Energiegewinnung sollte halt so erfolgen, wie jeder Bürger es sich selber wünscht. Auch mit der Endlastenverteilung:
Solar und Windkraftverbraucher bekommen einmal im Jahr ihre kaputten/verbrauchten Solarpaneele, Rotorblätter etc. Atomkraftnutzer bekommen ebenso ihren Anteil an Brennstäben und Abklingbeckenwasser.
Ich wäre neugierig, wie lange es die Atomkraft dann noch gäbe
Selbst unter solchen Bedingungen wäre die Atomkraft vermutlich noch für einige salonfähig. Die Hauptbelastung des Mülls besteht ja nicht in der befristeten Lage für eine Generation. Dafür reicht ein Castor. Das Problem sind die 99,0 bis 99,7% der Lagerdauer, die nach dem biolgischen Tod der Entscheidungsträger und des letzten Nutznießers von Menschen geleistet werden müssen, die je auch nur ein Wh ""günstigen"" Atomstroms beziehen durften. Eigentlich müsste jeder, der 1 kWh Atomstrom verkauft (oder jeder, der sie kauft), das nötige Budget für die Erzeugung von 199 kWh anderen Stroms in einem Fond hinterlegen, der den zukünftigen Atommüllbetreuern zugute kommt.
Aber wie Hinkley C beweist, ist Atomstrom ja nicht einmal dann kommerziell konkurrenzfähig, wenn man die Entsorgung gar nicht berechnet, weil schon die Bau- und Betriebskosten mäßig sicherer Kraftwerke viel zu teuer sind.
Ja! Ihr könnt das fossiele Zeug verbrennen bis aufs letzte Gramm! Aber bitte tut nicht so, als wäre jemand der dies tut, sonderlich intelligent.
Sorry, aber er liegt der Wahrheit näher als du: Der Anteil des Rohöls, dass in die Kunststoffproduktion fließt, ist so gering und hat einen so geringen Anteil am Endpreis, dass das noch ewig reichen wird. Wenn wir nicht lange vorher auf Recycling oder biologisch abbaubare Materialien umstellen, ertrinken wir im Müll lange bevor und das Öl für neuen Müll ausgeht. Ganz abgesehen davon, das es längst Alternativen gibt, die nur noch zu teuer sind.
Wo er nicht recht hat: Dass die Nutzung als Energieträger sowieso bis zum letzten Tropfen geht. Dann wäre die menschliche Zivilsation am Arsch und auch wenn nicht jeder aktiv daran mitwirkt, dass zu verhindern, so haben sich doch alle auf diesen Fakt eingestellt: Ein Teil des Öls bleibt im Boden. Deswegen verkaufen Russland und USA, was geht, anstatt ihre Ressourcen zur strategischen Reserve zu erklären, deswegen geben die Araber immer mehr für Solartechnik und einen immer kleineren Teil für Exploration aus und deswegen hat Venezuela vor 20 Jahren mal einen "wir lassen unser Öl im Boden statt in der Athmosphäre und den Regenwald dazwischen stehen, wenn der Rest der Welt uns einen Teil des entgangenen Profits ersetzt"-Deal vorgeschlagen. Spätestens ab 2050 dürfte der Ölverbrauch der Welt sinken und bei 2100 gegen Null gehen, bevor auch nur die heute bereits bekannten Lagerstätten komplett leer sind.
(Was aber nicht heißt, dass dann keine Verbrenner mehr fahren. Pro km Reichweite sind Batterieautos auf absehbare Zeit so teuer, dass durchaus auch bei den anvisierten 5 €/l E-Fuel eine Nische für Fahrzeuge bleibt, die sich in 5 Minuten wieder volltanken lassen. Ich würde sogar sagen, dass 80% des Verkehrs, der sich nicht mit ÖPV oder Fahrrad bewältigen lässt, damit besser bedient wäre - allerdings laufen ja weniger als 70% des ÖPV-tauglichen Verkehrs via ÖPV. Da sind angemessen Batterieautos das kleinere Übel. Angeboten werden allerdings überwiegen unangemessene.)
Ok. Die Friedensbewegung ist jetzt aber nicht gerade für sachliche Argumentation bekannt. Eher im Gegenteil.
Sämtliche größeren Bewegungen sind überwiegend populistisch, das stimmt. Würde sich die Mehrheit in Deutschland rational verhalten, gäbe es ja gar keine Bewegung. Dann würden Politiker mit Sachthemen zu Wahlen antreten und wer sachlich falsche Entscheidungen vorschlägt (z.B. Abermilliarden in Atomkraft versenken), würde ohne Massenbewegung wieder verschwinden.
Dem ist nicht so, weswegen es oberfläch-unüberlegte Massenbewegungen gibt. Aber auch die halten sich nur über längere Zeit, wenn es einen von einzelnen Vorbildpersonen durchdachten, rationalen Kern hinter den Straßentauglichen Paroblen gibt. Das Gebrüllte ist also objektiv nicht falsch (zumindest nicht im Rahmen des tatsächlichen Wertehorizonts der brüllenden - bei den Ausländer-raus-Rassisten ist dieser Punkt etwas komplexer), nur stark vereinfacht. Aber Bewegungen, die auf schlicht falschen Überlegungen fußen, halten keine Jahrzehnte durch, ohne genau deswegen zu zerbröseln.
Bogen zurück zur Anti-AKW-Bewegung:
Ich stimme mit dir darüber ein, dass nicht jedes Mitglied derselben Kerntechnik-Experte ist. Aber das ist auch gar nicht nötig. Und dass es sich insgesamt um eine Sockenpuppe der Kohleindustrie handelt, wie hier verbreitet wurde, ist schlichtweg eine Lüge. Dagegen habe ich mich ausgesprochen.
Dabei bezieht er sich ausschließlich auf Siedewasser Reaktoren, deren Technik aus den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts stammt und er ignoriert in seiner Argumentation wissentlich neuere Techniken wie Schnelle Brüter, SMR und Thorium Reaktoren
Da dieses Märchen hier x-fach wiederholt wurde, auch dazu kurz eine Gegendarstellung:
- Alle mir bekannten Dokumentationen konzentrieren sich auf Druckwasserreaktoren. Siedewasserreaktoren baut afaik niemand mehr (Schwerwasser auch nicht) und kein anderer Typ wurde bis zur großindurstriellen Einsatzreife entwickelt.
- Die anderen genannten Technologien sind dennoch nichts neues, sondern alte Irrwege:
- SMRs sind schlicht PWRss in klein und heutige große, kommerzielle PWRs sind schlicht aus kleineren entstanden, die in den 50ern ihre produktive Einsatzreife erlangt haben. Da kleine Reaktoren pro kWh deutlich mehr Atommüll produzieren (und mehr Brennstoff brauchen), zumindest bislang pro kWh mehr kosteten und pro kWh ein deutlich größeres Risikos eines GAUs haben (schlicht durch Skaleneffekte) ist man für die Stromerzeugung aber auf größere Modelle gewechselt und nutzt die kleinen heute nur noch für U-Boote und Flugzeugträger (ein paar ganz wenige Ausnahmen gibt es, die sind aber alle von Träger-/U-Bootreaktoren abgeleitet. Von den gleichen Herstellern kommen übrigens auch die SMR-Konzepte.)
- Schnelle Brüter sind noch älter und stammen aus den 40ern. Sie sind konzeptionell besonders unsicher und wurden deswegen mit einer einzigen Ausname ausschließlich von Staaten gebaut, die sie für die Produktion von waffenfähigem Plutonium haben wollten. (Die eine Ausnahme war ein deutsches Forschungsprojekt in den 70ern. Dessen Rückbau ist bis heute nicht abgeschlossen, kostet aber bereits über 1 €/kWh. Wohlgemerkt zzgl. sehr teurem Betrieb und Aufbau und der Müll ist noch mal ein ganz eigenes Thema.)
- Thorium Reaktoren sind ein Ansatz aus den 60er Jahren. Deutschlands Versuch, einen zu bauen, gilt als (mit) der größte Fehlschlag unter den BRD-Atomprogrammen. Störfälle, Radioaktivitätsfreisetzung, erhöhte Krebsraten. Bis heute konnte der Abbau nicht einmal beginnen, die problematische, teure Lagerung des erzeugten Atommülls ist gerade wieder Dauerthema in der Politik.
- Die normalerweise in einem Atemzug genannten MSR (Flüssigsalzreaktoren) sind übrigens genauso alt (das Kühlungskonzept passt gut zu Brutprozessen). In den vergangenen >60 Jahren konnte aber niemand, die inhärenten Korrosions- und Kontaminatinosprobleme lösen, den komplizierten Betrieb ökonomisch machen oder die unvermeidbare Multiplkation der Menge verstrahlten Materials zu verhindern. Einzig zum bei bisherigen Anlagen eingebauten (nicht-nuklearen, zusätzlichen) Explosionsrisiko kam kürzlich ein Vorschlag. Der die Anlage aber noch teurer, noch komplizierter und thermisch ineffizienter machen würde. ("Komplexität" = wenn was falsch macht, hat man zwar keinen GAU, aber einen riesigen Klotz Atommüll, der keinen Strom mehr produziert. Russland hat da einschlägige Erfahrungenmit flüssigmetallgekühlten Reaktoren vorzuweisen, die noch etwas trickier, bei Atom-Fans aber trotzdem populär sind.)
- Der Abfall all dieser Reaktoren ist bei vergleichbarem Zyklus genauso strahlend, wie bei Druckwasserreaktoren. Teilweise mögliche, alternative Zyklen können das zwar geringfügig ändern, aber mit erheblichen Auswirkugnen auf Sicherheit und Stromproduktion. Außerdem sind das die gleichen Reaktoren, die wesentlich leichter auch 1A Atombomben produzieren (ODER WERDEN) können. Optimal also als universelle, globale Energiequelle für Länder wie Iran, Palästina, Afghanistan, Sudan oder Jemen geeignet, die dann von ""sicheren"" Nuklermächten (Nordkorea, Russland, China, Pakistan) unterdrückt/kontrolliert und versorgt werden müssten.
Auf eine strahlende Zukunft!