Totaler Schwachsinn. In der Regel läuft auch alles unter Win10.
Und was heißt kein Support für Windows 10...
Für Win10 IoT gibt es bis Januar 2032 security patches.
Man kann in Deutschland niemandem verbieten, die IoT-Version zu installieren (das ist 21H2), wenn man eine Lizenz dafür gekauft hat (kostet rund 160 €).
Fairerweise muss man aber berücksichtigen, dass die IoT LTSC-Version nie für den üblichen Desktop-Einsatz beim Privatanwender gedacht war. Die Zielgruppe sind Unternehmen und Bildungseinrichtungen (daher auch die Produktlinie „Enterprise“) mit spezialisierten Maschinen oder Embedded-Systemen, auf denen eine ganz bestimmte Software betrieben wird, die über Jahre in der gleichen Version läuft, weil sämtliche Workflows, Produktionsketten etc., die darauf angewiesen sind, mit genau dieser Version und ihren Funktionen konzipiert wurden, sodass ständige Upgrades, mit denen Funktionen hinzukommen, geändert werden oder rausfliegen, nicht erwünscht sind, was dann entsprechend genauso für das Betriebssystem gilt. Ebenso wenig wird die Hardware dieser Maschinen über die gesamte Laufzeit von 10 Jahren oder mehr ausgewechselt. Deshalb ist die IoT-Version ja auch im Vergleich mit einem handelsüblichen Windows so erfreulich minimalistisch; und deshalb sieht der Vertrieb von Microsoft auch nicht vor, dass man als Normalsterblicher an eine Lizenz für diese Version herankommt. Dass es in Deutschland trotzdem möglich ist, liegt einzig und allein daran, dass der Gesetzgeber dem Gebahren, den Weiterverkauf von Lizenzen zu unterbinden, einen Riegel vorgeschoben hat – im Direktvertrieb gibt Microsoft keine Enterprise- und somit auch keine IoT/LTSC-Lizenzen an Privatkunden raus.
Dementsprechend ist es für die Hersteller von Software, die sich ganz überwiegend oder ausschließlich an den Privatkundenmarkt richtet (und dazu zählen nun mal alle Games), weder rechtlich, noch wirtschaftlich notwendig, ihre Produkte weiter für ein Windows zu pflegen, das von Microsoft eingestellt wurde, geschweige denn, neue Produkte für ein solches Windows zu entwickeln, wenn dessen Nutzungsanteil einen gewissen Punkt unterschreitet. IoT LTSC spielt im Privatkundenmarkt keine Rolle – die Masse wird das Schlupfloch nicht nutzen (wer einen fertigen Rechner kauft, installiert in den meisten Fällen noch nicht einmal das Betriebssystem selber), und diejenigen, die es tun, haben da keinen Hebel gegen die Hersteller, weil es für diesen Einsatzzweck ohnehin offiziell nie vorgesehen war. Es mag funktionieren, und dank weniger Bloat im System sogar besser als mit einem normalen Windows Home oder Pro; aber beabsichtigt war das nie. Bei professioneller Software sieht das alles ein wenig anders aus, aber da wandern auch ganz andere Summen über den Tisch – und selbst da ist man nicht dagegen gefeit, wenn man kein Geschäftskunde ist, der mit dem Softwarehersteller einen individuellen Supportvertrag hat, in dem genau diese Unterstützung vereinbart wurde.
Selbst die wenigen Programme, die eine Installation oder ein Upgrade verweigern, lassen sich unter Win10 22H2 updaten. Und wenn man dann auf die IoT zurückschwenkt, dafür gibt es in place-Upgrade-Helper auf GitHub, dann sieht man, dass das alles heiße Luft ist. Es läuft alles ohne jegliche Probleme (Beispiel: DxO Photolab).
Windows schleppt so viel Legacy mit sich rum, dass es Fluch und Segen zugleich ist: Fluch, weil es die Pflege massiv erschwert und das System spätestens seit Windows 8 ein mit jeder neuen Version unübersichtlicheres Stückwerk aus alt und neu ist; Segen, weil es eine beispiellose Abwärtskompatibilität auch zu Software erzeugt, die teilweise über 20 Jahre (!) alt ist. Garantiert ist es nie, weder von Microsoft, noch von den Herstellern der Software (falls es diese überhaupt noch gibt); aber zum größten Teil funktioniert es halt, zumindest rein auf Betriebssystemebene.
Fälle wie DxO Photolab erfordern schon ein absichtliches Kaputtmachen durch den Softwarehersteller. „SaaS“ ist hier ganz besonders gefährdet; bei Adobe ist es geradezu in Stein gemeißelt, dass sie ihre CC früher oder später für Windows 10 bricken werden (also nicht einfach nur wie Valve keine Updates mehr ausliefern, sondern per bösem Update den Start verweigern). Ubisoft hat das auch schon geschafft, wobei hier nicht Software, sondern Hardware ausgeschlossen wurde: Ein Kumpel hatte vor ein paar Jahren noch einen PC mit einem Phenom II, auf dem er u. a. „The Crew 2“ zockte – und nach einem Softwareupdate lief das Spiel von einem Tag auf den anderen nicht mehr mit dieser CPU. Nun kann das bei Ubisoft auch einfach Inkompetenz gewesen sein, aber sie haben sich auch nie die Mühe gemacht, das Spiel wieder auf dieser Hardware lauffähig zu machen.
So wie das Abspielen alter Software aber in den meisten Fällen an fehlender Unterstützung neuer Hardware scheitert als an Windows, so ist es umgekehrt auch in der Regel veraltete Hardware, die dazu führt, dass aktuelle Software auf dem System nicht mehr läuft, und eben kein veraltetes Windows – denn wie gesagt: Rein auf Betriebssystemebene herrscht nahezu vollständige Binärkompatibilität.
Im Übrigen habe ich beschlossen, keine Programme mehr von Firmen zu kaufen oder zu upgraden, die einem das Leben noch schwerer machen als ohnehin schon und einen auch zu Win11 treiben wollen. Es reicht schon, wie Microsoft das tut. Bei denen piept’s wohl.
Halte ich für ein lobenswertes Unterfangen, aber du darfst davon ausgehen, dass es mit der Zeit immer leichter wird, eine Whitelist zu führen, statt einer Blacklist. Schlechte Ideen und kundenfeindliche Methoden setzen sich im Software-Umfeld erfahrungsgemäß nur allzu schnell durch.