ruyven_macaran
Trockeneisprofi (m/w)
Und nun mal von oben der Reiher runter...
Wieso sollte ich mir denn nun die Mühe machen Studien zu finden, die deine Behauptungen untermauern.
WTF? Ich muss ehrlich deine Lesekompetenz anzweifeln, denn der von dir genannte Aspekt, um den herum du Studien forderst, wurde nicht von mir, sondern von dir genannt. Wie ausdrücklich von mir angesprochen.
Dein Argument => deine Belegpflicht.
Ich habe lediglich zuvor angemerkt, dass EPR & Co schweine teuer sind und sogenannte Kraftwerke der sogenannten vierten Generation überhaupt nicht exisitieren. Wenn du dafür Quellen brauchst, reicht tatsächlich ein Blick auf die entsprechenden Wikipedia-Seiten, aber eigentlich sind das unstrittige Fakten.
Da der Bericht zum Endlager in Finnland von der stattstreuen Tagesschau gelinkt habe, vermute ich mal der Konjunktiv von der Tagesschau kommt
Tjo. Das "vermutest" du also? Ich sehe keinen Anlass für die Vermutung. Im Gegenteil, es ist eigentlich ziemlich normal, dass zu Beginn eines Großprojekts viele Kostenfaktoren noch unklar sind und deswegen Konjunktive unvermeidbar.
Wird dir aber Ende des Tages jemand beweisen können, dass es sicher ist?
Nein, es ist aber auch egal,
Na wenn dir eine Diskussion egal ist, dann verzieh dich halt aus diesem Diskussionsforum.

Den Menschen ist es jedenfalls nicht egal, wenn unsichere Technik in ihrer Umgebung eingesetzt wird und im Falle von Atomtechnik bedeutet das einen Radius von einigen 100 km.
Wenn bei den Thorium Reaktoren so viele Fragen offen sind, besonders die von dir beschriebenen technischen Fragen, dann frage ich mich allerdings, wie China einen bauen und betreiben kann.
Das der in Forschungsphase ist und außer Konkurrenz läuft ist dabei natürlich klar.
Scheinbar schreib ich chinesisch...
Was man in der Forschungsphase als Experiment baut ist eben genau das: Ein Experiment, dass versucht, Antworten auf die offenen Fragen zu finden. Man hat ein Idee für mögliche Problemlösungen und probiert sie aus. Wenn sie funktionieren ist man einen Schritt weiter. Wenn nicht, dann nicht. Läuft das bei dir in Einhornhausen anders ab, dass du mit noch nicht fertig entwickelten Techniken sicher planen kannst?
Die wesentlichen Merkmale was die Sicherheit angeht liegen dabei im schon im Prinzip des Reaktors selbst verankert und schließen eine Kernschmelze und den Gau aus.
Ein GAU allein durch Kernschmelze ist bei MSRs tatsächlich prinzipiell unmöglich. Aber der Grund, warum eine Kernschmelze ein GAU ist, keineswegs. Das Austreten des Kerninhalts in flüssigem Zustand ist sogar wesentlich wahrscheinlicher und erfordert entsprechende Sicherheitsmaßnahmen. Genauso besteht aufgrund der hochreaktiven Chemie ein stark erhöhtes Explosionsrisiko durch Wasserstoffbildung, die im Vergleich zur normalerweise gefürchteten sogenannten "Explosion" durch Überhitzung in einem wassergekühlten Reaktor bei Kernschmelze sogar noch wesentlich bedrohlicher ist. Diese sicherheitstechnischen Fragen können ggf. technisch gelöst werden, müssen es aber eben auch. Genauso wie beim PWR bestimmte Sicherheitsfragen technisch gelöst werden müssen und können.
Beim MSR dreht sich aber vorerst alles um weniger Sicherheits-, sondern erstmal um Praktikabilitätsfragen: Wie kriege ich Gase aus dem Primärkreislauf? Wie kriege ich neuen Brennstoff in den Primärkreislauf? Wie kriege ich verbrauchten Brennstoff aus dem Primärkreislauf?? Wie kriege ich das Ding jemals wieder in Gang, wenn ich es einmal Notabschalten und auskühlen lassen musste? Solange man diese Fragen nicht beantwortet hat, ist eine kontinuierliche Stromproduktion mit einem MSR einfach nicht möglich. Um Antwortmöglichkeiten auszuprobieren, haben die Chinesen jetzt halt ein Experiment gebaut, dass offensichtlich mehr stehen als laufen wird - also ständig umgebaut, um was anderes auszuprobieren. Wenn sie in 10 Jahren damit fertig sind, kann man einen Entwurf für eine zweite Generation Experimentalreaktoren zeichnen oder mit viel Glück auch den für ein ersteres nicht-kommerzielles Kraftwerk. Und auf Grundlage dieser Entwürfe kann man dann deren Sicherheit als gut oder nicht so gut bewerten. Aber akutell ist die Entwicklungsgeschichte von MSRs kaum mehr als eine Stufe vom Chicago-Pile entfernt: Man hat den grundlegenden nuklearen Teil verstanden und geeignete Materialien gefunden, um überhaupt eine Kettenreaktion zu erzeugen. Noch reicht also der metaphorische Typ mit Axt als Sicherheitsmerkmal.
Auch was du zu den Kraftwerken mit Unfällen geschrieben hast stimmt so nicht.
Tschernobyl galt nie als sicher
Da habe ich aus sowjetischen Quellen aber komplett andere Angaben gehört.
Alle europäischen und US Reaktoren durften ohne diese Mechanismen überhaupt nicht gebaut werden.
Ach ja? Welche Sicherheitseinrichtungen hatte denn Windscale, die Tschernobyl nicht hatte? Oder der SL-1? Natürlich wurden auch in Europa und den USA unsichere, sogar noch weit unsicherer Reaktoren als Tschernobyl gebaut. Nur halt nicht mehr in den 80er Jahren. Aber trotzdem vertraten deren Betreiber bei Bau und auch anschließend immer Position, die Anlagen wären ausreichend sicher - bis sie zur Stilllegung gewzungen wurde, teils weil es zu einem schwerwiegenden Unglück kam.
Siehe Fukushima Daichi: Das hatte all die Sicherheitsmerkmale, die in Tschernobyl gefehlt haben. Und es hatte auch alle anderen Vorkehrungen für alle plausiblen Eventualitäten. Nur halt leider nicht für die eine "unplausible", "nie eintretende" Eventualität, die dann irgendwie doch eingetreten ist.
Ich unterstelle hier einfach auch mal, dass Japan bewußt ist, dass sie in einer Erdbeben Region leben.
So what? Wir Deutschen sind uns bewusst, dass wir in einer Gegend mit intensiven Verkehr großer Verkehrsflugzeuge leben. Haben wir deswegen auch nur ein einziges Kraftwerk gegen den Absturz eines großen Verkehrsflugzeuges gesichert? Nein. Die Franzosen sind sich bewusst, dass sie in einer Region mit heißen, trockenen Sommern leben, während denen es auch einen erhöhten Strombedarf gibt und die haben nicht einmal die Kühlung ihrer Kraftwerke darauf ausgelegt, in einem warmen, heißen Sommer Strom zu produzieren. Oder, for that matter, um in einem kalten, feuchten Winter mit noch höherem Strombedarf eine Verfügbarkeit von >50% zu erreichen, weswegen wir unser Gas für deren Elektroheizungen verbennen müssen.
Ich weiß nicht, ob das vielleicht trotz mehrfacher Betonung einfach nicht rüberkommt. Aber ich habe nie geschrieben, dass Atomkraft nicht sicher sein !könnte!. Für prompt kritische Designs wie z.B. die von dir angehimmelten schnellen Brüter gilt zwar auch das, aber viele andere Atomanlagen haben nur ein technisch unlösbares Problem: Die Proliferation.
Aber rein vom Prinzip er ist ein sicherer Atomreaktor genauso vorstellbar wie eine sichere Endlagerung. Das Problem ist, dass beides schweine teuer wäre und die gesamte Geschichte der Atomtechnik ist nicht von "so sicher wie möglich", sondern so "billig, dass wir es durchs Parlament bekommen" geprägt. Und mittlerweile sind wir eben technisch an einem Punkt angekommen, an dem man sich überhaupt nicht mehr darüber streiten braucht, ob die Sicherheit der Bevölkerung und die Grundrechte kommender Generationen 30 Cent pro kWh, 60 Cent pro kWh oder 200 Cent pro kWh wert sind / kosten dürfen. Sondern wir haben eine Technik, mit 20-25 Cent pro kWh locker machbar sein sollten und die definitiv sicherer ist als die gemäß praktischer Beobachtungen unsicheren Atomkraftwerke der vergangenen <<20-Cent/kWh-Generationen. Die einzige Diskussion, die wir jetzt noch führen müssen ist, ob wir überhaupt mehr als 10 Cent pro kWh akzeptieren oder lieber bei Kohle und Gas bleiben.
(Anm.: Kostenangaben gemäß europäischen Standards. Die Chinesen bauen Kraftwerke auf einem Niveau, dass zumindest laut den ""vertrauenswürdigen"" Genossen der KP einem EPR entspricht, natürlich ein gutes Stück billiger. Aber bei denen kosten auch Solarkraftwerke und Kohlestrom viel weniger als in der EU, sodass die Relationen gleich bleiben.)
Genau deshalb gab es um dem Fukushima AKW eine große Sicherheitszone und deshalb lediglich einen Toten.
Die Kernschmelze in Fukushima konnte lange genug hinausgezögert werden, um große Teile der Umgebung zu evakuiieren, bevor es zur Radioaktivitätsfreisetzung kam und der Wind stand afaik auch günstig. Aber das sind keine Sicherheitsmerkmale, das ist Glück im Unglück. Ein "sicheres" Atomkraftwerk ist ein intaktbleibendes Atomkraftwerk.