Videosignale werden heute nur noch digital übertragen. Da spielt das Kabel sowieso keine Rolle, den Einsen und Nullen ist es egal, durch welches Kabel sie geschickt werden. Man muss einzig darauf achten, dass das Kabel die Mindestspezifikationen des gewünschten Standards erfüllt (Stichwort HDMI, DP oder USB). Es bringt also erst recht nichts, ein teures Kabel zu kaufen.
Dass das Kabel keine Rolle spiele, stimmt so auch nicht. Die Essenz, also die eigentlichen Daten, mögen heute digital sein, am Ende werden aber auch diese Bits immer noch als Wechselspannung über eine Kupferleitung übertragen (optische Übertragung über LWL lassen wir mal außen vor). Und je mehr Bildinformation man hat (höhere Raster- oder Quantisierungsauflösung und Framerate), desto mehr Bit pro Sekunde muss das Kabel logischerweise übertragen können, womit wir im Videobereich bei heute üblichen Parametern (> 12 GBit/s) von Hochfrequenztechnik reden, deren Handhabung alles andere als lustig ist – was sich insbesondere in der maximalen Kabellänge bemerkbar macht, weil mit höherer Frequenz natürlich auch die Dämpfung durch das Kabel steigt (die Impedanz, also der Wechselstromwiderstand, ist frequenzabhängig). Deshalb gibt es ja verschiedene Klassifizierungen bzw. Versionen der jeweiligen Schnittstelle, die eine bestimmte Güteklasse und somit Mindestübertragungsrate bei maximaler Kabellänge garantieren sollen und entsprechend kosten. Und da würde ich auch nicht zum billigsten Kabel von der Amazon-Resterampe greifen, bei dem davon auszugehen ist, dass „HDMI 2.0“ ein eher großzügiges Versprechen ist, wenn ich die Spezifikationen wirklich ausreizen will. Übertreiben muss man es wiederum auch nicht, ein paar Euro für eine halbwegs etablierte Marke drauflegen reicht schon. Für 4000 Euro kauft man eine
Glasfaserkabeltrommel für professionelle Videoproduktionen im Außenbereich.
Digital ist digital. Wer das nicht versteht, darf gerne 3993 Euro mehr ausgeben
Im Artikel geht es allerdings um Kabel für analoge Signalübertragung. Allein deshalb ist die Beschreibung auf der
Webseite ein einziges Fest, wo u. a. von „digitalen Tonformaten bis 24 Bit/192 kHz“ die Rede ist, die darüber überhaupt nicht übertragen werden, weil vorher eine Wandlung von digital in analog stattfinden muss. Was hoffen die Hersteller eigentlich immer, damit zu erreichen? Wenn eine Produktbeschreibung dermaßen nach Trickbetrug, Voodoo und Homöopathie stinkt, bewirkt das bei mir eher, dass ich auch deren restlichen Produkten nicht traue. Aber da bin ich halt auch nicht die Zielgruppe; und Idioten von ihrem Geld zu trennen ist das zweitälteste Geschäftsmodell der Welt.
Die größte Beeinträchtigung für die Tonqualität bei analoger Übertragung sind elektromagnetische Störeinflüsse und wieder die Dämpfung der Leitung. Letztere ist bei den Kabellängen, die im Heimbereich üblich sind, irrelevant, Erstere bekommt man mit symmetrischer Übertragung weg, womit ein RCA-Kabel, ob für 7 oder für > 4000 Euro, ausscheidet und damit auch alle Zuspieler und Endstufen, die kein XLR (oder symmetrische 6,3-mm-Klinkenbuchsen) haben. (Ergänzung: Natürlich kann man sich auch DI-Boxen dazwischenhängen, wenn man das bei einem Meter Kabelweg für nötig hält und damit leben kann, dass auch diese den Klang färben können.

) Auch da sollte man nicht unbedingt zu den allerbilligsten Kabeln von TEMU greifen (zumal man generell nicht bei TEMU bestellt), weil die Steckverbinder bei diesen erfahrungsgemäß eher schlecht als recht verlötet sind; aber ebenso wenig Mondpreise bezahlen.