstärksten Kraft wird, dann wird es nun einmal sehr schwer mit einer regierungsfähigen Mehrheit. In Anbetracht dessen, dass eben diese Partei ihren Regierungs-Unwillen auch vor der Wahl ziemlich versteckt hat, ist es durchaus legitim, durch eine Neuwahl zu prüfen, ob das Volk wirklich die Abschaffung der Demokratie wünscht oder diese Entscheidung noch einmal überdenken möchte.
Wird sie nicht, verbietet in S-A die Landesverfassung. Entweder sie einigen sich schnell (was in Anbetracht der bestehenden Differenzen zwischen potentiellen Koalitionspartnern nur eine halbgare Aktion mit vielen offenen Fragen und dementsprechend eingeschränkt handlungsfähigem Ergebnis erwarten lässt), oder es muss neu gewählt werden.
Offensichtlich hat ein Teil der Wähler doch noch genug Kenntnisse über Deutschland, um den Unterschied zwischen einer
Landtagswahl und einer Volksabstimmung über die Außenpolitik der
Bundeskanzlerin.
Den Schluss kannst du statistisch auch einfacher ziehen:
Selbst/gerade in S-A hatten über 40% der AfD-Wähler bei der letzten Wahl keinen Bock, überhaupt bis ins Wahlbüro zu schlurfen. Und über 20% haben damals Linke oder Grün gewählt. Das heißt im Umkehrschluss 60% des Wahlerergebnisses geht auf reine Protestwähler zurück oder auf apolitische Leute, die erst dann in ihrer Eigenschaft als Bürger irgendetwas machen, wenn sie irgendwas vor ihrer Haustür mächtig anstinkt. Das heißt wenn bei der nächsten Wahl der große Aufreger "Flüchtlinge" wegfällt, wird die AfD 50-60% ihrer jetzigen Stimmen einbüßen, ggf. sogar bis zu 75%, wenn die SPD bis dahin wieder wählbar ist. Damit wäre die AfD also unter der 5%-Hürde, wenn sie nicht in der Zwischenzeit anfängt, mit durchdachten politischen Konzepten so etwas wie inhaltliche/Stammwähler abseits von NPD-Abwanderern und dem rechten CDU-Flügel an sich zu binden. Und aus der jetzigen Position heraus (Wirtschaftsflügel aus der Partei geekelt, reinen Populismus-Wahlkampf gemacht, Regierungsverantwortung trotz Wählerauftrag abgelehnt) sehe ich zumindest für die nächsten 2-3 Jahre nicht, wie die AfD in so eine produktive Rolle schlüpfen könnte.
...oder AfD-Wahlkampf und Wahlergebniss, denn das hat eindeutig etwas mit komplexen Themen zu tun - aber nicht mit Einarbeitung in solche.
Bier mit 16: Entscheidung über den eigenen Körper mit Auswirkungen für die nächsten paar Stunden.
Wählen mit 18: Entscheidung über das Leben mehrerer Millionen Menschen für die nächsten 4-5 Jahre.
Es gibt zwar nur einen losen Zusammenhang zwischen Alter und geistiger Reife und die genaue Grenzziehung ist diskutabel (ich wäre für Kommunalwahlen ab 14, Bundestag ab 21), aber das Bier eine niedrigere Hürde hat, als Wählen, ist für mich nachvollziehbar.
Das Problem wäre, dass man keine Demokratie mehr hätte.
Oder wer sollte entscheiden, wer wählen darf, wenn nicht eben Exekutive und Legislative, die es zu wählen gilt?
Wäre zugegebenermaßen ein interessantes Gegenbeispiel zu Iran, DDR, etc., wenn man statt dem passiven das aktive Wahlrecht politisch kontrollieren lässt
Nenne mir doch einmal fünf Stück von diesen "anderen Ländern".
Bevorzugt Länder mit über 20 Millionen Einwohnern, die das Konzept in den letzten 10 Jahren auch angewandt haben.
Das wussten die deutschen Wähler bestimmt nicht. Aber sie haben auch nicht in Japan gewählt. Sondern in Deutschland. Und da hat sich durch die Katastrophe genau gar nichts geändert.
Trotzdem sah das Wahlverhalten auf einmal komplett anders aus. Logische Schlussfolgerung:
Der deutsche Wähler ist im Moment zu blöd, solche weitreichenden Entscheidungen fundiert zu treffen. Das muss man ihn zum Teil nicht mal übel nehmen - aber es ist ein guter Grund, ein paar 100 Vollzeitkräfte zu beschäftigen, die genau solche Fehler nicht machen sollten. Zwar sorgt die Beauftragung durch den Wähler dafür, dass da auch nicht gerade die besten Leute sitzen, aber zumindest haben wir derzeit ein zweite Filter- und Kompetenzstufe, die die dümmsten Ideen raussortiert.
Auch hier gilt:
Das wusste niemand so genau. Aber es gab mehr als genug Leute, die wussten und darauf hingewiesen haben, dass das europäische Flüchtlingssystem Schrott ist und selbst geringe Mengen Flüchtlinge weder vernünftig versorgen noch fair verteilen kann. Und es gab genug Leute, die darauf gedrängt haben, dies zu ändern - beispielsweise europaweite Verteilungsschlüssel einzuführen. Wer war dagegen? Die Union. Wessen Meinung hat der Wähler bestätigt? Die der Union. Go, have fun.
Und dass unsere Einmischung in diversen Nationen weltweit zugunsten unterdrückender Regime die Flüchtlingszahlen nicht gerade reduziert, ist ebenfalls alles andere als geheim. Ich sehe erneut nicht, dass die Mehrheit der Wähler das geändert haben möchte.
Und woher hast du das gewusst? Aus selbst recherchierten, objektiv zusammengestellten Medien?
Oder aus den Informationen, mit denen dich deine Eltern berieselt haben und die
in diesem Fall möglicherweise sauber zusammengestellt waren, aber damit letztlich trotzdem nicht deine Meinung, sondern die deiner Eltern wiederspiegelten?
Und was ist eigentlich mit den anderen Themen? Es war keine Abstimmung über den Irakkrieg (welcher der drei eigentlich?), sondern über dutzende Themen. Zu all diesen sollte ein mündiger Bürger eine Meinung gehabt haben.
Wieso? Denkst du, dass Abitur wäre nur eine Zugangsstufe zu akademischen Berufen? Dann können wir es auch abschaffen und Hochschulstudiengänge nach Klasse 10 starten lassen. (Wäre sogar sehr effizient, denn aufgrund der unterschiedlichen Niveaus macht man die ersten 3-4 Monate den Stoff aus Klasse 11/12/ggf.13)